Kai Rosenkranz: Wandler zwischen den Welten

Das Herz berühren. Das soll sie. Nachfühlend und mitreißend sein. Eine emotionale Achterbahnfahrt soll sie sein – die Technologie, die aus einem Computerspiel ein prägende Erfahrung macht und Spielerherzen höher schlagen lässt. Begleiter auf dieser emotionalen Reise: Kai Rosenkranz. Sein Werkzeug: Articy.

„Wenn der Spieler sein Gamepad hinlegt, soll er das Kino-Gefühl spüren. Ein Gefühl, das etwas zurückbleibt“, sagt Kai Rosenkranz, Technologie-Entwickler und Mitgründer der Bochumer Entwickler-Schmiede Nevigo. Gemeinsam mit zehn Film- und Spielexperten will der 29-Jährige internationales Parkett auf professionellem Niveau betreten. „Unsere Technologie könnte den nächsten Star Wars-Film als Computerspiel umsetzen“, sagt der Bochumer selbstbewusst.

In der Gamerwelt wird gründlich aufgeräumt

Kai Rosenkranz legt mit Articy – abgeleitet aus den Buchstaben R.T.C. für real-time compositing – die Werkzeuge für eine neue Spielentwicklung zurecht. In der Gamerwelt soll gründlich aufgeräumt werden, eine filmähnliche Bildsprache und Dramaturgie eingebettet und zum Beispiel echte Schauspieler integriert werden. Mit Articy soll Kinoästhetik ihren Platz in der Welt des Computerspiels finden. In den sogenannten Cinematic Games kommen die Methoden der Games- und der Film-Branche zugleich zum Tragen. „Wir bringen beide Welten zusammen und schlagen eine cross-mediale Brücke. Wir lösen Kommunikationsprobleme, indem wir eine gemeinsame Sprache finden, und verbessern so Arbeitsabläufe.“

Hochachtung für Gothic

Die Genres übergreifend arbeiten – das kann Kai Rosenkranz. 1989 programmierte er mit der Computersprache Basic auf seinem Commodore 64. Er spielt Klavier und Gitarre. Er schreibt Orchesterpartituren. Er hat Psychologie und Medien-Informatik studiert.
Doch dass er in der Spielewelt sein Zuhause findet, das wusste er schon immer. 1997 landete er in der heutigen Essener Videospielefirma Piranha Bytes als Musik- und Sound-Designer einen Punktsieg und erntete bei den Fans Hochachtung – für die Vertonung der mit Preisen ausgezeichneten Spieleserie Gothic und für das Spiel Risen. „Wenn sich ein Charakter im Spiel bewegt, eine Angriffs- oder Dialog-Gestik macht, dann habe ich das passende Geräusch dazu entwickelt und Partituren zu einem Setting entwickelt“, erklärt Kai. „Diese Orchesterkompositionen sind anschließend von den Bochumer Symphonikern eingespielt worden.“

 

Von Bochum aus in die internationale Spielewelt

Heute, sagt er, sei er bei Nevigo eher der Ideengeber, zuständig für Business Development und Marketing, der sogenannte Vison Keeper. Einer, der Ideen verteidigt – gegen finanzielle oder technische Einwände und einer der sagt, welche Eigenschaften ein neues Produkt haben muss. „Ich selbst kann in der Programmierung nicht mehr mithalten. Das ist zu weit fortgeschritten.“ In der Programmierung kann er sich dafür auf erfahrene Gamesspezialisten verlassen. Mit momentan zehn, sollen für Nevigo bald insgesamt 22 Experten arbeiten. Denn schließlich soll Articy an internationale Spielestudios verkauft werden. Die sollen sich bald ebenso begeistert zeigen, wie der Bochumer selbst: „Die Spielebranche ist zu sehr mit technologischen Tricks beschäftigt. Dabei sollten wir uns gegenüber den psychologischen Tricks der Filmbranche öffnen. Denn in ihnen kommt eine Riesen-Palette zum Tragen: Dialoge, Charaktere, Konflikte, Farbästhetik, Kamera, Sound. Wir sollten mit diesen Techniken spielen: dramatische Blickwinkel einnehmen, mit Licht spielen, inszenieren. Den Spieler in eine Situation hineinversetzen, die sich so anfühlt, als sei er im Mittelpunkt eines Hollywood-Films. Aber wir wollen nicht einfach die Kameraästhetik des Kinos adaptieren. Denn wir Spielentwickler haben unsere eigenen Maßstäbe.“

Avatar, Batman: Arkham Asylum, Beyond Good & Evil

Das dass Zusammenspiel von Kinofilm und Computerspiel oft nicht gut harmoniere, zeige Avatar: Das Spiel. „Eigentlich“, sagt Kai Rosenkranz, „geht es häufiger schief, als gut. Dafür hat man ja auch den Begriff der Lizenzgurken erfunden.“ Meistens liege es daran, dass ein Spiel nicht schon im Vorhinein in den Produktions-Zeitplan eingebunden sei. „Es gibt dann im Spiel Fragmente aus einem Drehbuch, das später noch geändert wurde und gar nicht mehr aktuell ist. Und auch im Schneideraum selbst werden noch Charaktere komplett gestrichen, wenn sie die Geschichte nicht vorantreiben. Dennoch sind sie im Spiel schon fest verwurzelt. Spielestudios müssen schon in der Stoffentwicklungsphase einbezogen werden.“
Ein gutes Beispiel für ein Lizenzspiel sei Batman: Arkham Asylum, meint Kai Rosenkranz. „Eigentlich hätte man denken können: auch so eine Lizenzgurke. Aber für mich das beste Spiel des letzten Jahres. Der Druck war nicht so groß. Das Spiel musste nicht zeitgleich mit dem Film veröffentlicht werden. So kann es funktionieren: Man spannt das Zugpferd einer starken Marke und kombiniert es mit guter Qualität.“
Sein Lieblingsspiel aber lautet Beyond Good & Evil. „Eine Manga-Schönheit, die ein Comic-Schwein zum besten Freund hat. Das Spiel geht am Mainstream vorbei, aber es ist charmant, wie die französischen Filme eben auch. Da spielen subtile Untertöne eine größere Rolle. Ein Charakterporträt als Computerspiel. Supercool.“

Di, 02.03.2010 3

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Kommentare

Ein schöner Bericht und ich

Ein schöner Bericht und ich fühle mich geehrt, dass Du mein Video mit eingebunden hast.

Ich schließe mich Arthus an

Ich schließe mich Arthus an :) Und weil du niemals deine kreative Adern ruhen lässt, freue ich mich auch, dass du sicher keine "leisen Töne" anschlägst ;D

Kai Rosenkranz

Schön wieder etwas von Dir zu lesen.
Kann's großes Kino lieber Kai damit ist der Klavier Part gemeint.
Alles Gute!

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04.12.2009

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