Maneki Music: Das Kollektiv tanzt

Ein Gespräch mit Mi Weber und Katja Krause von Maneki Music.

Jens Kobler: Maneki Music: Kein Label, sondern eher ein Projekt. Ein Zusammenschluss von Leuten, die sich mit elektronischer Musik beschäftigen, Veranstaltungen organisieren, Tracks veröffentlichen? Erklärt doch bitte einmal, was Ursprung und Sinn des Projektes ist.

Mi Weber: Die Idee zu Maneki Music existiert seit etwa drei Jahren, jedoch fehlten zu Beginn die richtigen Mitstreiter. Anfang vergangenen Jahres hat es sich durch glückliche Umstände ergeben, dass wir drei zueinander gefunden haben. Da ist einmal Katja aus Köln, die bereits seit über 10 Jahren auflegt und hauptberuflich Graphikdesignerin ist. Sie macht das komplette Design für Maneki Music. Cramp hat ebenfalls schon in sehr jungem Alter in vielen Locations aufgelegt und produziert am meisten von uns. Er steht aktuell kurz vor seinem ersten Release. Ich habe die wenigste Erfahrung im Auflegen und bin vor allem zuständig in Sachen Organisation, Networking und Promotion. Durch diese unterschiedlichen Präferenzen ergänzen wir uns ideal und können vieles selbst leisten.

Katja Krause: Sinn war es, eine eigene Homebase zu schaffen, sich dort auszutoben und Kraft aus dem Kollektiv zu schöpfen. Wir alle haben einen differenzierten, ausgefeilten Musikgeschmack, der auf jahrelanger subkultureller Zugehörigkeit beruht, und genau dieses Fundament diente zur Gründung von Maneki Music. Nach ein paar gemeinsamen Clubnächten haben wir schnell gemerkt: Das passt einfach!

JK:
Derzeit wird viel auf das Ruhrgebiet als Pop-Standort abgehoben. Dabei funktioniert gerade elektronische Musik ja vor allem ortsungebunden. Und Ihr bewegt Euch ja durchaus gerne außerhalb der Grenzen von Ruhr und Emscher. Ich erinnere mich da an Veranstaltungen in Köln mit Eurer Beteiligung, aber auch Jobs in Berlin, etc….

Mi Weber: Grundsätzlich wohnen und leben wir im Ruhrgebiet bzw. Katja mittlerweile in Köln, daher finden unsere Veranstaltungen vor allem hier vor Ort statt. Wir wollen unseren unmittelbaren Raum gestalten. In Köln waren wir im Sommer an einer etwas größer angelegten Party im Kontext der Spielmesse Gamescom beteiligt. Zur gleichen Zeit hatten Katja und ich die Möglichkeit in Köln an einem vom Land geförderten, vom Female Pressure ausgerichteten Remixworkshop teilzunehmen. Unter Anleitung von Acid Maria und Maya Sternel remixten wir klassische Musik von Haydn und präsentierten die Resultate live bei zwei Konzerten im Rahmen des Haydn-Festivals im Schloss Brühl. Das war eine sehr spannende Arbeit und für uns ein ganz neuer Blick auf elektronische Musik. Der Fokus unserer ganz eigenen Veranstaltungen allerdings liegt ganz klar hier vor der Haustür.
Natürlich lassen wir uns auch von der Hauptstadt allzu gerne inspirieren und kennen uns dort auch gut aus. In den letzten Jahren habe ich zweimal für jeweils mehrere Monate in Berlin gelebt und unter anderem für das Label Staubgold und den Musikverlag und die Promo-Agentur Autopilot von Guido Möbius gearbeitet. Beide, Staubgold und Autopilot, stammen interessanterweise ursprünglich aus Köln. In dieser Zeit konnten wichtige Kontakte aufgebaut werden, von denen wir noch heute profitieren können.

JK: Wie seht Ihr im Verhältnis dazu die Clubszene an der Ruhr? Meines Erachtens gibt es relativ wenig Experimentiermöglichkeiten in kleinen Clubs, viele ältere, eingesessene Clubbetreiber, festgelegte Programmschemata, ein rein auf das Wochenende und damit eher irgendwie kommerziell ausgerichtetes Nightlifeangebot. Wie kommt man da unter und vermeidet, als eher virtuelles Hobbyprojekt zu enden?

Katja Krause: Virtuelles Hobbyprojekt, genau das wollen wir nicht sein. Deshalb ist es wichtig auch tatsächlich in Erscheinung zu treten und da setzen wir ganz klar auf das Veranstaltungsformat. Möglichst alle 2 Monate, denn da bleibt genug Zeit um sich mit Liebe und Sorgfalt um die Organisation zu kümmern.

Mi Weber: Das Unterkommen ist bisher gut gelungen. Begonnen haben wir in der Bochumer Goldkante mit der REDUCED TO THE max-Reihe. In dieser Location gibt es für hiesige Verhältnisse große Experimentiermöglichkeiten und unterschiedlichste Veranstaltungsformate. Sogar unter der Woche ; ) Der Schritt in die Bochumer Evebar und nun in den Goethebunker ist uns einerseits aufgrund jahrelang bestehender persönlicher Kontakte gelungen als auch dadurch, dass wir mit unserem Konzept - deepen House mit organischen Elementen zu mischen - überzeugen konnten. Insgesamt sind wir sehr zufrieden und haben bisher sehr viel Vertrauen entgegen gebracht bekommen.
Vom üblichen, ruhrgebietstypischen Kulturpessimismus kann keine Rede sein. Unser Motto war von Anfang an ganz simpel gesprochen: “Mach et einfach!” - und das hat sich meistens bewährt. Daher sind wir nun sehr gespannt auf unseren ersten Abend am 16.01. im Goethebunker mit Florian Schirmacher aus Hamburg, der sein Set eventuell sogar mit Live-Vocals anreichern wird und sein neues Label FormResonance vorstellt.

JK: Maneki Music gibt es jetzt etwa seit einem Jahr. Was ist für das zweite Jahr des Bestehens zu erwarten?

Katja Krause: Wir arbeiten jetzt in erster Linie daran, dass sich unsere Veranstaltungsreihe "Maneki Music präsentiert" etabliert und zur regelmäßigen Pilgerstätte für Musikliebhaber wird. Wir laden dabei jeweils einen Künstler ein, der uns persönlich mit seinem musikalischen Schaffen begeistert und dabei aber menschlich auf den Boden geblieben ist. Gleichzeitig werden wir unsere Internetplattform ausbauen. Perspektivisch werden wir die Idee eines Labels weiterentwickeln.

Mi Weber: Insgesamt möchten wir weiterhin konsequent, aber nicht überstürzt vorgehen. Alles braucht seine Zeit, wenn es eine gewisse Qualität haben soll. Daher möchten wir in den nächsten Wochen viele Menschen für unsere Veranstaltungen begeistern und uns auf das Wesentliche konzentrieren: Schöne Musik und eine gute Zeit zusammen verbringen!

Nächste Termine:
- 16.01. Essen – Goethebunker w/ Florian Schirmacher (Cocoon, Cadenza, Perlon)
- 23.01. Bochum – Goldkante REDUCED w/ Ioshi (Köln)
- 27.02. Bochum – Evebar w/ Modern Walker (Isendit, Supercity)
- 20.03. Essen – Goethebunker w/ Solomun (Diynamic, Compost, Sonar Kollektiv)

www.manekimusic.com

http://rudelrecords.de/haydn-remix.html

Mi, 30.12.2009 0

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04.12.2009

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Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

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