Breslau (c) jabka. (flickr)

Kultur satt

Europäischer Kulturkongress in Breslau

Nachdem Breslau bereits im Juni unter den polnischen Kandidaten zur Europäischen Kulturhauptstadt 2016 gewählt wurde, war die Stadt im September im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft Polens für vier Tage schon einmal Hauptstadt der Kultur in Europa. LAB-Autor Markus Krusch über den Kulturkongress und zahlreiche angehängte Veranstaltungen unter dem Motto „Kultur für soziale Veränderung“

 

Drei Säulen

Polens Kulturminister Bogdan Zdrojewski betonte bereits vorab in einem Radiointerview, dass es hierbei keineswegs nur um Konzerte, Happenings und ähnliche Veranstaltungen gehe. Vielmehr baue der Kongress auf drei Säulen auf: der intellektuellen, der künstlerischen und der politischen.

Welche politische Bedeutung dem Ereignis beigemessen wird, zeigt allein schon die Anwesenheit von Polens Präsident Bronisław Komorowski, den Parlamentspräsidenten der EU und des polnischen Sejms Jerzy Buzek und Grzegorz Schetyna und der EU-Kommissarin für Bildung und Kultur, Androulla Vassiliou.

Zdrojewski freute sich über das große Interesse, gab aber gleichzeitig zu, nicht geglaubt zu haben, zu einem solchen Ereignis hinführen zu können. Kultur sei zwar das wertvollste, aber ein zugleich ungeschätztes Element des gemeinsamen europäischen Guts. Dies hatte schon der Eröffnungsvortrag des polnisch-britischen Soziologen und Philosophen Professor Zygmunt Baumans klargestellt.
Der 85-Jährige diagnostizierte eine Identitätskrise Europas und sagte, dass seine politische Zukunft vom Schicksal der Kultur abhängen werde – das Schicksal wiederum davon, inwieweit es uns gelinge, Vielfalt als Vorteil und nicht als Belastung anzuerkennen.

 

Kulturpolitik oder Publikumsveranstaltung?

Dieses Motto durfte demnach im Kleinen auch sogleich auf den Kongress und seine Veranstaltungen angewandt werden. Viele der Events waren sicherlich interessant, neu und innovativ. So war das „Geräusche-Kino“ ein voller Erfolg, wie Mitorganisatorin Liliana Chrominska im Nachhinein bestätigte.
Große Anziehungskraft übte auch das „Feuer-Werks“-Spektakel mit musikalischer Untermalung der französischen Groupe F aus. Jedoch gab es auch kritische Töne aus dem Publikum, beispielsweise was die von ihm selbst geleitete musikalische Aufführung Krzysztof Pendereckis anging.

Inwiefern der Kongress insgesamt also eine eher (kultur)politische und inwieweit eine publikumsorientierte kulturelle Veranstaltung war, und ob das, was wir auf dem Europäischen Kulturkongress gesehen haben, ein Vorgeschmack auf das war, was 2016 geboten wird, blieb am Ende allerdings offen.

 

Text: Markus Krusch

Bild oben: Breslau (c) jabka. (flickr)

Bild 2: Polens Kulturminister Bogdan Zdrojewski (c) slawek's (flickr)

creative commons

Sa, 15.10.2011 0

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