
Kulturinfarkt: „Es gibt ein Leben neben den Institutionen“
Wer die Digitalisierung verschläft, sieht am Morgen danach noch älter aus
Das Buch »Der Kulturinfarkt« löste eine lautstarke Debatte über die Zukunft der Kulturförderung aus. Für die KM Kulturmanagement Network GmbH traf Dirk Heinze die vier Autoren zum Exklusivinterview; LABKULTUR übernimmt die sechsteilige Interviewserie. Sechster und letzter Teil: über Digitalisierung und das Festhalten am Status quo.
KMN/LABKULTUR: Ein Zukunftsthema, das gerade in der 
Autorenteam: Man kann es zumindest nicht lösen, indem man mehr Bildschirme in die Theater baut. Theater ist eine Live-Kunst. Doch das Medium Theater hat seine Reichweite erschöpft. Man kann die Leute nicht mit Gewalt ins Theater schleppen. Die Digitalisierung würde es einer jungen Generation von Kreativen ermöglichen, neue Produkte zu entwickeln, was uns als Konsumenten wiederum eine neue ästhetische Erfahrung ermöglicht.
Wenn man die verschiedenen kulturwirtschaftlichen Branchen, die ja gleich den Kultursparten sind, daraufhin betrachtet, was sich an ihnen durch die Digitalisierung ändert, dann ist das fast überall radikal unterschiedlich und extrem tiefgreifend in den ästhetischen wie den wirtschaftlichen Veränderungen. Arbeiten wir weiter mit den alten Institutionen, dann werden sich diese Institutionen diesen Veränderungen zu entziehen versuchen und werden nicht etwas haben, was dazu führt, dass das angenommen wird. Angenommen wird und durchsetzen wird sich das nur in privatwirtschaftlichen Zusammenhängen. Insofern wird Digitalisierung für die öffentlichen Kulturbetriebe ein riesiges Thema sein. Wenn sie das verschlafen, dann sehen sie am Morgen danach noch älter aus.


Die Veränderung muss dort passieren, wo über kulturpolitische Gestaltung und Etats entschieden wird. Die Diskussion muss und wird stattfinden in den Kommunen, auf der Ebene der Bundesländer, in der Bundeskulturpolitik, in den Initiativen und der Freien Szene. Dass es jetzt erste Ansätze und Erscheinungen gibt, dass sich politische Parteien für den "Kulturinfarkt" interessieren, ist ein Zeichen genau dafür, dass dort verstanden wurde, von wo Veränderungen eingeleitet werden müssen. Nicht erwarten können wir, dass die Verbände der alten Kultur den Veränderungsprozess in irgendeiner Weise befördern werden, dazu sind diese Verbände mit ihren Interessen zu sehr an den Status quo gebunden. Und wo solche Interessen am Status quo dominieren, hilft das nicht, in die Zukunft zu denken.

Sie haben ja selbst jüngst im KM Magazin kommentiert, es müsse endlich eine kulturpolitische Debatte geben. Wir selbst haben uns damals natürlich zurückgehalten aufgrund des bevorstehenden Buchs. Jetzt ist die Debatte da, und es kann sich ihr niemand entziehen. Überall ist vom Kulturinfarkt die Rede. Der Begriff ist ein Katalysator, an dem man nicht mehr vorbeikommt. Wer jetzt auf die Straße geht und für mehr Geld für die Kultur demonstriert, dem wird man den Kulturinfarkt entgegenhalten. Damit ist unser Ziel erreicht.
Noch eine provozierende Frage: Sie waren selbst alle mehr oder weniger als Ausbilder tätig. Inwieweit schlägt Ihre Kritik am System nicht auf Sie selbst zurück – als Teil des Systems?

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Teil 1 der Interviewserie finden Sie hier.
Teil 2 der Interviewserie finden Sie hier.
Teil 3 der Interviewserie finden Sie hier.
Teil 4 der Interviewserie finden Sie hier.
Teil 5 der Interviewserie finden Sie hier.
Rezension des Buchs: www.kulturmanagement.net/beitraege/prm/39/kind__0/v__d/ni__2186/index.html
Kommentar von Prof. Birgit Mandel: www.kulturmanagement.net/beitraege/prm/39/kind__0/v__d/ni__2190/index.html
Rezension des Buchs: www.kulturmanagement.net/beitraege/prm/39/kind__0/v__d/ni__2186/index.html
Hinweis: Wie die Zukunft des öffentlichen Kulturbetriebs und dessen Förderung nach dem Buch aussehen könnte, darauf geht der Schwerpunkt in der Juniausgabe des KM Magazins ein.
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