
Kreativ.Wirtschaften - Ali Türlü
- Serie: Ökonomie
Ali Türlü ist Türkischlehrer. Nach seiner Rückkehr aus der Türkei empfand er es als unangemessen, seine einmal erlangten Qualifikationen unter den Tisch fallen zu lassen und ausschließlich für den Imbiss seines Bruders zu arbeiten. Also trat er den Weg in die Selbstständigkeit an.
Wie gestaltete sich für Sie der Weg in die Selbstständigkeit?
Meine Eltern sind in den Siebziger Jahren nach Deutschland gekommen, haben aber im Zuge einer Gesetzesänderung 1984 zunächst den Weg zurück in die Türkei angetreten. Mein Vater hatte auch uns Kinder gefragt, ob wir dahin wollten, und wir hatten „Ja“ gesagt, weil die Menschen dort freundlicher zu uns waren. Dann wurde ich aber bereits am ersten Schultag von einem Lehrer geschlagen, und ich wusste die deutschen Schulen mehr zu schätzen. Außerdem habe ich an dem Tag beschlossen, selbst Lehrer zu werden. Obwohl ich zunächst sogar Schwierigkeiten mit der türkischen Sprache hatte, habe ich das dort geschafft und sogar als Schulleiter und für das Bildungsministerium gearbeitet und auch Bücher über Bildung geschrieben.
Eigentlich ging es dann nur um einen Urlaub in Deutschland, den mein Bruder mir vorgeschlagen hatte. Auch aus privaten Gründen wollte ich etwas Ruhe haben und mochte die relative Anonymität, die ich in Deutschland genießen konnte. Schließlich wurde ich gefragt, ob ich nicht hier Türkisch unterrichten könnte. Und ich wusste, dass es viele Geschäftsbeziehungen zwischen der Türkei und Deutschland gab, so dass eine Nachfrage nach Türkischlehrern bestehen musste.
Es ist etwas ganz anderes, für staatliche Institutionen zu arbeiten denn als Freiberufler. Gab es da Übergangsschwierigkeiten?
Ich hatte nie Probleme mit Menschen vom Typus Direktoren zusammen zu arbeiten, war aber gewohnt, streng nach den Regeln des Qualitätsmanagement zu agieren. Es geht also um Optimierung, wobei man bei Institutionen schnell an die Grenzen des Machbaren stößt. An jeder Schule, an der ich hier arbeite, sind die Bedingungen und Anforderungen andere. Es ist nicht, dass ich nicht gerne für Schulen arbeite, nur habe ich diesbezüglich in der Türkei mehr Möglichkeiten gehabt und auch mehr verdienen können. Hier sind jetzt meine besten Lehrer meine Schüler, mit denen ich sehr vertrauensvoll zusammen arbeite und auch viel über andere Kulturen lernen kann. Was ich hier für all das zusammen bekomme, das ist letztlich sehr wenig. Ich bin aber kein Mensch, der nur für den reinen Lohn arbeitet, die Arbeit als Grundschullehrer in der Türkei zum Beispiel hat mir auch viel anderes gegeben, und so ist das hier auch.
Welche Rolle haben die Behörden gespielt, und wie haben Sie ihre Kunden gefunden?
Begonnen habe ich mit einer Anzeige im Internet und ganz günstigen Flyern. Daraufhin hat sich das Gewerbeamt bei mir gemeldet und mir gesagt, welche nächsten Schritte ich vorzunehmen habe. Dabei waren sie sehr nett und ich bin dann schnell den offiziellen Weg weiter gegangen, obwohl ich nicht sofort alles verstanden habe. Ich habe mich von der IHK beraten lassen und auch bald einen Steuerberater konsultiert, sobald ich mehr als 400 Euro im Monat verdient hatte. Der hilft mir auch in anderen Belangen als reinen Steuerangelegenheiten und managt mich quasi auch ein bisschen. Über Kontakte bin ich mittlerweile zum Unterrichten an der Volkshochschule, an der Bénédict School der RAG und bei einer katholischen Familienbildungsstätte in Bottrop und bei einem Berufskolleg in Düsseldorf gekommen.
Mit ihrem beruflichen Hintergrund und ihren Erfahrungen sind Sie seriöser aufgestellt als viele Ihrer Konkurrenten auf dem Markt. Und Sie haben auch hier schon gute Referenzen gesammelt. Gibt es sonst noch Hinweise, wie man sich aufstellen sollte, um in Ihrem Bereich erfolgreich zu sein?
Mir ist aufgefallen, dass in den Türkischbüchern in Deutschland sehr viele Fehler auftauchen und dass manche Lehrer keine pädagogische und didaktische Ausbildung haben. Das sind natürlich auch Dinge, auf die man achten sollte.
Kontaktadresse: aliturlu@gmx.de
Aufmacherfoto: Jens Kobler
Profilfoto: Ali Türlü
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