Herne mittendrin

Wären wir in Bayern, dann wäre Herne eine Großstadt. Sind wir aber nicht und so zählt Herne mit seinen ca. 165.000 Einwohnern eher zu den kleinen Großstädten in der Metropole Ruhr. Und schwer hat es die Kommune in der Außendarstellung, denn denkt man an Herne, entstehen zunächst nur markante Bilder im Kopf, wie die Cranger Kirmes, Nordrhein-Westfalens größtes Volksfest, oder der Rhein-Herne-Kanal oder schlimmer: ein Fragezeichen auf der Stirn.

Dabei ist Herne die Mitte der Metropole Ruhr, genauer gesagt unscheinbar ein Acker in Herne-Wanne (dort liegt die Mitte des Ruhrgebiets, und zwar auf 51.508333° Nord 7.175000° Ost. Denn nach Wikipadia erstreckt sich das Ruhrgebiet zwischen 51°12' und 51°49' Nord und 6°22' und 7°59' Ost. Und dann ist dieser Punkt die Mitte, wenn man das umschließende Rechteck aus Längen- und Breitengraden zugrunde legt).

Die Frage nach der Motivation

Ebenfalls zu den weniger bekannten Fakten gehört, dass Kultur in Herne groß geschrieben wird. Hier prescht das Kulturamt mit außergewöhnlicher Tatkraft vor, so auch in Hinblick auf das Engagement zur Kulturhauptstadt Europas 2010. „Schon am 15. Juni 2005 gab es den ersten offiziellen Workshop zur Kulturhauptstadt auf Einladung des Kulturamtes,“ so Regina-Dolores Stieler-Hinz, Kulturhauptstadtbeauftragte der Stadt Herne. „Im Rahmen dieser Workshops wurde eine Projektmappe erstellt u. a. mit Bestandteilen wie der Kulturschiffe, Pottporus und Alles fließt, was heute der KulturKanal ist. Diese Mappe wurde im April 2006 noch in der Bewerbungsphase zur Kulturhauptstadt Jürgen Fischer (A. d. Red. damals Projektleiter des Bewerbungsverfahrens, heute Programmkoordinator der RUHR.2010) übergeben. Also alles weit vor der Ernennung Essens für das Ruhrgebiet zur Kulturhauptstadt.“

Stellt sich natürlich die Frage der Motivation. Warum engagiert sich eine Kommune so sehr? „Man wollte von Anfang aktiv mit dabei sein, denn der Prozess der Bewerbung wurde von der lokalen Verwaltung und Politik sehr positiv aufgefasst. Auch und vor allen der Aspekt der gemeinsamen Initiative im Ruhrgebiet.“ Aber kein Engagement ohne Hintergedanken, oder besser gesagt, ohne Vision. Schon früh ahnten die Beteiligten welche Möglichkeiten sich eröffnen könnten und hier eine echte Chance auf eine nachhaltige Entwicklung besteht. „Ganz klar stand für Herne von Beginn an der Vernetzungsgedanke im Fokus. Wir haben hier viele Potentiale, wie z. B. eine aktive Jugendkultur oder aber die Künstlerzeche Unser Fritz. Aber bei der Größe der Kommune und der Haushaltslage kann man sich eben nicht alles leisten.“, sagt Stieler-Hinz. So schaut man mit Stolz auf den Erfolg des jungen Theater Kohlenpotts, denn durch das Mitwirken beim RUHR.2010-Projekt Pottfiction, in dessen Rahmen man mit sechs weiteren Kinder- und Jugendtheater kooperiert, ist schon jetzt mit dem Consoltheater eine längerfristige Zusammenarbeit entstanden. So werden demnächst Theater Kohlenpott und Theater Consol eine gemeinsame Kindertheatherproduktion auf den Weg bringen. Jeder für sich alleine hätten den finanziellen Aufwand nicht stemmen können.

Der KulturKanal als Präzedenzfall

Aber auch der Aspekt Stadtmarketing hinsichtlich weicher Standortfaktoren war ein Motivationsgrund, denn das Image einer Stadt nährt sich stark aus dem eigenen kulturellen Angebot. So kann man als weiteres erfolgreiches Beispiel das RUHR.2010-Projekt KulturKanal (A. d. Red. Kunst und Kultur am Rhein-Herne Kanal von März bis Oktober) anführen. Herne war hier Initiator und konnte alle weiteren neun Anrainerkommunen (Duisburg, Oberhausen, Essen, Bottrop, Gelsenkirchen, Recklinghausen, Castrop-Rauxel, Waltrop, Datteln) dazu bewegen, sich gemeinsam am KulturKanal zu beteiligen und schuf damit gleichzeitig einen Präzedenzfall. Denn zum ersten Mal überhaupt ziehen 10 Städte bei einem Projekt am gleichen Strang. Man ist bestrebt den KulturKanal als touristische Achse auch über 2010 hinaus fortzuführen, ganz im Sinne der Nachhaltigkeit – wir drücken die Daumen!

Weitere Infos unter

Mi, 13.01.2010 0

Kommentar hinzufügen

Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben

Über den Autor

15.12.2009

Letzte Kommentare des Autors

vor 3 Jahre 13 Wochen
Memphis to Austin, SXSW
vor 3 Jahre 13 Wochen
vor 3 Jahre 16 Wochen

Stadt

Metropole Ruhr
Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

Branche

Web
Web

Aktuelle Tweets

LABKULTUR
[POP] und Migration in schräg unterhaltsamer Synthese #Fräulein_Nina und #Murat_Kayi http://t.co/gdjltlK6Yb #LABKULTUR
LABKULTUR
[FILM] Is British film industry weakened? Interview Agnès #Blandeau, festival cyle UNIVERCINE BRITANNIQUE http://t.co/sjYjXdl5dY #LABKULTUR
LABKULTUR
[ART] He used to be #art publisher, now creating some of the worlds best #liquors. #Stählemühle http://t.co/fvZfHHd2qO #LABKULTUR
LABKULTUR
[TCK] Erste @tweetCamp_DE in #Köln 15. und 16. Juni 2013 - mehr info unter http://t.co/AF55Jm38dT #tck13 #twitterisholy! /RT @schwarzesgold