DJ Koze beim Juicy Beats 2012

Juicy Beats 17: Folgt der Banane!

30.000 im Dortmunder Westfalenpark zum Electronic Music Festival erwartet

Letzter Samstag im Juli, ab 12 Uhr: Auf über 20 mit Obstsymbolen markierten Bühnen und Dancefloors verwandeln mehr als 40 Bands und 120 DJs den gesamten Dortmunder Westfalenpark in eine der schönsten Festival-Locations der Republik. Top-Acts wie Casper und Modeselektor, feste Größen wie Shantel & Bucovina Club Orkestar, Durchstarter wie Prinz Pi oder I Heart Sharks und Lokalmatadoren wie Sisterkingkong treten mitten im grünen Zentrum der Stadt auf.

In Dortmund ist man es gewohnt, dass während der Saison alle zwei Wochen 80.000 schwarz-gelb gekleidete Menschen zum Heimspiel der Borussia pilgern. Da fällt es vergleichsweise kaum auf, wenn der letzte Samstag im Juli seit Jahren ebenfalls ein Pflichttermin im Wichtig-Kalender ist, der seit 1995 kontinuierlich steigend erst schüchterne zehn- oder zwölftausend, dann seriöse gut zwanzigtausend, schließlich heuer erwartete 30.000 Fans anzieht.

Das Juicy Beats Festival hat sich seit seinen Anfängen zum größten Electronic- und Independent-Music-Festival in NRW entwickelt, und im Gegensatz zum nur zweifarbigen BVB setzten die Veranstalter von Anfang an auf das volle bunte Spektrum. Letzter Vergleich mit der Borussia, die ja in der Form der letzten beiden Jahre maßgeblich zum neuen Selbstwertgefühl Dortmunds und zu einer positiven, dynamischen Grundstimmung in der Stadt beigetragen hat und deshalb an dieser Stelle keineswegs als dumpfer Gegenentwurf zur fröhlichen Subkultur präsentiert werden soll: Wo beim Fußball Bier das prägende Accessoire ist, sind es hier die leckeren, gesunden Früchte – Juicy Beats ist ja ein Generationen übergreifendes Familienfest, das bereits mittags kleine Steppkes vor Reggaeboxen tanzen lässt. Bier sieht man, ähem, erst nach Einbruch der Dunkelheit.

 

Es geht um Entdeckungen, Schnittmengen, das Nebeneinander

Selbst im europäischen Maßstab ist Juicy Beats eine Besonderheit. Natürlich liegt das auch am Line-Up – das ist dank Mitgründer, DJ und Booker Carsten Helmich verlässlich geschmackssicher zusammen gestellt und garantiert immer wieder Entdeckungen und die Gewissheit, hier die großen Namen des nächsten Jahres zu sehen. In diesem Jahr etwa gibt es dank des großes Potenzials dieses Genres einen eigenen Dub-Step-Floor, der den Besuchern auch schon tagsüber mit dröhnenden Bässen die Tanzbeine unterm Hinterm wegziehen wird. Aber es geht nicht nur um Top-Acts wie Deichkind, Casper und andere Abräumer auf der großen Bühne, die die große Festivalwiese im wunderschönen Westfalenpark zum kollektiven Abheben bringen. Es sind die kleinen Entwürfe auf den Nebenbühnen oder im dunklen historischen Pferdegöpel, die im besten Falle daran erinnern, dass Popmusik auch mal Gegenkultur war und nicht nur Konsum. Und es ist die behutsame und gelungene Einbeziehung auch anderer als elektronischer Genres und die immer wieder vorgenommene Nachjustierung des Gesamtkunstwerks Juicy Beats, die den Veranstaltern Jahr
Durchgeknallt: Beardyman
Durchgeknallt: Beardyman
für Jahr gelingt. Dass Indiegitarren eine Schnittmenge mit Electronica bilden, dass sich Weltmusik an Dub-Reggae andocken lässt, dass Lesungen und Poetry Slams die textlose Leere der Beats kontrastieren, das alles sind Erkenntnisse und Entwicklungen, an denen das sonst traditionell eher Rock- und Metal-lastige Ruhrgebietspublikum seit Jahren teil hat. Die Leute sind daran gewachsen und – im Pop-Kontext – schlauer geworden, und wer die Lektion geschnallt hat, überträgt das Gelernte auch auf sein Alltagsleben und erkennt, dass vieles nebeneinander existieren kann, ohne sich zu beißen.

