
Kunstmesse C.A.R. contemporary art Ruhr in Essen
Von Messe zur Großgruppenausstellung mutiert
In die Höhe schießt die C.A.R. Medienkunstmesse in diesem Jahr: Statt an zwei Standorten auf Zollverein bespielt sie nun fünf Etagen in der Mischanlage. Und noch etwas fällt auf: Von Messe (= Verkauf) ist auf der C.A.R. nicht viel zu spüren.
Stattdessen wird sie immer mehr zur Werkschau von Studenten der Folkwang Uni und Einzelkünstlern. Nur drei Galerien sind vertreten, dazu einige Institutionen und Künstlervereinigungen, deren kommerzielle Absichten bzw. Möglichkeiten nicht klar zu erkennen sind. Ansonsten: Künstlerisch dominierend ist in diesem Jahr Interaktives mit Maschinen sowie Fotografie.
Von der Ruhr nach Korea Roundtrip

Eine Asien-Kooperation mit eigener Kuratorin aus Süd-Korea gab es auch. Bizarr und fremdartig dabei vor allem die Arbeiten von Taek Lim: Er bastelt aus Papier und anderen Materialien eine Landschaft, fotografiert sie und fügt dann noch digital Dinge ein, was zu einem faszinierendem Mix aus künstlich und „wie echt“ führt. Hyong-Ryol Bak fotografiert Mensch-Natur Performances in der Reihe „The Captured Nature“. Da fangen zwei Frauen mit schön arrangiertem Garn einen Baum oder ein Mann posiert auf einem mit Punkten beklebten Felsblock wie auf einem erlegten Tiger.
Am Scheideweg?

An diesen zwei Galerien materialisieren sich die zwei Richtungen, die die C.A.R. in Zukunft gehen könnte: entweder kuratierte Qualität oder eben eine „Jeder, der will, darf“–Schau. In Essen jedenfalls hat seit drei Jahren keine einzige der erfolgreichen und professionellen Galerien aus Deutschland teilgenommen – und wenn das Konzept so bleibt, werden sie das auch in Zukunft nicht tun.
Studentendominanz

Auf fast drei der fünf Etagen stellen die Studierenden ihre meist interaktiven Sound- oder Video-Arbeiten sowie analog erstellte Siebdrucke von digital erzeugen Klangformen aus. Einige der interaktiven Arbeiten erinnern an die „Was-passiert-dann“ Maschine aus der Sesamstraße – nur mit Elektronik und Theorie-Überbau.
Zum Beispiel löst der Betrachter, von einer Minikamer erfasst, einen Metallstift in einer Art Vogelkasten-Apparatur aus oder er kann Rückenkratzer betrachten, die auf Trommeln schlagen. In Steffen Hartwigs Zeichenmaschine kann er durch Handauflegen die geometrische Malruhe der Maschine stören.
Benjamin Gages, Marcel Kathers und Eva-Maria Teklotes „Room“ will mit zwei Wii-Fernsteuerungen „das Spannungsfeld von Raum und Körper durch den Faktor Bewegung bestimmen“. Nun ja, nicht gerade die Neuerfindung der Medienkunst, deren interaktive Phase Ende der 90er ihren Höhepunkt zum Glück hinter sich hatte.
Fotografische Signalposten

Oscar Ledesma hatte eine hübsche Idee: Er malte einen großen QR-Code, steckte das Bild in einen goldenen Rahmen. Wer dieses nun mit seinem Smartphone fotografiert, löst auf einer Internetseite einen Code aus, der wiederum den Betrachter des Bildes von hinten fotografiert – eine Reise ins Internet und zurück in die analoge Welt, wo ausnahmsweise der "Betrachter im Auge der Kunst" liegt.
Wie nicht anders zu erwarten, bleibt am Ende ein gemischter Eindruck. Vor allem einige Fragen, das Konzept der Messe betreffend: Immer mehr Groß-Gruppenausstellung mit internationalen Clustern und Institutionen ist die C.A.R. als ernsthafte Kunstmesse ein großes Fragezeichen.
Teaserfoto: Wouter Stelwagen, Cluster
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