
Kreative Räume und urbane Bedingungen - Großstädte als „Kraftzentren“
- Serie: Kreativ.Quartier.Ruhr
Im Rahmen des Städtebaulichen Kolloquiums an der Technischen Universität in Dortmund sprach Ralf Ebert, Geschäftsführer von STADTart in Dortmund, über die Impulse durch die Kreativwirtschaft für die Entwicklung urbaner Räume. Martina Gödecke-Behnke sprach mit ihm über seine Einschätzungen.
MGB: Was verstehen Sie unter einem System „kreativer Räume“ hinsichtlich der Stadtentwicklungsplanung?
R. E.: Eine Möglichkeit zur Identifizierung Kreativer Räume in einer Stadt bezieht sich auf die Kreativwirtschaft. Viele Künstler/innen, Kleinunternehmen und etablierte wettbewerbsfähige Firmen konzentrieren sich in einigen Gebieten einer Stadt.
Das erleichtert die Zusammenarbeit, die bei vielen vergleichbar ist mit der Produktion eines Films, und kommt deren urbanen Vorstellungen entgegen.
Darüber hinaus ist heute bekannt, dass die eine oder andere Brache bei Künstler/innen auf Interesse stößt. In solchen „Eroberungs- und Erprobungsräume“ können neue Netzwerke entstehen und zeitlich begrenzte Projekte umgesetzt werden. Das gilt übrigens nicht nur für Großstädte.
MGB: Sie sagten, jede Stadt hat ein spezifisches Mosaik an kreativen Räumen. Dabei hat jedes Mosaiksteine eine spezifische Funktion für die Kreativwirtschaft. Was verstehen Sie darunter?
R.E.: Damit ist ein System an kreativen Räumen der Kultur- und Kreativwirtschaft gemeint. Jeder Raumtyp dieser Wirtschaftsbranche erfüllt dabei unterschiedlich Bedingungen. Beispielsweise haben etablierte Firmen ihren Sitz oftmals in der Innenstadt.
Sie arbeiten jedoch mit den „Kreativen“ und Mikrounternehmen zusammen, die vielfach in Gebieten einer Stadt mit preiswerten Gewerbeflächen und kulturellen Szenen sitzen. Die Anzahl der Mosaiksteine richtet sich natürlich nach der Größe der Städte.
Großstädte sind als die „Kraftzentren“ der Kultur- und Kreativwirtschaft anzusehen. Doch können ebenso kleinere Städten kreative Quartiere entwickeln, wenn dies auch nicht immer einfach ist. Das erfordert eine Analyse der Potenziale und es sind gezielt Konzepte zu entwickeln.
MGB: Bedeutet das nicht, dass nun die Kreativwirtschaft stadtplanerisch 'verplant' und in Raster eingebunden wird?
R. E.: Nein, da sich diese Branche nur punktuell in ein Raster der traditionellen Planung einbinden lässt, etwa wenn es darum geht innerstädtische Standorte gestalterisch aufzuwerten.
Auch können nicht alle Gebiete einer Stadt zu kreativen Quartieren entwickelt werden. Vielfach entstehen diese an Stellen, die lange Zeit wenig Beachtung gefunden haben. Solche Gebiete können dann eventuell von der Planung in ihrer Entwicklung gefördert werden.
Hierzu bedarf es auch eher kommunikativer Verfahren mit den „Kreativen“, temporären Konzepten und behutsamen integrierten Strategien. Ich nenne diese Form der Ermöglichung „Planung der Nichtplanung“.
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warum ...
... findet diese erkenntnis so selten eingang in die konzeptionen und entscheidungen der städte? herr ebert sollte mal eine tour durch die region machen und nachhilfestunden geben.
genauso kontraproduktiv wie die vorauseilende vereinahmung ist übrigens die nachträgliche einmischung: (vermutlich) in dem glauben, den kreativen etwas gutes zu tun, werden allzu oft neugestaltungen und renovierungen durchgeführt, die den orten ihre seele, ihr flair nehmen und eine austauschbare, sterile umgebung hinterlassen. das nicht-einmischen, die besagte "planung der nichtplanung" ist vermutlich die wichtigste und schwierigste aufgabe, die in der ruhrstadt zu bewältigen ist.
planung der nichtplanung mal
planung der nichtplanung mal praktisch: in berlin ost war es die paarung aus immobilienkrise und zusammenbruch der verwaltung. ein ungewollter freiraum wurde über jahre zum kreativraum. das wichtigste: es gibt keine braven zeitpunkte, wann ein kreativquartier beginnt oder endet - wie bei einem neubau.