 

Regionale Vernetzung

Zur Grundidee von Juicy Beat, zum Core dieses extrem sympathischen Familienfestivals, gehört unweigerlich der regionale Vernetzungsgedanke. Juicy-Beats-Sprecher Martin Juhls sieht das Festival gar als „Plattform“, auf der sich zeitgemäße popkulturelle Ideen vorstellen und ausprobieren können: „Wir haben mittlerweile über 25 Partner aus dem Kulturleben der Region, die sich beim Juicy Beats präsentieren und aktiv am Programm beteiligt sind.“ An dieser Stelle verlässt das Festival in der Tat den lokalen Raum und spricht für das ganze Ruhrgebiet: Ob Konzerthaus Dortmund oder der Essener Club Hotel Shanghai – beim Juicy Beats arbeiten und feiern die angesagten Clubs und Partymacher der gesamten Region Beat in Beat mit Sponsoren aus der Privatwirtschaft, dem Kulturbüro Dortmund, der Fachhochschule Dortmund und der Wirtschaftsförderung Dortmund. Veranstalter Carsten Helmich: „Hier kann man den Ruhrpott mit seinen verschiedenen Partyszenen an einem Festivaltag wie durch ein Brennglas betrachten. DJs, Gäste, Clubbetreiber, Macher – alle feiern zusammen eine fette Party. Eben typisch Ruhrgebiet. Nicht zu glatt, immer relaxed und einfach liebenswert direkt.“

 

Kreative stellen aus, Leute tanzen stumm

Neu in diesem Jahr ist das in Kooperation mit der Agentur Heimatdesign organisierte Dortmund.Kreativ Camp: Das Zeltdorf, bestehend aus 15 stylisch gestalteten Iglu-Zelten, präsentiert junge Dortmunder Kreative mit ihren Produkten und Projekten. Mit einem Biergarten, einem Dynamo-betriebenem Fahrrad-Disco-Act und Filmprogrammen des MuVi-Award der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen sowie des XXS-Kurzfilmfestivals auf dem Silent Cinema-Video-Würfel verspricht es weitere Attraktionen. Ein Forum für junge Nachwuchsproduzenten bieten zudem die Summersounds DJ-Picknicks: Bei „Bring your own Beats“ können junge Beatbastler aus der Region ihre eigenen Stücke präsentieren oder beim Beatbattle vor namhafter Jury gegeneinander antreten. Und für den Fall, dass jemand eine stumme Menschenmenge mit Kopfhörern im Park tanzen sieht, dann passiert dies auf dem neuen Silent Disco Floor. 

 

Mit großen Engagement und verschiedenen Kooperationen setzt das Juicy Beats Festival auch neue Maßstäbe in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit auf Festivals. Die Zusammenarbeit mit der Green Music Initiative und dem Partner „Viva con Agua“ hat die Reduktion der CO2-Emissionen, die durch solche Großveranstaltungen anfallen, zum erklärten Ziel. Dass man mit dem Festivalticket aus dem gesamten Ruhrgebiet kostenlos mit dem ÖPNV an- und abreisen kann, ist da schon fast selbstverständlich. Ach, und Handy nicht vergessen! Carsten Helmich: „Wir haben extra eine App für iPhone und Android-Smartphones entwickeln lassen. Auf unserem großen Gelände weiß man dann durch die Ortungsfunktion immer, wo man selber ist, aber auch wo seine Freunde sind. Sonst heißt es zu späterer Stunde wieder: Wo geht’s denn zur Banane?“

 

Juicy Beats Festival 17 am Samstag, 28. Juli ab 12 Uhr im Dortmunder Westfalenpark

Top-Acts: Casper, Modeselektor (live), Shantel & Bucovina Club Orkestar, DJ Koze, Get Well Soon, Kakkmaddafakka, Beardyman, Irie Révoltés, Prinz Pi, Two Gallants, Nosliw, Egotronic, Electro Ferris (Deichkind), DJ Stylewarz, Dillon, I Heart Sharks, Julia Marcell u.v.m.

Eintritt/Tageskasse: 32,- Euro

www.juicybeats.net

 

Der Autor dankt den Kollegen von Coolibri für die Überlassung einiger Passagen aus diesem Interview und diesem Vorabbericht.

Fotos: Juicy Beats

Fr, 27.07.2012 0

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13.12.2009

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Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

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