
Jagen oder sammeln, virtuell oder blutig
Impressionen von der Messe "Jagd und Hund": Jagdrevier Revier
Wer sich für den „Bayerischen Gebirgsschweißhund mit hubertuiden Gesichtsfalten“ interessiert, hat sicher nicht die Absicht, sich ein Schoßhündchen zuzulegen, sondern er will jagen. Ein Urinstinkt, der den Männern vorbehalten ist, findet heute vielfachen Ausdruck.
Ob das Revier ein geeignetes Revier zum Jagen von Niederwild oder Schalenwild ist, ist anzuzweifeln; dennoch findet hier in der Dortmunder Westfalenhalle die Messe „Jagd und Hund“ statt. Und dort trifft man nicht nur rotwangige Burschen im Ansitzsack. Hier sucht der Homo Sapiens das Werkzeug zur Jagd von allerlei Getier. Hier kann er Safaris in Swasiland buchen, um das Streifengnu zu erlegen, Zielfernrohre testen und Gewehre streicheln.
Jagen ist ein Menschenrecht
Ist es nicht toll, ist es nicht archaisch, sich mit der Natur zu vereinen, auf die Pirsch zu gehen, um einen kapitalen Bock zu erlegen? Und abends sitzt die Jägerrunde im Wirtshaus, um das Wildbret zu 
Frisches Fleisch vom frischen Reh oder Fonds aus der Tube
Frau Wiener, ehemals Fernsehköchin, zeigt nun Kindern und anderen Menschen, wie man Fleisch erlegt, zerlegt und frisch zubereitet. Wer sein Essen selbst schießt oder fängt, hat anderen Respekt der Ernährung gegenüber – das ist das Credo. Wer eigenständig dem Huhn den Garaus macht oder dem Kaninchen den Nacken bricht, wird sich – wenn überhaupt – anders über sein Gericht hermachen oder es in Zukunft lassen. „Alles, was Augen hat, kommt mir nicht auf den Tisch“, hat Paul McCartney zum Vegetarier gemacht. Aber solange wir unsere Fleischfonds aus Tuben drücken, unser Minutensteak aus der Tiefkühlauslage bei Netto holen, unseren Kindern die Buchstabenwurst nahebringen oder ein Rind nur nach Geschmack beurteilen, wird die „gepflegte Jagd“ den Minderheiten im Waidmannslook oder im Wilderer-Design vorbehalten bleiben. Allerdings hat man das gemeine Huhn noch nie jagen müssen, höchstens fangen.
Kein Terrain für Tierliebhaber

Eigene Sprache – Jägerlatein und Fachchinesisch
Der Heilige Hubertus hat der Legende nach vom wilden Jagen abgelassen, um sich nur noch der waidgerechten Jagd zu widmen. Christlichen Jägern gilt die Hubertuslegende demnach als Vorbild der Mäßigung und zum Ansporn, gemäß der waidmännischen Losung „…den Schöpfer im Geschöpfe ehren.“ Von ihm stammt allerdings nicht das Jägerlatein, das dem Seemannsgarn und dem Anglerlatein ähnlich ist, Sprachen denen eins gemeinsam ist: die Übertreibung. Und wie in jedem Fachgebiet, brachte auch die Jagd eigene Wortschätze hervor, die dem Laien als sehr fremd erscheinen. Es ist die Zunftsprache der Berufsjäger. Wer weiß schon, dass das „Blasen“ der Warnruf der Leitbache ist?
Virtueller Ersatz
Jagen und Sammeln, Grundvoraussetzungen für das Mannsein, auch heute noch, sind nicht zu ersetzen, auch wenn heute das Jagen auch den Frauen obliegt, sei es nach Schnäppchen oder Rekorden. Mangels Gelegenheit, mit einer echten Knarre zu hantieren, gibt es Spiele, die ohne Jagd kaum Verbreitung finden würden. Da hat das Internet die weite Flur und die Savanne ersetzt. Jagdspiele im wetterfreien Terrain am heimischen Rechner ersetzen hier das Halali auf freier Flur. Nur hier kann man auch Insekten jagen (insect hunter).
Trophäen- und Beerensammler

Vegetarier und Veganer – jagdfreie Biografien
Für den Vegetarier und die Veganerin sind die Jagdwelten völlig fremde und sicher auch verabscheuungswürdige Welten. Sie sind von vorneherein aufs Sammeln festgelegt, es sei denn, es gäbe Gemüsesorten, auf die es sich lohnte, Jagd zu machen. Die wilde Erdbeere aber ist in Wirklichkeit ein regungsloses Ziel für Sammler und Pflücker. Sind diese modernen Zeitgenossen also grundsätzlich friedlicher? Ich glaube, das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Pol Pot, Charles Manson und gar Hitler waren – so sagt man – allesamt Vegetarier wie Albert Einstein. Sicher gibt es auch vegetarisch lebende Jäger wie es vielleicht veganische Unheilsbringer gibt.
Honecker und Ceausescu
Früher war die Jagd in großem Stil den Staatsmännern vorbehalten. Da hat man zum Beispiel für die Herren Honecker und Ceausescu als Hilfssheriff mit geschossen und bereits vorher Erlegtes erlesen nebeneinander aufgereiht, um zu demonstrieren, welch tolle und zielsicheren Haie die Volksführer waren. Man kann sich nicht vorstellen, dass sich heutzutage Frau Merkel und Herr Sarkozy in Tarngrün in einen Ansitzsack setzen und das Halali ausstoßen. Im Falle Putins allerdings gehört die Jagdtrophäe nach wie vor zum guten Ton im Bild.
Die Meisterschaften im Hirschruf – ein gepflegtes Ereignis ohne Olympiaticket

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