"The Making Of Beyoğlu"- Studenten beim Workshop

"The Making Of Beyoğlu" – Ein Workshop in Istanbul

Ein urbanes Planungsspiel im Istanbuler In-Viertel

In Zusammenarbeit mit dem Istanbuler Kulturzentrum SALT, dem Bureau Venhuizen aus Rotterdam und Urban Rhizome aus Duisburg-Marxloh wurde zwischen September und Dezember 2011 im Istanbuler In-Viertel Beyoğlu ein ungewöhnliches Workshopformat zur partizipativen Raum- und Stadtplanung erprobt.

Gemeinsam mit lokalen Akteuren, Laien und Experten wurde das urbane Planungsspiel „The Making Of Beyoğlu“ an acht Wochenenden am Bosporus gespielt.
 

Mit spielerischer Strategie zu einer partizipativen Stadtentwicklung
"The Making Of Beyoğlu"Egal ob Brettspiele, Videospiele, Sport- oder Rollenspiele, der einfache Akt des Spielens ruft bei den meisten Menschen ein positives Gefühl hervor. Dabei teilen fast alle Spiele dieselbe Grundstruktur: es gibt Spieler, festgesetzte Regeln und die Option zu gewinnen. Auf genau diese drei Komponenten stützt sich „The Making Of“, um einen kulturelleren Zugang zum Thema Raumplanung und Stadtentwicklung zu bekommen.

Das Spiel dient der kreativen Kristallisierung nicht konsistent formulierter Ansprüche, Wünsche und Forderungen sowohl von Bewohnern einer Stadt als auch von ihren administrativen Vertretern. Dabei kann es um die Veränderung und den Umbau eines öffentlichen Platzes gehen, der Renovierung eines ganzen Viertels, oder auch der Suche einer Region nach ihrer Identität.

Gegenwärtige Probleme als zukünftige Chancen nutzen
Im Gegensatz zum gängigen Raumplanungprozess, in welchem alle Bemühungen und Ideen sich auf ein festgelegtes „Endziel“ hin konzentrieren, fokussiert sich „The Making Of“ auf die Einbeziehung aller Beteiligten und initiiert eine Diskussion über den Wandlungsprozess und alle dafür möglichen Methoden und Lösungen.

Teilnehmer von „The Making Of“ lernen, dass sie spielerisch zueinander finden, wenn sie sich mit der Wandlung eines Ortes beschäftigen – was nicht zwangsläufig Konsens bedeuten muss. Es geht um die Kommunikation und den Austausch, um „Sich-ins-Verhältnis-setzen“ zu seiner Umwelt und dem Begreifen, gegenwärtige Probleme und Herausforderungen als zukünftige Chance zu nutzen.

Pläne für Beyoğlu
Im Jahre 2010 verabschiedete die Istanbuler Stadtverwaltung Pläne zur Erhaltung des Stadtteils – ein Viertel, dass seit mindestens zwei Jahrtausenden bewohnt ist. Aufzeichnungen belegen, dass die ersten Bewohner Beyoğlu´s bereits zu Christi Zeiten dort lebten.

Die Pläne betreffen vor allem Aspekte der Raumplanung und Stadterneuerung; darin heißt es, dass „vorhandene negative Beschaffenheiten beseitigt“ werden sollen. Es soll eine „nachhaltige Balance zwischen Vergangenheit und Zukunft gehalten werden, die gleichzeitig die einzigartige Identität der historischen Halbinsel im Bezug auf Geschichte, Kultur, Wissenschaft, Kunst, Kommerz und Tourismus berücksichtigt. Hervorzuheben ist der unverwechselbare Charakter des Viertels bei gleichzeitiger Wahrung aller Gegensätze; die Pflege und Einigkeit historischer, kultureller und architektonischer Errungenschaften und Werte Beyoğlu´s“ sind ebenfalls Ziele der Stadtverwaltung.

So weit so gut. Aber welche Strategien können entwickelt werden um Beyoğlu´s physikalische und „soziale Architektur“ zu erhalten und zu verbessern? Und auf welche Art und Weise können Bürger und Laien in den Prozess des Wandels ihres Viertels involviert werden? Um diese Fragen kreisten die acht Workshoprunden von Hans Venhuizen´s „The Making Of Beyoğlu“.

Das Spiel als Empowermentmethode
Teilnehmer des Workshops – allesamt Schüler, Studenten, Wissenschaftler, Stadtplaner, Architekten, Politiker und Anwohner – waren angehalten die aktuelle Lage Beyoğlu´s zu analysieren, Ideen vorzuschlagen, Einwände zu entwickeln und Diskussionen über alternative Lösungen anzustoßen.

Durch den spielerischen Charakter von „The Making Of“ lernten die Teilnehmer eine erste Annäherung und ein Grundverständnis für eine öffentliche Angelegenheit zu entwickeln.

„Morgen werde ich zum Rathaus gehen und dort fragen warum sie unser Emek Sineması (historisches Kino) abreißen, um es an derselben Stelle wieder genau so aufzubauen!“ sagte eine wütende Teilnehmerin nach dem Workshop. „Jetzt erst habe ich begriffen, dass es mich etwas angeht, was in meiner Stadt geschieht – vor dem Workshop hatte ich kein besonderes Bewusstsein darüber, dass es eine Verbindung zwischen mir und dem öffentlichen Raum gibt.“


“The Making Of” ist eine Methode, ein Instrument, das Bürger ermächtigt sich eine Meinung über vermeintlich Abstraktes zu bilden. Es zielt darauf ab, die vorhandenen Erfahrungsschätze der Teilnehmer auf eine kreative Weise zu aktivieren. Sie kommen innerhalb eines konzentriert geführten Diskurses zu konkreten Lösungen für ausgewählte Herausforderungen im Bereich der Stadtentwicklung und partizipieren so an einem demokratischen Prozess.

 

Fotos: (c) Urban Rhizome

 

Di, 13.03.2012 0

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02.12.2009

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