Jutta Hellwegs Frauenbilder

Jutta Hellweg arbeitet seit langen Jahren als freischaffende Malerin in Unna. Martina Gödecke-Behnke sprach mit ihr über ihre Themen und ihre Motivation als bildende Künstlerin.

M.GB: Was sind Ihre wichtigsten Themen?

Jutta Hellweg: Meine Themen sind seit Jahren die gleichen - es sind Frauengeschichten. Die Geschichten sind auch biografisch gefärbt und entsprechen meiner Generation. Auch für mich gehörte es sich, zunächst einen 'ordentlichen' Beruf zu erlernen, dann meinen Mann zu unterstützen und mein Kind zu fördern.

Erst später folgten das Studium der Visuellen Kommunikation und meine eigene Berufsarbeit. Und ja, mit meiner künstlerischen Arbeit möchte ich mich durchaus selbst verwirklichen - und tue das auch.

M.GB: Was treibt Sie dabei an?

Jutta Hellweg: Ganz einfach die Erkenntnis: was drinnen ist, muss raus. Ich möchte das Innenleben von Frauen - auch mein eigenes - immer besser verstehen. Was genau sind die jeweiligen Beweggründe, dies oder jenes zu tun, welche Interaktionen folgen daraus? Dies sind sensible Prozesse, die ich aufzeichne und den Veränderungen Raum gebe.

Mein Ziel dabei ist es, die innere Mitte zu finden und irgendwann einmal daheim anzukommen. Wann und wo dies auch immer sein mag.

M.GB: Wie schätzen Sie Ihr Leben im Ruhrgebiet ein?

Jutta Hellweg: Ich kam von Bielefeld über Münster hierher und bin zunächst in Dortmund gelandet. Überraschend und auffallend war die Offenheit der Menschen, die mich überhaupt nicht kannten und trotzdem sofort aufnahmen. Das Ruhrgebiet ist sicher keine anheimelnde Region - aber die Menschen hier sind klasse.

Aber als Künstler - ob männlich, ob weiblich - muss man hier mehr kämpfen als in anderen Regionen. Das Ruhrgebiet definiert sich immer noch sehr stark mit seiner Industriearbeit.

In der Außenwahrnehmung spielt bildende Kunst keine große Rolle und ist nicht im Alltag verankert. Die Ruhr2010 war ein wichtiger Beginn, um einen allmählichen Bewusstseinswandel einzuleiten. Zumindest ist dies meine Hoffnung.

M.GB Und welche Visionen haben Sie?

Jutta Hellweg: Ich möchte weiterhin so arbeiten, wie ich es seit Jahren mache. Aber ich wünsche mir mehr Anerkennung für meine Arbeit. Bildende Kunst sollte endlich als Arbeit begriffen werden, die auch bezahlt werden muss. Dies wird momentan noch nicht so gesehen.

Ich wünsche mir außerdem, dass mehr Menschen meine Arbeit verstehen, dies kann an geeigneten Ausstellungsorten geschehen.
 

Jutta Hellwegs Frauenbilder

Schattenspiel
Um den richtigen Ausdruck und die passende Stimmung zu verleihen, nutzt Jutta Hellweg unterschiedliche Gestaltungsmittel. Sie malt mit Öl oder Acryl oder sie zeichnet mit Kreide und legt die unterschiedlichen Zeichnungen übereinander, so dass komplexe Bilder entstehen.

Seit Jahren befasst sich die Künstlerin mit Frauenwelten. Mit welchen Fragen beschäftigen sich die gezeigten Frauen? Wie verhalten sich Frauen in Beziehungsgeflechten? Was ist ihre Identität, und welche Veränderungen erleben sie? Diesen zentralen Fragen gibt sie breiten Raum und zeigt erstaunliche Perspektiven.
 

Schattenspiel


Eines ihrer Bilder heißt 'Schattenspiel'. Ein Frau sitzt raumgreifend im Bildvordergrund. Sie wird angeschnitten gezeigt - dies verstärkt ihre Präsenz. Aber sie bildet keinen Schatten, vielmehr sitzt sie im Schatten.

Hinter ihrem Rücken bewegen sich zwei Figuren, die nur angedeutet werden. Bei einer der beiden Figuren werden lediglich die Beine gezeigt, die zweite Figur ist nur durch den Schatten angedeutet - sie selbst ist nicht im Bild sichtbar. Beide werfen lange Schatten, der auch auf die Hauptfigur fallen müsste.
 

Erstaunliche Verbindungen


Jutta Hellweg verbindet zwei unterschiedliche Bilder, die sie kompositorisch trennt. Eines der beiden Bilder ist naturalistisch, fast fotografisch dargestellt. Durch das zweite Bild wird die Protagonistin vom weiteren Geschehen isoliert - die Logik wird gebrochen.

Die Hauptfigur lebt in ihrem eigenen Raum, es findet keine Kommunikation mit den beiden Figuren im Bild statt. Als Betrachter ist man versucht herauszufinden, ob man die beiden nicht identifizierten Figuren entschlüsseln kann - ein weiterer Bruch mit den Sehgewohnheiten.

Dies vielschichtige Gemälde ist eines der typischen Bilder von Jutta Hellweg. Sie zeigt Beziehungen, die selten auf gewohnte Weise stattfinden oder gesetzten Regeln entsprechen. Ihre Hauptfiguren sind mit sich selbst beschäftigt. Sie bleiben Fremde, die Rätsel aufgeben.


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Sa, 05.02.2011 0

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04.12.2009

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