Michael Dawid und Peter Eisold (v. l.) © Jürgen Diemer

Kunst und Technik vereint in einer Klangskulptur

Mit Solarzellen betrieben und WLAN-gesteuert: Peter Eisolds und Michael Dawids Klanginstallation „USAP“

Weltpremiere! Über zwölf Monate arbeiteten die Künstler Peter Eisold und Michael Dawid an der Klanginstallation "Urban Solar Audio Plant". Im Rahmen des U-TOPIA Festivals wird das aus (bislang) zwölf solarbetriebenen und mit WLAN vernetzten Lautsprechersäulen bestehende Klangkunstwerk am Samstag 24.11. um 18 Uhr auf dem Platz vor dem Dortmunder U erstmalig der Öffentlichkeit präsentiert.

Menschen wandeln kontemplativ zwischen 20 Säulen umher, lassen sich treiben von elektroakustischen Klangkompositionen. Jeder der 20 Hörpfeiler des Säulenwaldes bildet ein autarkes Konstrukt. Jede Säule erzeugt einen einzigartigen Sound, der mit allen anderen Säulen korrespondiert. Die Bewegung des Hörers bestimmt sein individuelles Klangerlebnis.

So stellt sich der Mülheimer Komponist und Media Artist Peter Eisold seine Klangskulptur „USAP - Urban Solar Audio Plant“ vor – eine solarzellenbetriebene und WLAN-gesteuerte Klanginstallation für den öffentlichen Raum. Gemeinsam mit dem Mülheimer Veranstaltungstechniker und Projektkoordinator Michael Dawid und dem Informatiker Prof. Michael Schäfer von der Hochschule Ruhr West soll das Technologie- und Klangkunstprojekt im Sommer 2012 Wirklichkeit werden.


 

„USAP soll einen musikalischen Sinn ergeben“, beschreibt Peter Eisold seine Vision. „Während die Menschen durch das Klangbad wandern, eröffnen sich ihnen ständig neue akustische Perspektiven in Stereo mal zehn.“ Was der 52-jährige Peter Eisold plant, ist ein akustischer Säulenpark, dessen Strom für den Sound komplett durch Solarzellen erzeugt wird und über ein „Wireless Local Area Network“ (WLAN), ein kabelloses lokales Netzwerk, gesteuert wird. In der Mitte des Säulenparks soll sich eine Serversäule befinden, die über WLAN die einzelnen 20 Klangspuren im mp3-Format an jede einzelne Säule sendet.

Spezialistenteams der Hochschule Ruhr West feilen an unabhängigen Modulen aus Solarzellen und Lautsprechern
Die Ursprungsidee wurde 2011 entwickelt: Während eines dreitägigen Lichtkunstfestivals im Mülheimer Freilichtbühnen Park an der Dimbeck erarbeiteten unter anderem Peter Eisold und sein Projektpartner Michael Dawid eine Licht- und Soundinstallation mit vier Lautsprechern. Wegen eines Unwetters fiel die Stromversorgung aus. Anderthalb Tage lang haben die Künstler damit verbracht, Stromkabel trocken zu reiben. Die Idee einer kabelfreien Installation war geboren. Aus dieser Ursprungsidee hat sich mittlerweile ein interdisziplinäres Forschungs- und Entwicklungsprojekt von Spezialistenteams der Hochschule Ruhr West entwickelt. „Wir erschaffen für das Zusammenspiel von autarker Energieversorgung und Mehrkanal-WLAN in Zusammenarbeit mit der Hochschule Ruhr West etwas komplett Neues. Diese Technologie wird gerade erst erforscht und die Prototypen befinden sich aktuell noch in der Entwicklung. Im Frühsommer 2012 aber haben wir die Prototypen stehen“, sagt Peter Eisold.

 

 

Wandernde Metaskulptur als temporäre Performance
Den Großteil der Soundkompositionen gestaltet Peter Eisold selbst. Wenn es die Finanzierung zulässt, sollen mehrere Kompositionsaufträge vergeben werden. In einer zweiten Ausbaustufe soll ebenfalls in Kooperation mit der Hochschule Ruhr West eine Online-Upload-Plattform mit einer integrierten Kompositions-Software in der „Cloud“ entstehen. So wird im Endstadium eine Art mobile, ans Internet angebundene, hochtechnologische und autarke Metaskulptur im öffentlichen Raum präsentiert.
„Ich verstehe die Kunstskulptur als temporäre Performance“, erklärt Peter Eisold. „Sie soll mobil sein, wandern, und alle drei bis vier Tage an einem anderen Ort stehen, auf verschiedenen Flächen im Stadtraum: in Parks, auf Wiesen, auf großen Parkplätzen von Einkaufszentren oder Supermärkten. Ich könnte mir auch gut den Museumsbahnsteig im Hauptbahnhof Oberhausen vorstellen.“

Finanzierung steht und fällt mit neuem Haushalt
Diverse Kulturinstitutionen unterstützen das Klangkunstprojekt USAP, zum Beispiel
das Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen mit zwei sogenannten „Innovationsgutscheinen“ über insgesamt 15.000 Euro. Andere Förderanträge sind noch in der Bearbeitung. „Unser Projekt wird 80.000 Euro kosten. Bisherige positive Bekundungen könnten aber nun mit der neuen Regierung wieder zurückgenommen werden. Unsere Finanzierung steht und fällt mit dem neuen Haushalt“, berichtet Peter Eisold. „Bei der Realisierung fragen zum Beispiel Wirtschaftsförderungen nach der kommerziellen Verwertbarkeit. Das Besondere unseres Projekts aber ist: Wir verbinden mit unserer hochtechnologischen Skulptur Wissenschaft und Kunst in einem interdisziplinären Projekt. Wirtschaftsförderern Interdisziplinaritäten näher zu bringen, ist nicht einfach. Es bleibt also ein sehr spannendes Projekt – auch in dieser Hinsicht.“

Sa, 24.11.2012 0

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04.12.2009

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