A Room for London. Credit: Nick J Webb

Londons begehrtestes Hotelzimmer: eine Kajüte

Ein Boot auf einem Hochhaus ist Kunstobjekt und Sehnsuchtsort

London. Das neue Boot in der Stadt hat so viele Rollen inne, so viel Bedeutung und derart viele Funktionen, dass niemand zu wissen scheint, was man darüber sagen soll.


Ein Hotelzimmer in Form eines Bootes wurde auf das Southbank Centre – eins der größten Kunst- und Kulturzentren Londons – platziert. Auf dem Dach des Betongebäudes sitzt das Boot unglaublich prominent für seine Größe und es ist zum begehrtesten Hotelzimmer des Landes aufgestiegen.

Als die Tickets für A Room for London (Ein Raum für London; Anm. d. Übers.) in den Verkauf gingen, waren sie innerhalb von 12 Minuten bereits vergriffen.

 

 

Ein Gemeinschaftsprojekt

Das Gebäude wurde im Schulterschluss entworfen. Der Architekt David Kohn und die Künstlerin Fiona Banner haben gemeinsam an etwas gearbeitet, das laut Kohn das Intime mit dem Gewaltigen verbinden soll. "Die Innenräume sind gemütlich und man weiß, was man dort tun soll, aber es handelt sich nicht um einen leichten oder niedlichen Komfort. Man ist über die Themse mit der weiteren Umwelt verbunden und auch mit dem, was man von der Welt denkt. Man hat eine Beziehung zu widersprüchlichem, unsicherem Territorium."

Aber die Kritiker finden sich überall – mit wenig Übereinstimmung, was dazu zu sagen ist. Edwin Heathcote vergleicht das ungewöhnliche Hotelzimmer in der Financial Times mit den Schiffen, die nach dem Tsunami in Japan auf den Hausdächern liegen geblieben sind. Rowan Moore schreibt im Guardian: "Flottes Boot scheint in die Fun-Kategorie von Projekten an der Themse zu fallen."

Egal ob apokalyptisch oder flott – kein Kritiker wird zugeben, dass es total bizarr ist. Und es ist als interessantes Projekt positiv aufgenommen worden, das die Menschen zu Diskussion (und Buchung) animiert.

 

Kunst, Architektur und ein Hotelzimmer

Es ist nicht nur ein Kunstprojekt (es sitzt auf dem Southbank Centre), sondern auch ein Architekturprojekt (es gehört zu Living Architecture, einer Organisation, die großartiges Design für Ferienhäuser anbietet), eine Touristen-Attraktion (als erstes Objekt der Kultur-Olympiade), es bezieht sich auf London, die Themse und den Kongo zugleich und ist eine willkommene Bereicherung für Londons winzigen Design-Hotelmarkt.

Die Kajüte hat den Namen "Roi des Belges" (König der Belgier; Anm. d. Übers.), was an den Namen des Schiffes erinnert, mit dem Joseph Conrad den Kongo entlangsteuerte und welches auch die Inspiration für das Buch Herz der Finsternis lieferte. Aber trotz dieser Referenzen ist es auch ein Hotelzimmer, das für £120 pro Nacht angeboten wird.

Wenn am Donnerstag die neue Buchungssaison beginnt, wird Ihr Londoner LAB-Korrespondent hektisch die Website laden, um einen bezahlbaren und interessanten Aufenthaltsort zu finden, egal wie die Konnotation auch sein mag.

Mo, 23.01.2012 0

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22.11.2010

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