Do not keep quiet Muslim by Extrastruggle

Imaginäre Kunstwerke für imaginäre Auftraggeber

Interview mit Extrastruggle zu den Themen Kunst und Freiheit

Extrastruggle ist ein enormes Projekt. Es bearbeitet imaginäre Aufträge von imaginären Kunden. Im Präsentationstext heißt es: „So wie ein Grafikdesigner ein Logo für einen Kunden designt, entwirft das Projekt Logos für all jene Gruppierungen, die unter sozialem Druck stehen. Es stellt Bilder her, die zu ihren imaginären Aufträgen passen.

Das verschleierte Mädchen, das nicht studieren darf, der Mann, der verächtlich belächelt wird, weil er in der Öffentlichkeit Kurdisch spricht, der Islamist, der gegen die Europäisierung ist, die Armee, die verstört auf das antirevolutionäre Bestreben des Islamisten reagiert, und auch der linksliberale Intellektuelle – sie alle sind imaginäre Kunden von Extrastruggle."

Im Interview erfahren wir mehr über Extrastruggle ein Projekt, das versucht, sich eine neutrale und unpolitische Sichtweise zu bewahren.

 

Extrastruggle generiert imaginäre Anfragen. Sind diese erfunden oder sind das soziale Themen, die die Türkei beschäftigen?

Seit Jahren produziere ich schon Arbeiten auf imaginäre Anfragen hin. Ich bin nicht interessiert am “Ich” – mein Thema ist das “Wir”.  Meine Antworten auf diese imaginären Aufträge sind natürlich meine Angebote oder Dinge, die ich sehe, lese oder denke – so, wie sie sein sollten. So lange, wie Träume ihren Platz im wirklichen Leben finden, wird sich auch Mitgefühl vermehren – zumindest hoffe ich das.

 

Denkst du, dass die politischen Hindernisse in Bezug auf Kultur und Kunst in der Türkei die Arbeit eines Künstlers, seine künstlerische Freiheit, negativ beeinflussen? 

Sie lassen sich zumindest nicht zum Schweigen bringen. Jeder macht, was er will. Aber wahrscheinlich kann eine Avantgarde-Disziplin wie Kunst nicht gut in einer konservativen Umgebung gedeihen. Letztendlich existieren alle Menschen in einem gesellschaftlichem Geflecht. Vielleicht sind Kunst und Politik deshalb so miteinander verflochten.

 

Es gibt auch Arbeiten von dir, die Werte, die im kollektiven Gedächtnis der Türkei verankert sind, sehr stark kritisieren. Welche Reaktionen gibt es darauf?

Ich würde gern mehr Kritiken, ob positive oder negative, aus dem intellektuellen Umfeld erhalten. Vor Jahren, als ich noch Student war, habe ich mal ein Mädchen auf einer Party mit den Worten „Lass uns tanzen!“ angesprochen. Ihre Antwort: „Das ist unwichtig.“ Mit Ausnahme einiger Autoren sind Kunstkritiker und -magazine in der Türkei genau so – sie denken, alles sei unwichtig.

 

Ist deine Arbeit jemals zensiert worden?

Ja, das ist schon einige Male passiert. Ich hänge das aber nicht an die große Glocke. Es ist unwichtig.

 

Denkst du, dass Arbeiten, die auf den politischen Absichten eines Künstlers basieren, von Dauer sein können?

Wer könnte einen Künstler davon abhalten, ein Bild, das lange existieren wird, zu malen – oder wer könnte ihn vom Gegenteil abhalten, wenn er eben lieber kurzfristige, momentane Antworten oder Ansätze erschaffen will? Er trägt so oder so die Konsequenzen. Ich mag die Verbindung von Kunst und Politik nicht besonders. Aber wenn man von einem Innenminister regiert wird, der einem Dorfbewohner befiehlt zu tanzen, weil eben jener Dorfbewohner den Minister gern treffen will – dann muss der Mann aus dem Dorf die Suppe auch auslöffeln: er hat sie selber auf den Herd gestellt.  

Was benötigt ein Künstler, um seine Freiheit zu gewährleisten?

Einen Job – damit er seinen Lebensunterhalt verdienen kann!

 

CREDITS

Extrastruggle

Galeri Non

Mo, 21.05.2012 0

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Über den Autor

11.04.2011

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Brücke zwischen Europa und Asien, kosmopolitischer Grenzposten zwischen den Welten, integrativer Schmelztiegel der Kulturen: „Keine Stadt dieser Welt inspiriert stärker als Istanbul“, behaupteten die Verantwortlichen der Ruhr.2010 Kulturhauptstadtschwester selbstbewusst. Wer will da widersprechen?

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