
Katalanen mit andalusischen Wurzeln: Einwanderer im eigenen Land
Während der Sechziger wanderten beinahe eine Million Andalusier auf der Suche nach einem besseren Leben nach Katalonien ab.
Ihre Kinder haben vielleicht katalanische Namen wie Josep, Jorid, oder Pau, obwohl sie in fast 900 km Entfernung von Katalonien geboren wurden – um genauer zu sein, in Andalusien, wo Menschen nach mehreren Dürrejahren und uneffektiver Bewirtschaftung auf dem Land unter wirklich schlechten Bedingungen arbeiteten. Sie sind andalusische Immigranten, die während der Fünfziger und Sechziger innerhalb Spaniens umzogen (meistens nach Katalonien).
Während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatte es bereits eine gewisse Abwanderungsbewegung aus dem Süden in Richtung Katalonien gegeben, aber seit 1950 begann die massive Abwanderungswelle außer Kontrolle zu geraten. Es waren harte Jahre, besonders, weil die meisten der Andalusier, die in Katalonien ankamen, verhaftet und wieder zurück in ihre Dörfer deportiert wurden.
Aber gemäß den Entwicklungsplänen der Technokraten des Franco-Regimes wurde die “innere Grenze” 1959 geöffnet, damit man billige Arbeitskräfte für den damaligen Bauboom (besonders an der Costa Brava) und die Textilfabriken, die sich sehr schnell in den Industriegebieten um Barcelona herum ausbreiteten, bekam.

Perfekt integriert
Innerhalb von weniger als zehn Jahren waren fast eine halbe Millionen Andalusier nach Katalonien emigriert. Zunächst lebten sie unter ärmlichen und unzulänglichen Verhältnissen: mehrere Familien teilten sich eine Wohnung oder sie lebten sogar in Hütten. Aber nach und nach schafften sie es, sich niederzulassen und genug Geld zu verdienen, um sich eigene Grundstücke und Autos zu kaufen. Und obwohl sie Heimweh hatten und sehr stolz darauf waren, Andalusier zu sein, wurden sie schnell sozial integriert und viele von ihnen sind Katalonien von ganzem Herzen dankbar.
Heute leben sie und ihre Nachfahren noch immer in Katalonien. Die zweite und dritte Generation dieser Immigranten fühlen sich als Katalanen, sprechen katalanisch, sind Fans des Fußballvereins in Barcelona und sind perfekt in die katalanische Kultur integriert. Tatsächlich sind viele wichtige Persönlichkeiten im künstlerischen, kulturellen, und politischen Umfeld Nachkommen dieser Einwanderer; ein großartiges Beispiel dafür ist der ehemalige Präsident der katalanischen Regierung, José Montilla, dessen Familie 1971 von Andalusien nach Katalonien gezogen war.
Vom Elend in ein besseres Leben

Der Film erzählt die Geschichte eines Mannes, der als Bauarbeiter in einem Dorf an der Costa Brave beschäftigt ist und einige Monate allein gewesen ist. Er schafft es, eine kleine Wohnung anzumieten und wartet darauf, dass seine Frau und die Kinder aus Andalusien zu ihm ziehen. Der Film porträtiert die Wirklichkeit jener Zeit in Spanien sehr gut: der Tourismusboom, die harte Arbeit auf den Baustellen, die Abwanderung aus den armen Städten (weg von Elend und ärmlichen Verhältnissen), und die Ankunft in einer weiter entwickelten Welt – also auch die Wirklichkeit, der sich Tausende von Familien, die auf der Suche nach einem besseren Leben waren, damals ausgesetzt sahen.
Foto: Guillermo Héctor
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