Kampagnenplakat

Kreativität ist kein Künstlerprivileg

Die "faktor kunst"-Auszeichnungen der Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft

Erstmals zeichnet die Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft partizipatorische Kunstprojekte aus den Bereichen der bildenden und darstellenden Kunst und der Musik aus. Die Auslobung faktor kunst stärkt dabei Kunstprojekte, die gesellschaftliche Konfliktfelder spielerisch angehen und in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit rücken.

 

Die Montag Stiftung Bildende Kunst kümmerte sich von 1998 bis 2010 hauptsächlich um zeitgenössische bildende Kunst. Mit Beginn des Jahres hat sie sich neu orientiert, um in einer sich stark verändernden menschlichen Lebenswelt nicht das kräftige Band von Kunst und sozialer Verantwortung zu verlieren.

 

Echte Teihabe

In ihrem Eröffnungsvortrag machte Vorstand Ingrid Rascke-Stuwe klar, worum es der Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft zuvörderst geht: „Menschen zu echter Teilhabe anregen, um Eigeninitiative, Kreativität und Selbstvertrauen zu stärken.“ Die jeweils 10.000 Euro Preisgeld an die sechs Gewinner der Auslobung faktor kunst stärken Kunstprojekte, die „in gesellschaftlichen Konfliktfeldern wirksam sind“ und öffentlich darauf aufmerksam machen.

 

„Es gibt sehr viele hochkarätige Bewerber, die genau im Themenfeld Kunst und Gesellschaft arbeiten und die Unterstützung brauchen.“ Rechnete man bis zwei Wochen vor Einsendeschluss noch mit 200 Bewerbern bei faktor kunst, so wurden alle Erwartungen bis zum Ultimatum mehr als erfüllt. 837 Projekte aus dem deutschsprachigen Raum hatten sich beworben, 15 daraus wurden vornominiert. Aus dieser näheren Auswahl wurden nun sechs Projekte offiziell mit dem Preis der Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft in Bonn ausgezeichnet.

 

„Wer könnte es besser sagen als der Künstler?“

Im Gespräch mit Lothar Guckeisen gibt der Stifter Carl Richard Montag Einblick in seinen ganzheitlichen Ansatz. Als Künstler, Unternehmer und Stifter antwortet er auf die Frage, ob er denn nun ein künstlerischer Unternehmer oder ein unternehmerischer Künstler sei, mit einem klaren selbstverständlichen: „Ich bin beides.“

Um das Prinzip zu nutzen, dass die Wirklichkeit des Alltags unseren Reichtum bedeutet, bedarf es partizipativer Kunst und Inklusion. Um authentisch zu bleiben, um ehrlich mit sich und den anderen zu sein, braucht man den Dialog mit seinem Nächsten. Die folgenden Gewinner der Auslobung sind gute Beispiele für diese Lebenshaltung.

 

In the mix

Ein Gewinner bei faktor kunst ist das DJ-Kollektiv Brunnhilde aus Wien. Der KunstSozialRaum Brunnenpassage und die Caritas Wien ermöglichen jungen Frauen halbjährige DJ-Workshops. Daraus ist mittlerweile ein 12-köpfiges Kollektiv aus jungen Künstlerinnen verschiedenster Herkunft geworden, die mit ihren Beats die Wiener Musikszene aufmischen. Integration trifft hier auf Jugendarbeit und Emanzipation.

 

Heimat- und Sehnsuchtskino

Der Hustadt Filmpavillon soll im migrantisch geprägten Bochumer Stadtteil Querenburg als selbstverwaltetes, nicht kommerzielles Kino entstehen. Film soll dabei die Basis für alle zum Austausch über Heimat und Sehnsucht sein. Gezeigt wird das selbst kuratierte Kino im Gemeinschaftspavillon Brunnenplatz 1. Für September des kommenden Jahres ist ein Filmfestival in Planung.

 

Von Handicaps lernen

Die Schlumper sind eine Ateliergemeinschaft von Künstlern mit Handicaps in der Altonaer Altstadt. Mit der Hamburger Ganztagsgrundschule Louise Schroeder Schule besteht seit Jahren eine feste Zusammenarbeit, in der die seelisch wie körperlich Behinderten den Schülern neue Ausdrucksmöglichkeiten in Malerei, Bildhauerei und Gestaltung beibringen.  

 

Überlebenskunst und Abschiedskultur

Regisseurin Barbara Wachendorffs überGehen bricht mit einer hartnäckigen Konvention: Über den Tod redet man nicht, das ist Tabu. Aber wie gehen Kinder mit einer schweren Krankheit um, an der sie vielleicht sterben? Wachendorff entwickelte mit betroffenen Kindern und Jugendlichen das Stück Elefant im Raum. In den Inszenierungen stehen die Kinder ab 02. Februar 2012 mit Schauspielern des Schlosstheaters Moers auf der Bühne.

 

Gefängnis – Kunst – Gesellschaft – Plus!

Die Berliner Initiative minor e.v. und EsMaS WinPin schickt interdisziplinäre Teams von Künstlern in Gefängnisse, damit Insassen an musik- und theaterpädagogischen Trainings teilnehmen können. Daraus entstehen immer wieder selbst entwickelte Stücke und Aufführungen, die in und außerhalb des Gefängnisses gezeigt werden. Seit Anfang des Jahres gibt es zusätzlich die Draußen-Werkstatt mit Haftentlassenen und Jugendlichen aus dem offenen Vollzug und ein Filmprojekt, in dem Frauen aus dem Strafvollzug ihren eigenen Film entwickeln und darin mitspielen.   

 

Künstlerprivileg Kreativität?

Mit einem Sonderpreis wurde die Ausstellung 2–3 Straßen des Künstlers Jochen Gerz ausgezeichnet. Leere Wohnungen in Mülheim, Duisburg und Dortmund wurden im Jahr der Kulturhauptstadt Ruhr 2010 mietfrei von Menschen aus aller Welt bezogen. Gemein war allen der Wunsch nach Veränderung in ihrem Leben und in ihrem unmittelbaren gesellschaftlichen Umfeld. Die Impulse der neuen Nachbarn krempelten vielerorts den eingeschlafenen Kiez um und aktivierten viele Bewohner. Die daraus entstandenen Projekte und vielfältigen Initiativen zeigen ganz deutlich, dass Kreativität kein Künstlerprivileg ist. Über die Hälfte der 78 Teilnehmer sind in ihrem neuen Kiez wohnen geblieben.  

 

Neben der Stiftung Kunst und Gesellschaft gibt es übrigens noch zwei weitere operative Montag Stiftungen: Urbane Räume und Jugend und Gesellschaft. Die Carl Richard Montag Förderstiftung fungiert als Dach der drei operativen Stiftungen.

Do, 22.12.2011 0

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Über den Autor

08.03.2010

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Metropole Ruhr
Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

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