
Kann man von Rosinenbrot Albträume bekommen?
Träume von kippenden Landschaften
Träumen ist international. Jeder Mensch kennt das. Im Detail wird sicher der Bottroper anderes träumen als der unruhige Schläfer in Buenos Aires, aber nur, wenn er in seinen Träumen die vertraute Landschaft erkennt oder seine verstorbene Oma im Garten.
Die Frage der Deutungen wollen wir hier nicht klären. Es gibt ja seit langem Traumkongresse, eine Mischung aus Esoteriker-Treffen und Wissenschaftsstelldichein. Die Ursachen sind vielfältig wie die Erscheinungen, die man morgens entweder abschüttelt oder die einen lange Zeit begleiten.
Rosinenbrot mit Käse

Umfallende Landschaften
Schweiß gebadet werde ich wach. Das Oberbett wiegt gefühlte zwei Tonnen, das Kopfkissen ist durchtränkt von Traumschweiß. Kurz bevor mich eine urbane Tsunami-Welle wegreißt, reiße ich die Augen auf und sehe einen Froschmann neben mir sitzen. Was ist geschehen in diesen Gedankenverknotungen? Ich sitze am Phoenix-See und plötzlich bewegt sich eine haushohe Welle auf mich zu. Das kleine Rinnsal, angeblich ein neu geleitetes Ur-Gewässer, schwillt an zu einem Strom. Die Böden reißen auf und alle ehemaligen Bäche und Flüsse des Reviers, zuvorderst die Emscher greifen Raum, nehmen sich das zurück, was Jahrzehnte lang, Jahrhunderte lang, verschüttet war und verborgen wurde. Die ehemaligen Schächte des Bergbaus platzen auf. Brodelndes heißes Wasser donnert aus der Tiefe an die Oberfläche. Straßen reißen auf, das Wasser wirbelt menschliche Überreste durch die Einkaufsstraßen: Hasenbrote, Thermosflaschen, Helme und Kernseife.
Schnitt. Ich stehe auf dem Tower in London und sehe, wie die ganze Stadt überflutet wird von ehemaligen Flüsschen. Schnitt. Ich sehe, wie vertrocknete Flussbetten in Griechenland sich blitzschnell mit Wassermassen füllen, sich ganzer Landschaften bemächtigen. Oben von der Akropolis sehe ich das und neben mir steht Zeus in Gestalt eines Weinbauers, der mir Rosinen anbietet.
Kalte Dusche
Da hilft nur irdisches kaltes Wasser aus der Leitung. Ich dusche kalt und nach drei Sekunden wird mir klar: Es war nur ein Traum. Das Wasser lässt sich wieder abstellen. Um sicher zu gehen, fahre ich zum Phoenix-See nach Dortmund-Hörde. Alles ist still, die Wasseroberfläche ist ruhig wie die Hand eines Scharfschützen. Präventiv male ich mir aus, wie die nächsten Albträume aussehen könnten, um vorbereitet zu sein. Ein Wind wird zum Sturm und bahnt sich seinen ursprünglichen Weg, reißt Gebäude nieder, räumt alle Windfänge aus dem Weg wie Stadien und Logistikhallen. Aus den Äckern und Wiesen der Ruhrlandschaft sprießen in Windeseile alle Pflanzen, die sich ihren Raum zurückerobern. Vögel fallen vom Himmel wie Hagelkörner. Schon wieder zieht es mich in die Küche, aber das Rosinenbrot ist alle. Gute Nacht.
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