Bahnhof Langendreer in Bochum

Kein Tag ohne Kampf

Bahnhof Langendreer feiert 25. Geburtstag

Er hat überlebt! Am 26. August feierte der Bochumer Bahnhof Langendreer seinen 25. Geburtstag. Damit feiert das soziokulturelle Zentrum ein Jubiläum, das nur die wenigsten erwartet hätten. Es gibt wohl auch einige, die es ihm nicht gewünscht haben. Das sagt Rolf Stein, ein „Schaffner“ der ersten Stunde, im Gespräch mit Marcus Römer.

2010LAB.tv: Gehen wir mal ganz weit zurück. Wie hat alles angefangen? Mit welchem Anspruch ging der Bahnhof an den Start?
 

Rolf Stein: Das war bereits 1981. Es herrschte eine Stimmung, in der es hieß: Bochum braucht ein autonomes Kulturzentrum. Wir, das war eine Gruppe von vielleicht sechs, sieben Leuten, wollten politisch intervenieren. Wir wollten uns als politische Subjekte einbringen. Damals, als die Stadt Bochum den Bahnhof von der Deutschen Bahn für 150.000 Mark kaufte, war der Bahnhof eine Ruine. Wir haben dann noch mal 150.000 Mark von der Bank als Kredit aufgenommen und waren die ersten Jahre eigentlich nur mit architektonischen bzw. Renovierungsarbeiten beschäftigt.

 

Wer ist „wir“?


Das waren Leute aus dem Rotthaus (ehemalige Kultkneipe und „Dissidententreffpunkt“ in Langendreer, Anm. der Red.), Leute aus dem Stadtteil, die einfach Räumlichkeiten für Diskussionsveranstaltungen suchten und Leute aus der Studentenbewegung.

 

 

Welche Themen trieben Euch denn um?


Nun, das war die Zeit der Nachrüstung. Das hat viele Menschen empört. Aber wir engagierten uns auch gegen die Volkszählung und gegen die Atomenergie. Der Nord-Süd-Dialog hat viele bewegt, die Sozialpolitik, aber auch ganz konkrete Sachen wie zum Beispiel die Steuerpolitik. Uns war es von Anfang an wichtig, Bürgern, die etwas diskutieren oder verändern wollten, ein Forum zu geben.

Gibt es eine Art Aufsicht? Über Leute, die vielleicht ideologisch über die Stränge schlagen?


Begrenzt, ja. Bei uns treffen sich alle möglichen sozial engagierten Gruppen, die Themenpalette ist breit – das geht von Antifa bis Atheismus. Wir hatten und haben dabei klare Vorgaben: nicht frauenfeindlich, nicht rassistisch, nicht antisemitisch. Das es manchmal die ein oder andere Sumpfdohle gibt, die neben der Spur liegt, können wir nicht verhindern. Aber diese Zahl ist vernachlässigbar.

Wie sieht denn die finanzielle Situation aus? Der Bahnhof Langendreer hat ja manches Jahr erlebt, in dem er vor dem Aus stand.

Es gab – bis heute – kein Jahr ohne Kampf. Mitte der 90er war es besonders arg. Wir hatten tatsächlich den Eindruck, dass uns die damalige Kulturdezernentin der Stadt, Ute Canaris, ans Leder wollte. Zwischenzeitlich mussten wir sogar Kurzarbeit anmelden. Heute liegt unser Jahresetat etwa zwischen 1,3 und 1,4 Mio Euro; die Stadt unterstützt uns mit 330.000 Euro. Wir erwirtschaften also 75% selbst; das ist im Vergleich der soziokulturellen Zentren eine ganze Menge. Und das, obwohl wir seit 25 Jahren als Gruppe arbeiten, als Kollektiv ohne Chef. Wir verwalten uns bis heute selbst, das ist ein ziemlich erfolgreiches Überlebensmodell. Aber sicher ist nichts. Wir kämpfen jedes Jahr aufs Neue.

Di, 30.08.2011 0

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23.08.2011

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Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

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