
INTERVIEW: FILMEMACHER JOHANNES KLAIS
In den meisten Ruhrgebietsfilmen geht es entweder um Fußball, Kleinkriminalität oder Strukturwandel. In „Oh Fortuna“, dem großartigen Debütspielfilm des Dortmunder Filmstudenten Johannes Klais tummeln sich alle drei Sujets. Am 29. Mai feiert die in den Nebenrollen mit viel Revierprominenz besetzte Low-Budget-Produktion im Dortmunder Westfalenstadion Premiere.
Interview: Jan Wilms
Herr Klais, Sie verwenden Laien als Darsteller und die Industrieanlagen des Ruhrgebiets als Kulisse. Ist „Oh Fortuna“ mehr Dokumentation als Fiktion?
Nein, es ist ein echter Spielfilm mit Story und Drehbuch. Allerdings stamme ich aus Dortmund und kenne diese Orte und viele Darsteller schon seit einer gefühlten Ewigkeit. Die ursprüngliche Idee zum Film war in der Tat, diese Menschen und Orte festzuhalten und ihnen Raum zu geben. Um dieses Konzept herum entstand dann die Geschichte.
Worum geht es in der Handlung?
Zunächst ist da der Vorortverein SV Fortuna Dortmund, finanziell etwas klamm und sportlich vom Abstieg bedroht. Nun möchte ein raffgieriger Spekulant auf dem Vereinsgelände einen Parkplatz errichten. Der Verein hält dagegen – doch um den Widerstand zu brechen entführt der Investor die schöne Tochter des Platzwarts. Zum Glück gibt es im Fortuna-Team zwei Spieler die Zivilcourage besitzen: Die beiden Stars Juergen Sugar und Eddy Grabowski machen sich auf um den Verein zu retten. Dabei erleben sie allerhand, auch gefährliche Situationen.
Kohlehafen, Kanalufer, Industrieanlagen, Aschenplätze, Kleingärten – sie haben nebenbei auch eine filmische Inventur traditioneller Dortmunder Stadtbilder geleistet. Warum interessieren Sie die modernen Orte nicht?
Diese nostalgische Note ist beabsichtigt. Ich nehme immer mehr Orte wahr, die verschwinden: Zur WM 2006 wurden Parkplätze auf idyllische Kleingärten gebaut, die ehemalige Thierbrauerei in der Innenstadt ist verschwunden – auch unser fiktiver Sportplatz im Film ist bedroht. Man findet im ganzen Ruhrgebiet diese Brüche von Vergangenheit und
Zukunft. Für mich erzählen sie eine ganz eigene Geschichte der Region und tragen noch viele, auch persönliche Erinnerungen. Das wollte ich festhalten.
In diesen Kulissen ist eine gewisse Kultur und eine besondere Sprache gewachsen. Haben sie deshalb auf Profischauspieler verzichtet und lokale Laien verwendet?
Dieses spezielle Casting hatte verschiedene Gründe. Wir haben über drei Jahre gedreht, da wären Profis nicht finanzierbar gewesen. Und bei einer Mischung aus Profis und Laien ist der Unterschied im Spiel zu deutlich. Also haben wir aus der Not eine Tugend gemacht und die charakteristischsten Figuren aus Bekanntenkreis und Szene eingeladen und die Rollen auf sie zu geschnitten.
In den Nebenrollen finden sich auch einige bekannte Gesichter wie z.B. Frank Goosen....
...für uns sind das keine „großen Namen“, sondern in erster Linie Freunde und Kollegen. Als Fussballfan hatte Goosen viel Spaß an der Geschichte – außerdem wollte er als VfL Bochum-Anhänger die starke Dortmund-Lastigkeit des Films ausgleichen. Und die DJs wie Mike Litt, Ante Perry oder Larse hätten wir als Typen ohnehin besetzt.
Der WDR hat die Hauptdarsteller schon zur „Lokalzeit“ eingeladen, in Tageszeitungen und Stadtmagazinen sind viele große Artikel erschienen. Haben Sie mit der großen Medienresonanz gerechnet?
Ehrlich gesagt nein. Wir haben das auch nicht geplant, um so mehr freuen wir uns alle natürlich über die Aufmerksamkeit – vor allem auch weil von den 1500 verfügbaren Premierenkarten nur noch 400 übrig sind – und wir „Oh Fortuna“ so vor einer tollen Kulisse im BVB-Stadion zeigen können.
Wie geht der Film denn nun aus – gewinnt der böse Investor oder siegt das Gute?
Das werde ich nicht verraten. Nur so viel: Das Finale wird ziemlich hektisch, mit einem halbseidenen Kommissar, Verfolgungsjadgen und einer handfesten Schlägerei.
Premiere „Oh Fortuna“
Eintritt 6,60 Euro
29. 5. 2010, 20 Uhr
Signal Iduna Park, Kino im Stadion
Strobelallee 50
Dortmund-City
Premierenparty: Clubraum 74, 24 Uhr.
Foto Industrie: Jokolein
Foto Abriss: Konstantin Opel

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