Ja/Nein zum Fleisch: Dortmund einig Schnitzelstadt

Verpasst, verpennt, nix geschnallt: Dortmund hat die Chance auf einen fleischfreien Tag in der Ratskantine nicht ergriffen. Schade, aber dumm. Neulich schrieb ich noch hier, dass das Beispiel der belgischen Stadt Gent europaweit bereits Schule macht und ob es wohl auch im Ruhrgebiet Schule machen wird: nämlich einmal in der Woche einen fleischfreien Tag in den Verwaltungskantinen, Uni- und Schulmensen und teilnehmenden Restaurants zu etablieren.

Dortmund hat sich leider aktuell, wie die WAZ/WR heute berichtete und kommentierte, mal hübsch selbst aus dem Rennen geworfen. Die Tierrechtsorganisation PETA nämlich hatte Dortmunds OB Ullrich Sierau die verbindliche Einführung eines fleischfreien Tages in der Verwaltung vorgeschlagen. Schließlich ist Dortmund eine von bundesweit 25 Klimastädten, die sich bemüht, die von der EU bis 2020 angestrebte Verringerung der CO2-Emissionen um 20 Prozent noch zu übertreffen.

WAZ-Autor Klaus Brandt zitiert PETA-Kampagnenleiterin Anja Hägele mit der Idee, einen "offiziellen vegetarischen, noch besser veganen Wochentag" einzuführen. Das hat Sierau abgelehnt. Und die WAZ jubiliert: "Sierau lässt Schnitzel auf dem Teller." Schließlich laufe der Schnitzel-Dienstag mit 300 Portionen mit Abstand am besten in der Woche, vegetarische Gerichte dagegen seien "am wenigsten gefragt", wie Martin Kotthoff, der Restaurantleiter des städtischen Betriebsrestaurants, zitiert wird. Zeit, dass er mal seine Gäste erzieht, würde ich sagen.

Nun mag man von PETA halten, was man will (ich persönlich recht wenig), doch der Vorschlag bleibt ein guter. Es spricht doch nichts gegen den Schnitzel-Dienstag, und wenn ich in der Stadt eine Hand voll guter Grillrestaurants habe, in denen ich erstklassiges, sauber erzeugtes Fleisch auf den Teller bekomme, dann bin ich erst recht zufrieden. Aber umso lieber mache ich einen fleischfreien Donnerstag oder Freitag mit, an dem sich die ganze Stadt offiziell beteiligt.

Als Herausgeber und Chefredakteur von DORTMUND GEHT AUS! bekämpfe ich jede altmodische, vorgestrige Tellerpampe oder kulinarische Gesinnung und unterstütze jede gesunde, saubere und zeitgemäße Küche, Hauptsache, sie verwendet gute, vorzugsweise regionale Produkte. Das geht fleischlos ganz ausgezeichnet! Nun lassen wir dem Kollegen Klaus Brandt mal seinen Schnitzeljubel und blättern um zum Kommentar von Peter Ring. Und da wird's richtig peinlich. Mit Hohn triefender Schreibe versucht dieser gastrosophische Experte, die Tierschützer und Veganer ("Alles, außer Tiernahrung") durch den Kakao zu ziehen. So einen Stuss habe ich lange nicht mehr gelesen. Klischees gefällig? Bitte sehr: Von vegetarischer Küche wird man ja nicht satt; dann gibt es wohl nur noch Müsliriegel; "Warum nicht nur noch das essen, was die Jahreszeit serviert?" (für den Kommentator offenbar eine absurde Vorstellung!); und man könnte ja freitags die Fischstäbchen aus Energiespargründen nur noch von einer Seite anbraten.

Das liest sich so öde und vorvorgestrig, als würde man die "Grünen"-Männer immer noch als Vollbartträger mit Fusselbärten beschreiben, die im Bundestag ihr Strickzeug auspacken. Wo haben Sie sich die letzten Jahre versteckt, Herr Ring? Unter der Spüle im Maggi-Kochstudio? Also nochmals und zum Mitschreiben: Wenn ein Stadtmarketing seiner Stadt mit einer wirklich coolen und sexy Aktion mal so richtig etwas Gutes tun und bundesweit positiv Eindruck machen will, dann wird es dieser Stadt einmal in der Woche eine vegetarische Charmeoffensive verschreiben. Damit wird es die smarten Jungwähler und die Intelligenzija der Generation Facebook per se auf seiner Seite haben, und für die etwas Langsameren unter uns werden die besten Küchenchefs der Stadt verführerische vegetarische Menüs offerieren. Kann ja wohl nicht so schwer sein. Nun gut, Dortmund ist raus. Ist eine von den anderen 52 Städten schlauer?

Fr, 15.01.2010 3

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Kommentare

Unwissenheit ...

...führt zu täglichem Fleischkonsum.
Da greifen wohl noch steinzeitliche Mechanismen, von denen sich nur die befreien können, die bereit sind, sich wirklich über das Thema Ernährung zu informieren - und nicht nur Bestätigung für ihren eigenen Lebensmittelkonsum suchen.
Niemandem ginge es schlechter, wenn es einen fleischfreien Tag gäbe!
Aber vielen ginge es besser!
Mahlzeit!

Guter Beitrag von Hillenbach,

Guter Beitrag von Hillenbach, peinlicher Nicht-Beitrag von Dortmund.....

ich glaube die vorstellung

ich glaube die vorstellung eines fleischfreien wochentages kratzt mehr am bürgerlich-konservativen wertekosmos, als man denkt ...

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13.12.2009

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