Kreatives Radfahren in London

Fahrradläden erweitern ihr Angebot

Es gibt immer mehr Fahrräder in London, und Radfahren wird immer mehr zum Lifestyle statt einem praktischen Transportmittel, so dass Fahrradläden mittlerweile alles mögliche in ihren Räumen anbieten, seien es nun Cafés, Galerien, oder Filmnächte.

Fahrradläden werden mehr und mehr zu Orten, an denen sich bestimmte Gruppen treffen und über einem Kaffee ein Schwätzchen halten können und nicht unbedingt etwas kaufen müssen – dieser Trend wird schon seit einiger Zeit in der Erlebnisökonomie beobachtet. Ein populäres Wirtschaftsbuch stellt fest, dass da, wo Service zum Hauptprodukt wird, das Geschäft an sich als Alleinstellungsmerkmal eine Art “Erfahrung” anbieten soll, um so aus der eigentlich alltäglichen Geschäftstransaktion eine Erinnerung, etwas Eigenständiges, eine Einmaligkeit zu machen. Zweifelsohne haben die Fahrradläden diesen Gedanken erfolgreich aufgegriffen und es gibt entsprechende Nachfrage - Look Mum No Hands und Lock 7 zu Beispiel führen beide erfolgreich Cafés und veranstalten Events neben ihren Läden und Werkstätten.
 

Obwohl Puristen wahrscheinlich bei dem Gedanken, das Fahrradfahren etwas mit Lifestyle –oder sogar Schlimmerem, wie zum Beispiel “cool” zu sein - zu tun hat, zurückschrecken würden, ist das Klischee des hippen Fahrradfahrers so verankert, dass es in ‘Being A Dickhead’s Cool’ aufs Korn genommen wird. Dieses parodistische Musikvideo sieht ein Fahrrad ohne Gangschaltung als unerlässliches Element ihres Auftretens, zusammen mit einem vage “kreativen” Job oder einer Beschäftigung als Blogger / Schmuckdesigner / Magazinredakteur. Während das Video natürlich eine Überzeichnung ist, stimmt es allerdings, dass in Londons kreativen Bezirken wie Hackney und Peckham es vor Radfahrern nur so wimmelt, und so ist es nicht überraschend, dass es fruchtbare Unternehmungen zum Zweck der Zusammenführung beider Elemente gibt.


So zum Beispiel auch das Bike Film Festival, das 2001 als “Plattform zum Feiern des Fahrrades als durch Musik, Kunst, und natürlich Film” gegründet wurde, und das in mittlerweile 30 Städten weltweit veranstaltet wird. Es zeigt Filme, die alle Aspekte rund um das Fahrrad beleuchten, seien es experimentelle Animationsfilme oder Dokumentarbeiträge – die Tickets für die Veranstaltung in London im September 2011 waren schnell ausverkauft.

Mittlerweile hat Magnificent Revolution, die sich selber als ein in London ansässiges Bildungsprojekt bestehend aus Künstlern, Musikern, Designern, Ökologen, und Technikern bezeichnen, als erste durch Pedale erzeugte Energie für kreative Zwecke verwendet. Vor fünf Jahren gegründet, erzeugten sie anfänglich Energie für Bands auf Festivals wie dem Big Chill, sind dann zur Organisation von Filmvorführungen oder -events übergegangen, wie ‘Monkey With a movie Camera’, das kürzlich im „Look mum No Hands“ stattfand. Jeder war eingeladen, sich auch aufs Fahrrad zu setzen und so die Energie zu erzeugen, die benötigt wird, um das Projektionseqipment zu betreiben. Für diese Veranstaltung tat sich Magnificent Revolution mit dem Gorilla Film Magazine zusammen, einem Kollektiv von Schreibern und Filmemachern, die im Selbstverlag ein Magazin herausbringen, und das die Kurzfilme und Animationen, aus denen das Programm bestand, ausgesucht hat. 
 

Indem sie den Namen des klassischen

revolutionären Films von Dziga Vertov Man With A Movie Camera nennen, in dem die aufkommende Technologie der Filmkamera gefeiert und erforscht wird, erweisen sich Magnificent Revolution auch als Enthusiasten in Bezug auf das Potential der Pedalkraft als grüne Technologie. So veranstalten sie auch Workshops mit Klienten wie Greenpeace, oder auch von Leuten, die Wert darauf legen, das Teile ihres Haushaltes durch Fahrradfahren mit Energie versorgt werden. Schulgruppen werden auch in Seminaren unterrichtet. Ihr Ziel ist, ihr Wissen über den Aufbau und den Betrieb des Equipments zu teilen, das, obwohl nicht günstig, langfristig kosteneffektiv ist und die Umwelt nur sehr wenig schädigt.
 

Bike Yard East in Hackney City Farm, eine Fahrradwerkstatt, in der schon Filmvorführungen und andere Events stattgefunden haben, wird der Veranstaltungsort für zukünftige Magnificent Revolution-Nächte sein, wenn zum Beispiel ein Blockbuster gezeigt wird, für den die Öffentlichkeit vorher abgestimmt hat. Da Radfahren durch die Preiserhöhungen der öffentlichen Transportmittel immer beliebter wird, werden Kollaborationen zwischen Kunst und Fahrradfahren wahrscheinlich irgendwann fest zum Londoner Leben gehören.

Mo, 02.01.2012 0

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17.08.2011

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Wer von Metropole spricht, kommt an der britischen Hauptstadt nicht vorbei. London setzt global Standards und Impulse von Film bis Fashion, und ist seit jeher Magnet für kreative und innovative Visionäre aus aller Welt.

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