Literatur/Ruhr - Geschichten vom Kino

Das »Oberhausener Manifest« von 1962, verlesen auf einer Pressekonferenz anläßlich der 8. Westdeutschen Kurzfilmtage, hat Filmgeschichte geschrieben. »Papas Kino ist tot!« verkündeten die 18 jungen Regisseure, die bald »Oberhausener« genannt wurden und bis zu diesem Zeitpunkt mit Kurzfilmen hervorgetreten waren sowie Kameramänner und Filmkomponisten. Sie schrieben: »Wir erklären den Anspruch, den neuen deutschen Spielfilm zu schaffen. Der alte Film ist tot. Wir glauben an den neuen.« Die Filmemacher, die auch als »Oberhausener Gruppe« bezeichnet wurden, unter ihnen Edgar Reitz, Peter Schamoni und Herbert Vesely, haben mit ihrer »Erklärung« den Boden für das bereitet, was wenige Jahre später als »Junger deutscher Film« in aller Munde war.
 
© Markus KirchgessnerZu den Oberhausenern zählt auch Alexander Kluge, der 1966 mit Abschied von gestern seinen ersten abendfüllenden Film drehen konnte. Kluge ist aber nicht bloß Filmemacher, sondern auch Produzent der unabhängigen Kulturmagazine im deutschen Privatfernsehen und Schriftsteller. Nachdem er bereits in den sechziger Jahren literarische Texte (Lebensläufe, Schlachtbeschreibung) publiziert hatte, folgten Jahre des Schweigens als literarischer Autor, bis er sich 2000 mit dem monumentalen, zweibändigen Werk Chronik der Gefühle zurückmeldete.

In den kommenden Jahren folgten Die Lücke, die der Teufel läßt (2003) und Tür an Tür mit einem anderen Leben (2006). 2007 schließlich erschien mit Geschichten vom Kino ein Band, in dem Kluge die die beiden Metiers seiner künstlerischen Tätigkeit verband.

 
In den Geschichten vom Kino findet sich ein Text, in dem Kluge die »Oberhausener Erklärung von 1962« resümiert und die damalige Ausgangssituation skizziert: »Wir Oberhausener redeten unbefangen. Die Filmgeschichte kannten wir kaum Einer befolgte des anderen Rat. Wir redeten einander mit ›Sie‹ an.« In einem anderen Kapitel bezieht sich Kluge auf eine »Auseinandersetzung in Duisburg« in den siebziger Jahren. Auf der dortigen Filmwoche wird kontrovers über »dokumentarische Methoden« diskutiert, über taugliche und untaugliche Mittel, der erklärten Absicht der Filmemacher, die Arbeiter im Klassenkampf zu unterstützen, zum Erfolg zu verhelfen. Kluge schreibt: »Das Zusammensein dieser Menschengruppe hier, in einer von Lampen beleuchteten Ecke einer riesigen Wandelhallenfläche, um rundet von einer Industriestadt, diese Teil der Industrie-Metropolen des Planeten  usf. – lebhaft und ganz unabhängig von der Willenskraft einzelner –, das nimmt hinter den dreimannshohen Scheiben der Mercator-Halle seinen Gang ›unterhalb‹ aller Reden.«

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Foto: © Markus Kirchgessner
 
Di, 23.03.2010 0

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03.12.2009

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