Im Aufbruch

Von Marieke Steinhoff. Der israelische Film erlebt seit einigen Jahren einen kleinen Boom, der sich insbesondere in der verstärkten Präsenz israelischer Filme auf internationalen Filmfestivals sowie zunehmenden internationalen Koproduktionen zeigt. Charakterisiert wird diese „Neue Welle“ zum einen durch das Erzählen von kleinen persönlichen Alltagsgeschichten, mit Hilfe derer die Filmemacher soziale und ethnische Fragen im noch jungen Vielvölkerstaat reflektieren, zum Beispiel AJAMI von Scandar Copti und Yaron Shani, DIE BAND VON NEBENAN von Eran Kolirin oder auch JELLYFISH von Etgar Keret und Shira Geffen. Zum anderen finden sich Filme, die als persönliche Verarbeitung traumatischer Kriegserlebnisse bezeichnet werden können, wie LEBANON von Samuel Moaz und WALTZ WITH BASHIR von Ari Folman.

Fernab zionistischer Doktrin

Werden aktuelle israelische Filme aufgrund ihrer vielschichtigen Erzählhaltung und der verstärkten Einbezugnahme der Positionen und Probleme der palästinensisch-arabischen Minderheit gelobt, war indes die – sehr schwach ausgeprägte – nationale Filmindustrie nach der Staatsgründung 1948 jahrelang geprägt durch propagandistisch anmutende Filme, die sich thematisch um heroische Kämpfe der Bevölkerung für den jungen Staat drehten. Erst in den 1960er und 70er Jahren kam es zu einer langsamen Loslösung der Filmemacher von der staatlichen Ideologie und infolge dessen zu einer Erneuerung der israelischen Filmlandschaft, zum Beispiel durch Regisseure wie Ephraim Kishon (SALLAH SHABATI), welche ein Unterhaltungskino fernab der zionistischen Doktrin erschafften. In den 1970er Jahren formierte sich außerdem eine Gruppe von Filmemachern, die sich explizit mit den politischen und kulturellen Problemen der Zeit auseinandersetzten, wie zum Beispiel Judd Ne'eman, David Perlov, Avram Heffner und Eran Riklis. Film wurde hier zum Seismographen gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen, eine Eigenschaft, die das israelische Kino auch heute noch auszeichnet.

Filmschulen und Festivals

Der Filmnachwuchs hat in Israel die Möglichkeit, sich an einer der Filmschulen des Landes ausbilden zu lassen, unter welchen die Sam Spiegel Film and Television School in Jerusalem, das Department of Film and Television an der Universität in Tel Aviv, die Minshar for Art in Tel Aviv sowie das Beit Berl College School of Art zu den bekanntesten gehören. Neben den Filmschulen sind auch die heimischen Filmfestivals eine beliebte Anlaufstelle für werdende wie auch für bereits etablierte Filmemacher. Israel beherbergt proportional zu der Größe des Landes gesehen verhältnismäßig viele Filmfestivals. Als wichtigstes Filmfestival gilt das Jerusalem International Film Festival (seit 1984), wo bis zu 150 Filme gezeigt werden. Außerdem bekannt sind das Haifa International Film Festival (seit 1983), das Eilat International Filmfestival (seit 2003) sowie das DocAviv für den Dokumentarfilm (seit 1999).

Der Israel Film Fund

Die Förderung des israelischen Films liegt zu einem Großteil in den Händen des Israel Film Fund, einer durch öffentliche Gelder unterstützte Non-Profit Organisation, die 1979 gegründet wurde und gegenwärtig vom früheren Filmemacher und Produzenten Katriel Schory geleitet wird. Ihm stehen jährlich sechs Millionen US-Dollar für die Förderung israelischer Langspielfilme zur Verfügung. Der Israel Film Fund unterstützt und begleitet Filmproduktionen von der Idee bis zur Distribution des fertigen Films. Von den jährlich etwa 140 eingereichten Drehbüchern erhalten zwischen 12 und 15 eine Produktionsförderung von bis zu zwei Dritteln des Budgets. Im gleichen Zeitraum unterstützt der Film Fund die Entwicklung von ungefähr 30 Drehbüchern.

Darüber hinaus existiert seit 1993 die New Foundation for Cinema and Television (NFCT), welche Dokumentar-, Experimental-, Spiel- und Kurzfilmproduktionen unterstützt. Bislang konnten 250 Filme mit Hilfe der NFCT realisiert werden, ein Großteil davon waren Dokumentarfilme.

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Sa, 13.11.2010 0

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29.01.2010

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