
Kunst oder künstlerische Tätigkeit?
Der kleine Unterschied – unbeantwortbare Fragen
Ist das Kunst oder kann das weg? Ein geflügeltes Wort. Bin ich ein Künstler, wenn ich aus Korkenziehern ein Foltergerät baue, aus buntem Bast eine Heidelandschaft, aus Fahrradschläuchen Handtaschen? Oder ist das eine kunsthandwerkliche Tätigkeit? Wer sich künstlerisch betätigt, ist nicht zugleich ein Künstler, obwohl das absurd klingt.
Oder ist es wie beim Elektriker, der lange noch keiner ist, wenn er sich elektrotechnisch betätigt? Dabei allerdings kann er großen Schaden anrichten. Nicht so wie der künstlerisch Tätige. Wenn er ein Bild malt, ob mit Fingerfarben oder professionellem Öl und Elisabeth sagt: „Du bist ein Künstler.“ Dann ist der Schaden oft schon eingetreten, aber meist nicht für die Gesamtgesellschaft, sondern für einen bestimmten Kreis, mindestens für den Künstler selbst, der sich ja eigentlich nur kunsthandwerklich künstlerisch betätigt hatte. Er hätte allerdings nichts gegen eine Ausstellung im Gemeindesaal.
"Verachtet mir die Meister nicht" *

Sprühen ist wie malen

Marktgerechtes Mimen
Gehört zum Künstlerdasein, dass sich der Künstler selbst als solcher gebiert? Markus Lüppertz sagt über sich selbst, er sei ein Genie. „Das müssen nicht andere übernehmen.“ Wird der Künstler nur dann angemessen oder übermäßig anerkannt, wenn er sich der Mechanismen des Marktes bedient, sich also selbst vermarktet oder jemanden findet, der das übernimmt? Eine hohe Kunst ist es also, Kunstmarktstratege zu sein? Loriot erfand den „Kunstpfeifer“, der von sich sagt, dass er bereits vor der Königin Elisabeth gepfiffen habe. Ist also der Rezipient der Künstler-Erschaffer? Du kannst noch so ein guter Maler sein, wenn Dein Werk nicht bei namhaften Galeristen oder in großen Museen hängt, bist Du nur ein Maler, kein Künstler? Sind die Schauspieler an der Burghofbühne Dinslaken Arbeitnehmer, die allabendlich Stücke aufführen und erst dann Schauspielkünstler, wenn sie im Burgtheater Wien auftreten? Manchmal scheint das so. Ist aber der Schauspieler überhaupt Künstler oder nur handwerklich ausgebildet dazu in der Lage, die Kunst anderer auf die Bretter zu bringen? Die der Schriftsteller und Regisseure?
Die Idee ist der Quell
Oder ist es die wahre Kunst, eine Idee zu haben und diese konsequent zu vertreten und gegebenenfalls umzusetzen? Gehört zu den Konzeptkünsten auch, genau darüber Gelder zu generieren? Kann auch sein, dass ein Kunstwerk erst dann zu dieser Bezeichnung kommt, wenn es niemand vor seinem Haus haben will. Muss es eklig sein, zu groß oder zu fett, zu eindeutig oder zu abstrakt? Darf es auch einfach schön sein und wenn, dann für wen?

Bei mir ist das amtlich. Das Finanzamt führt mich als „freiberuflich tätiger Künstler“. Und wer, wenn nicht das Finanzamt, bestimmt, wer man und was man ist?
* Meistersinger von Nürnberg (Richard Wagner)
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