Kultur über Kultur - Das Kabarett und die Kulturhauptstadt
- Serie: Kunst
Der hier angesprochene Hagen Rether ist ein eher untypischer Vertreter der ruhrstädtischen Kabarettszene, die ausgehend von Jürgen von Manger in den 40ern über die Missfits zu Herbert Knebel oder Dr. Stratmann heute eine lange und vor allem sehr erfolgreiche Tradition besitzt. Während Rether jeden positiven Bezug auf die Region vermeidet, nehmen andere eher ironisch und augenzwinkernd aber stets mit Liebe zu Land und Leuten eben jene aufs Korn. Knebel oder Stratmann imitieren Dialekt oder Optik des Ruhris, wie der eben so ist. Das Kabarett an der Ruhr lebt jedenfalls, findet aber erstaunlicherweise keine Beachtung im offiziellen RUHR.2010 Programm. Warum eigentlich nicht, hab ich mich irgendwann gefragt und bin zu der Erkenntnis gekommen, dass es so sicherlich besser ist.
Aber ersteinmal die Frage des warum: Vielleicht wegen Äußerungen von Hagen Rether wie dieser auf seiner ersten Platte „Liebe“:
Beim eher „unruhrigen“ Vertreter kommt die Kulturhauptstadt also nicht gut weg und auch wenn der Schlag Herbert Knebel oder Dr. Stratmann die „super Kultur bei uns hier anne Ruhr“ lobt, dann wirkt Kultur an der Ruhr eher wie ein Fremdkörper.
Kabarett als Zeuge im kulturellen Prozess
Alles andere wäre letztlich auch überraschend. Das Kabarett würde schließlich seine gesamte politische und kritische Funktion aufheben, wenn es sich emphatisch hinter ein Projekt wie die Kulturhauptstadt stellen würde. Da gibt's nämlich bei allen Vorteilen sicher genug zu kritisieren. Unter anderem ja, dass das Kabarett in den 2010-Projekten überhaupt nicht vertreten ist. Vielleicht ja, weil sich die Kabarettisten immer so unvorteilhaft zum Thema äußern oder vielleicht auch, weil Kabarett als Kunstform einfach nicht ernst genommen wird. Und vielleicht ist es auch besser so, dass das Kabarett das Jahr von außen begleiten wird und so seine Unabhängigkeit wahren kann. Kabarett und Kulturhauptstadt in einem Boot, das wäre in etwa so, wie wenn Kläger und Angeklagter auf einer Bank sitzen würden.
Und bei aller Kritik von Hagen Rether an seiner Heimat, so soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass er sich trotz allem immer ganz besonders auf seine „Gast“-spiele in der Region freut. Denn, so erzählt er dann immer, da hat er es nämlich nicht so weit nach Haus.
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