
Local Hero: Penelope aus Altenhagen
Freitag, 23.07.2010
Endlich mal wieder ein Eindringen in die Wirklichkeit: In Hagen bietet die Local-Hero-Woche Weltreisen und Brückenbesteigungen an. Diese Führungen durch einen „unbekannten Stadtteil“ sind die Sahnehäubchen für Heimat suchende Umfeldtouristen und „peeping guests“. Altenhagen, dachte ich, sei die ruhrpottlerische Begrüßung des deutschen Nibelungenstars, also „Hallo, alten Hagen, alles klar?“ Falsch, es ist ein Hagener Stadtteil, der beileibe kein Anziehungspunkt für Besucher ist. Der Treffpunkt unter der Brücke gehört allenfalls zum Hässlichsten, was das Revier zu bieten hat.
Sehnsucht nach Ebene 2
Fast per Zufallsgenerator werden die Tage und Ziele ausgewählt, zu denen ich meine strapaziösen Reisen aufbreche in die unbekannte Welt der Nachbarn. Hier ist es die Altenhagener Brücke, einem Monstrum, das sich oberhalb der Zigfach-Kreuzung durch den Stadtteil wuchtet. Zwei Gruppen sammeln sich, die eine lässt sich über die Bemalungen an der Brücke aufklären, die andere beginnt eine Führung durch die Welt Altenhagens. Der Titel „Sehnsucht nach Ebene 2“ ist eine wunderbare Ironie, hoffe ich.
Penelope und Kochbananen
Überwiegend ältere MitbürgerInnen bilden eine Gruppe, geführt von einem jungen Mann mit Megafon, der aber so ein Ding noch nie in der Hand hatte. Es mutet an, als würden deutsche Touristen durch New York geführt. Zunächst drängt man sich in einen Feinkostladen. Feinkost aus Griechenland und Italien. Geführt wird er von Penelope, die sich vorstellt, über ihren Laden erzählt, über ihre Geschichte. Penelope spricht auch Italienisch, „eine bisken“, sagt sie. Sie verteilt kleine Wasserflaschen – umsonst. Ist das hie
r eine Filmkulisse? Ist Penelope Schauspielerin aus New Hampshire? Nächste Station ist ein Minisupermarkt, von Afrikanern betrieben. Hier wird’s noch enger. Die alten Damen betrachten Haarteile, die neben einer Tiefkühltheke hängen. Live-Art-Museum Altenhagen main district. Die exotischen Früchte werden bestaunt: Süßkartoffeln, Kochbananen. „Die muss man so lange kochen wie Kartoffeln. Alles hat viel Kohlenhydrate,“ sagt der Afrikaner und er wird angeschaut wie ein Museumsführer.
Allah ist der Größte
Na klar ist Allah der Größte, genau wie die anderen. Wir sind in einer Moschee, Teil eines „unabhängigen Kulturvereins“. Die jungen Männer erläutern bis ins Kleinste die Vorgehensweisen beim Gebet. Selbst die Demonstration eines Rufers wird uns präsentiert. Muezzin live on stage. Alle hier, inklusive dem Autor selbst, erfahren hier zum ersten Mal detailgenau, was in vielen Hinterhöfen unserer Parallelgesellschaft so läuft, hier allerdings in einer Vorzeigeversion, die Hoffnung macht. Alles wird gefragt. „Was ist mit den Frauen?“ Alles wird beantwortet.
Abgerockte Häuser in Südfrankreich
Die Rückfahrt quer durch Hagener Terrain. Man könnte kurz vor der Cote D’Azur sein. Es fehlen die Aussichtstoppunkte, wo man sein Sandwich isst. Schaut man zur anderen Seite, bröckeln einem die vernachlässigten Wohnbauten vor sich hin. Hagen liegt zwischen Montpellier und Gotham City. Es kann auch eine Kaffeepause an der Syburg sein. Man durchfährt Serpentinen, übersieht Durchfahrtverbotsschilder, landet in einer Ausflugsgastronomie, wo die Kellnerin auch Kindergartenfachkraft ist, wo auf dem Gang zum Klo hunderte von Kindermalereien hängen, drunten der Wald, wo ja die Räuber sind. Ein paar Kilometer von Dortmund.
Klos, sein da wo Klos?
Der Tag beginnt mit der Besichtigung von DIXI-Klos bei Rot-Weiß Oberhausen. Unter einer Ansammlung von Großstadtbäumen treffen sich Klohistorie und Klogeschichten zu einer Ausstellung. In Sachen Klo ist die Frage „Ist das Kunst oder kann das weg?“ viel komischer. Das Ganze findet auf der Emscherinsel statt. Ist das nicht eine geniale Kombination, um Witzchen abzusondern?
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