
Hinter dem Dortmunder U ist es wüst und dunkel
Dabei schreien manche der Ruinen nach Bespielung
Das Dortmunder "U" ist weithin sichtbar. Es flimmert am Dach und weist den Weg. Steht man indes oben drin und schaut in Richtung Bahngleise, sieht die Welt so aus wie sie ist – verschieden. Unten stehen die Überreste des Hochlagers der ehemaligen Brauerei. Sie sehen aus wie auf gerissene Parzellen, Einzimmerwohnungen, die eine Wand verloren haben. Bahngebiet.

Vergessenes Land
Man hat einen feinen Blick aus dem „U“, sieht die Gleise, die zum Bahnhof führen, glaubt an die Einfahrt in ein großstädtisches Gebäude mit Reisenden aus aller Welt, die dann – nachdem sie ihr Gepäck in den Hotelzimmern abgestellt haben – sofort in den ehemaligen Tempel des Bieres eilen, um…ja, um was eigentlich? Ausstellungen zu sehen? Die Aussicht wäre ein Ziel, wenn sie offen möglich wäre. „Und da unten“, was ist das? Wird da noch gebaut?“ Keine Baumaschinen weit und breit und das ist gut so. Es ist ein Ort, den man zu einem Augenfänger machen könnte. Es ist ein eingequetschter Rest des Ursprünglichen, abgetrennt vom Hauptgebäude.

Off-side in
Es wäre ein Ort der schmutzigen Shows, der abgewrackten Bilde rund Eindrücke, ein Ort für das wirkliche Off.
Die offenen Räume schreien. Aufgerissene Wände kennt man von Abrisshäusern, von Bildern nach Erdbeben oder Explosionen. Man sieht noch die Wasserleitung, Tapetenstreifen, die herunterhängen, manchmal ein Restmöbelstück. Hier jedoch sind menschliche Reste nicht zu sehen, hier lächeln offene Räume ein trauriges Lächeln, falls man zu solchen Bildern neigt. Die Besetzung wäre klar: Frauen, die wilde Tänzer im Restraum des Lebens tanzen.
Siebenzimmerruine
In einem hockt sie im Sand, der das Zimmer füllt. Woher er stammt, ist unbekannt. An der Wand eine Fototapete, die Hawaii darstellen soll – Palme, Strand, blauer Himmel. Sie torkelt durch den Sang, schmeißt sich hinein, wälzt sich in diesem surrealen Wohn- und Lebenszimmer. Nebenan – ein großer Kühlschrank, ein Tisch, ein Stuhl. Sie springt vom Stuhl auf den Tisch, öffnet den Kühlschrank, hievt ihn schräg zu Boden – eine Küchenzerstörungsorgie.
Zimmer drei ist unbewohnt. Es flattern alte Illustrierten hinaus in die Menge. Dann das ungleiche Paar – eine blond, eine schwarz. Inmitten ihrer Stoff- und Knuddeltiere versinken sie in dem, was mal war und bewegen sich wie Mangas am Rande des Abgrunds. Dann der Raum der Hausfrauen, die sich – zahlreich – in einem Raum versammeln, bis nichts mehr hineinpasst – eine Ansammlung von Energie. Eine stürzt hinab in die Tiefe. Dominoeffekt. Musik….
So oder so ähnlich könnte die Performance aussehen, die unten und hinten am Dortmunder "U" die Relationen zurechtrückt, rücken könnte. Aber es gibt sie nicht. Staunen wir also weiter, welch eine Ruine da nach künstlerischer Nutzung schreit, die Bewegung in inzwischen nutzlose Fläche bringt.

Fotos hinterm U, vor dem U, neben dem U
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