love and peace
Woodstock 1969 – bis dato größte Musik-Veranstaltung. Erwartet wurden 60.000, es kamen 400.000 auf die Farm des Max Yasgar in Whitelake bei Bethel. Eine Million machte sich auf den Weg, die meisten wurden von der Polizei wieder nach Hause geschickt. Eine friedliche Demonstration mit Botschaften. Live-Musik u.a. von Janis Joplin, Jimi Hendrix, Grateful Dead. Es folgte die endgültige Kommerzialisierung der Hippie-Bewegung. Drei Drogen-Tote. Alle Widerholungsversuche scheiterten.
Isle of Wight 1970 – das „europäische Woodstock“. Erwartet wurden 150.000, es kamen geschätzte 600.000 auf die britische Kanalinsel – per Schiff. Chaos. Von Zwischenfällen größerer Art ist nichts bekannt. Es spielten u.a. Procol Harum, Chicago, Ten Years After. Ein Rockkonzert ohne Demonstrationscharakter.
Live Earth 2007 – initiiert von Al Gore als Demonstration für mehr Klimaschutz. An der brasilianischen Copacabana wurden rund 700.000 Zuschauer erwartet. Eine Richterin in Rio de Janeiro hatte die Veranstaltung zuerst wegen Sicherheits- und Umweltschutzbedenken untersagt, dieses Verbot aber kurz darauf nach Rücksprache mit der Polizei wieder aufgehoben. Die offizielle Zuschauerzahl wurde nach Ende des Konzerts mit rund 400.000 angegeben. Keine bekannten Zwischenfälle. Auftritte von Lenny Kravitz, Jorge Ben, DJ Janet.
Die Love Parade ist eine seit 1989 jährlich (außer 2004, 2005 und 2009) veranstaltete Technoparade, die von 1989 bis 2006 in Berlin stattfand und in den Jahren 2007 bis 2011 im Ruhrgebiet an wechselnden Orten stattfindet. Mit etwa zwölf Millionen Besuchern seit ihrer Gründung ist sie die größte Tanzveranstaltung der Welt. Die erste Loveparade entstand 1989 als spontane Idee einer durchfeierten Nacht zum Geburtstag Roeinghs (Dr. Motte). Unter dem Motto „Friede, Freude, Eierkuchen“ wurde diese als politische Demonstration angemeldet. (Quelle Wiki)
Das für die Love Parade in Duisburg ausgewählte alte Bahnhofsgelände kann nach Angaben von Nachrichtenagenturen maximal 250.000 Menschen aufnehmen. Zum Festival waren laut Behörden etwa 1,4 Millionen Menschen nach Duisburg gekommen.
„Eine Bundespolizistin sagt Spiegel Online am Samstagabend, nach den Stürzen sei in dem Tunnel eine heftige Panik ausgebrochen. Die Raver seien schon vorher hoch aggressiv gewesen und hätten sich untereinander Schlägereien geliefert. Als dann noch Menschen die Treppe herunterfielen und teilweise andere mitrissen, war nur noch Chaos."
Angst, Entsetzen, rücksichtsloses Rennen, Schubsen, Drängeln. "Die waren nicht mehr zu bändigen", so die Beamtin. Rettungskräfte und Polizisten hätten lange gebraucht, um sich überhaupt zur Unglücksstelle durchzukämpfen. "Es war die Hölle."
Ein hochrangiger Kriminalbeamter aus Duisburg hat den Eindruck, die Stadt habe die Veranstaltung "aller Sicherheitsbedenken zum Trotz" durchgeboxt. "Man wollte sich damit unbedingt schmücken. Doch es ist eine Tragödie geworden. Ein Schandfleck."
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Ampel-System und Wellenbrecher
Bei Rock am Ring wurde letztes Jahr das Ampelsystem eingeführt. Dort warten die Fans an einer roten Ampel, wenn es zu voll im Innenraum vor der Bühne ist. Hat sich der Raum geleert, schaltet die Ampel auf grün und lässt eine "abgezählte" Menge Menschen in den Bühnenbereich. Das System ist bei den Fans zwar nicht gerade beliebt und führt zeitweise auch zu agressiver Stimmung. Insgesamt sorgt es aber für eine gewisse Sicherheit, dass es nie zu voll werden kann. Mehrere "Wellenbrecher" auf dem Gelände vor den Bühnen halten die Masse auch noch etwas auseinander. Wenn man sich hier http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,83374,00.html allerdings die Liste anschaut, wird deutlich, dass es nicht unbedingt hunderttausende Mensche braucht, damit andere ums Leben kommen.
paniken
In diesem Zusammenhang passt auch folgendes, jedes Jahr stattfindende "Festival", bei dem regelmäßig Leute in einer Panik umkommen. Doch dort sind nun hauptamtlich Panikforscher beschäftigt, die Ströme von Menschen unter Einbeziehung der Euphorie, des Taumels, der Unzrechenbarkeit und des Kontrollverlusts zu lenken.
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,394889,00.html .
Oder dieses Festival, wo bei einem Konzert von Pearl Jam in einer Panik 9 Leute starben: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,83373,00.html .
Die Loveparade in Berlin ist von ein paar hundert auf eine Millionen GEWACHSEN. Somit konnte sich das Sicherheitskonzept über Jahre anpassen - und so ist es auch geschehen, ganz davon abgesehen, dass man auf der Straße des 17. Juni nach rechts und links gewissermaßen "Marschen" hat, den Tiergarten, auf die der überquellende Fluss ausweichen kann. Wie man auf die bekloppte Idee kommen kann, dass nach regelmäßigen Besucherzahlen über 1 Millionen, nach Duisburg nur ein Viertel dieser Zahl kommen wollte, weiß wohl keiner, scheinen auch die Veranstalter nicht zu wissen. Menschen in der Masse (zu empfehlen die Lektüre: Der Mensch in der Masse von Elias Canetti) sind nicht sie selbst, entwickeln eine Dynamik und einen Charakter, der mit ihrem eigenen, individuellen oft genug nichts mehr zu tun hat, Aggressionen, ja Gewalt gegen einen, der gerade noch lachend neben einem stand, von Panik und Hysterie ganz zu schweigen, gehören zur Masse dazu. Auch diese ganze, kaum steuerbare Irrationalität muss in jedes Konzept einer Großveranstaltung eingebaut werden - und wird es auch meist. In diesem Fall aber offenbar nicht. Dummheit und Großmannsucht (Prestige / Wir können das auch!) hat in diesem Fall Tod gebracht. Schuld daran sind NICHT die Deppen, die high oder besoffen auf Laternen klettern oder eine Treppe hoch oder in Panik nur noch an ihr eigenes Leben denken und schubsen, schieben, rennen (was, wenn alles vorbei ist, die Leute meist tief beschämt, weil sie sich selbst nicht erkennen in diesem fliehenden Tier), Schuld sind diejenigen, die diesen keinesfalls Extremfall nicht in Betracht ziehen.