Kunst für Einsteiger - Im Zweifel lieber hängen lassen


Ist es Kunst oder kann das wech? Eine brennende Frage derzeit im LAB. Aber es ist ja auch eine blöde Situation: An jeder Straßenecke sind Ausstellungen, aber steht man dann wirklich mal davor, fällt einem nicht mehr ein als „schön“, „Hmm“ oder „versteh ich nicht“. In einem Museum würde ich übrigens dennoch immer dazu raten, das Bild lieber hängen zu lassen! Mit ihrem Buch „Kunst für Einsteiger“ versuchen Prof. Wolfgang Flatz und Prof. Raimund Wünsche Hilfen zu geben. 

In vier Kapiteln führen Sie ihren Leser erst durch 18.000 Jahre Geschichte der Malerei, anschließend in die Gattungen und Techniken und in die Preise von Bildern ein. Im dritten Kapitel geht es um den Künstler und seinen Begriff. Im vierten Kapitel stellen sie den Protagonisten in Sachen Kunst vor: nämlich ihren Betrachter. Ohne den geht nämlich gar nichts.

Für das Ausgangsproblem sind besonders die ersten beiden Kapitel interessant. Flatz und Wünsche zeigen am Beispiel bekannter Kunstwerke, warum sie ihre Bedeutung erlangt haben oder warum sie anders sind, als ihre Vorgänger. Genau dadurch erlangen Kunstwerke ja oft ihre Einmaligkeit, dass sie sich gegen Konventionen stellten oder im wahrsten Sinne des Wortes neue Perspektiven eröffneten. Die große Leistung der Autoren ist es, dass sie in kurzen und allgemein verständlichen Sätzen die Feinheiten eines Kunstwerkes herausstellen können, die dann letztlich einen wahnsinnig groben Überblick über 18.000 Jahre Kunst geben, durch den der Leser aber nach der Lektüre durchaus die Eckpfeiler der Kunstgeschichte gut verstehen sollte.
 

Da stehts! Warhol ist Kunst

Nehmen wir zum Beispiel Warhols „Campbell's Soup Can I.“ Im Zusammenhang mit der Frage, ob Kunst Sponsoring aushalten kann, wurde dieses Werk bereits hier im Kommentarbereich thematisiert. Das Bild ist obendrein ein Paradebeispiel für die Frage „Ist es Kunst, oder kann das wech?“ Es ist weder handwerklich eine besondere Meisterleistung, es wurde gar mehr oder weniger am Fließband weiter produziert. Ist es deshalb keine Kunst? Doch klar, sagen die Autoren, nur nicht im herkömmlichen Sinne. Warhols Kunst ist gerade die Auflehnung gegen den traditionellen Kunstbegriff und dadurch natürlich auch die Provokation der Frage, ob das nun Werbung oder Kunst ist. An unserer kleinen Diskussion hätte Warhol also seine helle Freude gehabt.

Wie auch immer: „Kunst für Einsteiger“ ist eine durch und durch gelungene Einführung, sie ist spannend zu lesen, zeugt vom Enthusiasmus der Autoren, sensibilisiert für die kleinen Besonderheiten in der Kunst und geht vor allem nicht von einem angestaubten Kunstbegriff aus. Sie ist zweifellos populär, aber das war Warhol auch, und Künstler war er dennoch.
 

Flatz/Wünsche: Kunst für Einsteiger, Belser, Stuttgart, 2009, 169S., 19,95€


Mo, 05.04.2010 0

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06.01.2010

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