Installation „schrankenlos“ von Dirk Schlichting im Bochumer Westpark

Wir schreiben das Jahr 17hundertnochwas. Im Süden Bochums wird Kohle abgebaut, am Niederrhein wird welche gebraucht. Die Ruhr war (noch) nicht schiffbar, der nächste Hafen lag in Gahlen bei Dorsten. Ein Transportweg musste her, was damals viel leichter gesagt als getan war. Schließlich entstand der Gahlensche Kohlenweg von Hattingen nach Dorsten, 29 Kilometer lang und unterbrochen von nicht weniger als 50 (!) Grenz- bzw. Mautstationen. Heute zeugen entlang der Strecke (B 226) noch einige alte Zollstationen, Gasthäuser, Brücken, Herrenhäuser und Verwaltungsgebäude von dieser Historie.

Hier setzt das 2010-Projekt „Der Gahlensche Kohlenweg“ des Verbundprojektes „Grenz Gebiet Ruhr“ (bestehend aus den Kunstvereinen Gelsenkirchen, Hattingen, Virtuell-Visuell Dorsten, der Bochumer galerie januar und Förderverein Zeche Unser Fritz 2/3 aus Herne) an . Die alte Kunststraße wird zur Straße der Kunst.

Eines der Projekte wurde am vergangenen Freitag im Bochumer Westpark eröffnet: „schrankenlos“ von Dirk Schlichting im ehemaligen Bahnwärterhaus. Das Gebäude stand lange unbeachtet am Rande des ehemaligen, mittlerweile komplett umstrukturierten Industriegeländes. So wie der Gahlensche Kohlenweg seine Bedeutung als Kohle-Transport-Trasse verloren hat, ist auch das Bahnwärterhaus entfunktionalisiert. Leer, fensterlos, als stummer Zeuge vergangener Industrieblüte hat der Bau nun skulpturalen Charakter. Diesen möchte der Herner Künstler mit seiner Installation noch verstärken. 50 Schlagbäume hat er in den ehemaligen Kontrollraum gepackt, wie riesige rot-weiß gestreifte Mikadostäbe ragen sie aus der fensterlosen Front heraus. Natürlich sind das nicht die original-alten Schlagbäume, sondern beklebte Kunststoffrohre, die übrigens von innen heraus leuchten – was die Sache insbesondere abends zu einem leuchtenden Beispiel gelungener Installationskunst macht.

Empfohlen sei an dieser Stelle ein Blick auf die Webseite von Dirk Schlichting, der in der Vergangenheit schon häufiger durch orts- und themenbezogene Arbeiten im Ruhrgebiet angenehm auffiel!

www.gahlenscher-kohlenweg.de
www.dirkschlichting.de

Foto oben: Matthias Jäger 
Fotos unten: Christian Holl

 

Mo, 31.05.2010 0

Kommentar hinzufügen

Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben

Über den Autor

09.02.2010

Stadt

Metropole Ruhr
Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

Branche

Aktuelle Tweets

[DEBATE] Frank Spilker @dieSterne: Das Geld fliesst auf die Künstler zu - nur leider an ihnen vorbei #kulturzeit
[DEBATE] Frank Spilker @dieSterne plädiert für einen Ideenwettbewerb und mehr Konstruktiviät bezüglich der Urheberrecht Debatte #kulturzeit
[DEBATE] Ad #ACTA oder brisant akut - Währet den Anfängen http://t.co/4G3hGt8C #urheberrecht #kulturzeit
[DEBATE] Geistiges Eigentum monetarisieren - Debatte um die sozial gerechte Wissensgesellschaft hält an http://t.co/u56ZkORd #kulturzeit