
Gute Zeiten, schlechte Zeiten – für die Kultur im Ruhrgebiet
RuhrKunstMuseen erhalten 800.000 Euro Förderung, Museum Bochum droht derweil das Aus
Jahr zwei nach der Kulturhauptstadt – im Westen was Neues? Es lässt sich vortrefflich darüber streiten, was das große Kulturevent 2010 der Region gebracht hat. Auf der einen Seite stehen viele neue Gründungen und Aufbruchstimmung unter den Kreativen und Kulturschaffenden, die sich teilweise gut in die Zeit nach der Kulturhauptstadt hinüberretten konnte. Auf der anderen Seite: klamme Kassen, Budgetkürzungen, Wegsparen von Kultur.
In diese gemischte Stimmung wirken dieser Tage zwei Meldungen hinein: der museale Zusammenschluss RuhrKunstMuseen erhält 800.000 Euro Förderung und dem Bochumer Kunstmuseum droht derweil das Aus.
Das Land NRW und die Europäische Union unterstützen die touristische Vermarktung der RuhrKunstMuseen unter der Regie der Ruhr Tourismus GmbH (RTG) in Oberhausen bis Herbst 2014 mit 800.000 Euro. Ziel der Förderung ist es, die RuhrKunstMuseen als Marke dauerhaft kulturtouristisch zu positionieren und auch über die Grenzen der Region hinaus als Adresse für Kultur zu etablieren.

„Wir werden ein gemeinsames Marketingkonzept entwickeln“, sagt Stefanie Reichart von der RTG. Ein erster konkreter Schritt wurde aber auch schon verraten: die „Metropole Ruhr“ wird auf der ITB Berlin, der weltweit bedeutendsten Tourismusmesse, vertreten sein und auch die RuhrKunstMuseen werden sich dort mit einem eigenen Counter präsentieren. Weitere Maßnahmen finden sich im "Marketingplan Metropole Ruhr".
Das Thema Kultur spielt in der Tourismusbranche eine wichtige Rolle und gilt in der Ruhr-Region mit ihrer einzigartigen Dichte an allein 20 RuhrKunstMuseen und weiteren Kultureinrichtungen als Hauptattraktion. „Kultur ist ein wichtiger Entscheidungsgrund für Reisen in die Region“, bestätigt Stefanie Reichart, „laut einer Erhebung der NRW Touristik gibt es sechs Top-Kriterien für eine Reiseentscheidung nach NRW und in die Metropole Ruhr – auf Platz eins sind die Kunst- und Kulturangebote.“
Sparvorschläge für Stadt Bochum
Gleichzeitig finden aber immer wieder harte Schnitte an der Ruhrgebietskultur statt – sowohl durch Sparentscheidungen als auch durch das Ausbleiben von öffentlicher Unterstützung für die Kultureinrichtungen. Nachdem in Duisburg der kulturelle Kahlschlag unmittelbar nach der Kulturhauptstadt neue Dimensionen erreichte, ist jetzt auch die bisher trotz Haushaltsdefiziten kulturell solide aufgestellte Stadt Bochum ins Rampenlicht geraten.
Hier wird derzeit über eine mögliche Schließung des städtischen Kunstmuseums aus Sparzwecken debattiert. Auslöser war eine Liste von Sparvorschlägen, die in einer Beratungskooperation zwischen der Stadt und der Bezirksregierung in Arnsberg erarbeitet wurden und in einem Bürgerforum zur öffentlichen Abstimmung und Diskussion gestellt wurden. Neben der Schließung des Museums standen auch Kürzungen der Zuschüsse an die freien Kulturträger auf der Liste.
Welche Impulse senden?
Mit 824 Abstimmungen und 374 Kommentaren war die Schließung des Museums Bochum eines der Top-Themen des Bürgerforums. Die Ergebnisse sind eindeutig: mit 286 Ja-Stimmen und 538 Gegenstimmen zeigten die Bochumer Bürger, dass sie nicht ohne weiteres auf ihr Museum verzichten möchten.
Wieviel Einfluss das Bürgerforum auf die tatsächlichen Entscheidungen haben wir, bleibt abzuwarten. Eines ist aber gewiss: die Region wird sich entscheiden müssen, welche Impulse sie nach außen und innen sendet. Man kann schließlich nicht auf der einen Seite mit Tourismus und Kultur werben und auf der anderen Seite eben jene Kultur weg sparen.
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