Istanbul - Der Wandel einer Megastadt mit minimaler Stadtplanung

Istanbul besteht in vielerlei Hinsicht aus Extremen, sichtbar wird dies in der Art des Wachstums. Die Stadt mit mehr als 12 Millionen Einwohnern lebt fast ohne Stadtplanung. Dies zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte - sowohl der der osmanischen Kultur als auch der der Republik.
 

Osmanische Tradition


Bekannt und geschätzt sind traditionelle Stadtbereiche osmanischer Tradition. Der Kern der Stadtentwicklung hat einige signifikante Merkmale, die auch in Istanbul zur Anwendung kamen. So wurden Burgen lediglich für die Kommandanten des Heeres, deren Truppen und für deren Angehörige errichtet. Sie besetzten die Städte.

Die Märkte lagen nahe den Moscheen, das Straßennetz gliederte sich in offene Durchgangsstraßen und in Privatstraßen, die in die einzelnen Wohnviertel führten. Mehr Stadtplanung gab es nicht.

Das eigentliche Leben fand in den Stadtvierteln statt, die durch Mauern voneinander getrennt waren. Die Anwohner lebten in strengen, hierarchisch gegliederten Nachbarschaften, die klar reglementiert wurden. Freiheiten gab es nicht.

Erst im 19. Jahrhundert wurden die großen Städte teilweise geplant, Regierungsviertel mit offenen Plätzen zogen ein, Häfen wurden ausgebaut, es erfolgte eine Anbindung an wichtige Verkehrsstraßen. Markant jedoch war die Art und Weise, wie Neubürger nach Istanbul gelockt wurden. Kemal Atatürk wollte kommunistische Strömungen im Lande verhindern und schuf Eigentum für alle.
 

Gecekondus - Eigentum für alle


Das Land wurde frei zur Verfügung gestellt und wer es schaffte, ein Haus über Nacht zu errichten, dem gehörte es. So entstand eine Unzahl an bunten Lehmbauten. Auf Dauer wurde ein Gewohnheitsrecht daraus.

Mit den Gecekondus sollten eklatante Wohnungsprobleme gelöst werden, gleichzeitig konnten die Zuwanderer in Ruhe Fuß fassen. Irgendwann wurden die ersten Siedlungen in Steinhäuser umgebaut.

Die Stadtviertel bestehen aus unzähligen, dicht an dicht gebauten Häusern mit meist einem Stockwerk, die ein buntes Bild abgeben. Kanalisation und Müllabfuhr funktionieren nicht optimal, viele Straßen sind nicht asphaltiert.

Jedoch sind die Gecekondus keine Slums - im Gegenteil, durch sie wächst die Stadt weiter. Durch die Gecekondus hat sich Istanbul zur Megastadt entwickelt - planlos - und sie wächst weiter. (mb)



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Mo, 16.08.2010 0

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04.12.2009

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Istanbul
Brücke zwischen Europa und Asien, kosmopolitischer Grenzposten zwischen den Welten, integrativer Schmelztiegel der Kulturen: „Keine Stadt dieser Welt inspiriert stärker als Istanbul“, behaupteten die Verantwortlichen der Ruhr.2010 Kulturhauptstadtschwester selbstbewusst. Wer will da widersprechen?

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