Juicy Beats 2012 - Hüpfer und Hocker
Verlässlich großartig, gelassen und überraschend
Dass man alt geworden ist, bemerkt man auch daran, sich um den Zustand der Wiesen und Beete im Westfalenpark nach den Juicy Beats zu sorgen. Vor der Hauptbühne sah es jedenfalls am nächsten Morgen aus, als sei ein riesiges Huhn gerupft worden - was der Wahrheit vermutlich recht nahe kommt.
Nebenbühnen Lücken
Hüpfmomente bei Shantel und Tanz im Gebüsch
Große Momente bei Shantel & Bukovina Club Orkestar, bei Mr. Big Dj Koze und unserem ganz eigenen Dortmunder Gewächs Sisterkingkong auf den diversen anderen Bühnen gab es auch. Verlässlich gut auch die vielen kleinen DJ Floors: Ob am Wegesrand im Gebüsch mit schwebenden Ballons in den Bäumen wie auf dem großartigen Ostbahnhof „Floor“, der später Indoor zum Nullzweidrei Floor wurde oder altbewährt, verlässlich tanzbar und toll unterm Sonnensegel, wo Ingo Sänger und Gerd Janson eine unwiderstehliche Mixtur ablieferten, die mit einsetzendem Regen und dem Ende der Live Konzerte ab zehn Uhr sehr viele Leute aufsaugte und nicht mehr losließ. Daneben noch House BummBumm am großen See, Break Beats im Grünen und von Trash Pop über Hip Hop, Rare Grooves, Bring your own Beats und der Dortmunder DJ Schule für alle Geschmäcker etwas zu tanzen.
Mit der APP ins Kreativ Camp
Dieses Jahr neu: Das DORTMUND.KREATIV.camp, vom Leiter der Wirtschaftsförderung besonders hervorgehoben: „Wir wollen weithin sichtbar machen, dass über 5600 Beschäftige in Dortmund in der Kreativwirtschaft arbeiten und der Spirit von Dortmund ein anderer geworden ist.“ Kohle ade, Hallo Umhängetaschen und T-Shirts mit U Motiv? Nicht nur. Im Camp, bestehend aus einem Dutzend Igluzelten, konnte man sich für das Cover der bald erscheinenden Zeitschrift RuhrGestalten fotografieren lassen, das Salonatelier aus dem Unionviertel bot Kunst an, Form-schlüssig schuf aus Graffiti 3-D Holzskulpturen - in einer Stadt mit langer Street Art Historie ein Volltreffer - und weil Kreativquartier ohne Hipster nicht urban ist, gab es mit Einzig! Bikes schon mal einen Laden für Fixies, DAS Fahrrad für den Hipster.

Carsten Helmich betonte am Abend, dass es Juicy Beats, anders als anderen Festivals, nicht nur um die großen Namen gehe, sondern auch darum, den Besuchern die Chance zu geben, neue Bands zu entdecken. Auch deshalb habe man eine Festival App entwickelt. Die netzaffinen Menschen loben Juicy Beats ohnehin für ihre hervorragende Arbeit im Bereich Social Media. Die neue App zeigte dann nicht nur an, wo man sich gerade selbst befand, sondern auch, wo die eigenen Freunde gerade hüpften oder lungerten und natürlich was auf all den Bühnen gerade musiziert wurde.
Die App und die entspannte Atmosphäre, die vielen Bühnen und Musikstile machen das Festival wie von den Machern gewünscht, zu einem Ort der Begegnung und Vernetzung - für Veranstalter, Künstler und die Besucher. Ob das Kennenlernen beim Bier am Rande eines Konzerts, auf einer Parkbank oder im Backstage „Ruhebereich“ (der Fragen über den Zustand der Rock- und Popmusik aufwarf) stattfand.
Wir habend jedenfalls Bands wie die tollen The Black Atlantic an der Ananas kennengelernt oder die irren Two Gallants aus Kalifornien an den Himbeeren. Wir haben im Gebüsch bei den Johannisbeeren getanzt, und auf Wiesen rumgelungert und unter Betonsegeln Bässe geschluckt, um schließlich, auch ohne App, wieder nach Haus zu finden - spät, glücklich und fruchtig rundumversorgt.
Teaserfotos: Simon Bierwald
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