Grenzüberschreitungen

Von Tamar Baumgarten-Noort. Ein Komponist und ein Filmemacher mit einer großen Leidenschaft für Musik treffen sich auf Zypern und stellen fest, dass eine Idee sie eint: die Faszination für Musik, die keine Grenzen kennt. Keine politischen Grenzen, die durch Stacheldraht und Kontrollposten in Erscheinung treten, keine geografischen Grenzen, die Nationen voneinander abgrenzt, und keine künstlerischen Grenzen, die Kompositionen nur in definierten Räumen zulässt. Merlijn Twaalfhoven, der Komponist, und Adam Sèbire, der Filmemacher, sind selbst das beste Beispiel für ihre eigene Vision. Der Niederländer und der Australier sind gemeinsam in der ganzen Welt unterwegs, um Projekte umzusetzen, die ebensolche Grenzen überwinden; die eine Verbindung schaffen zwischen Fronten, die sich politisch, geografisch, aber durchaus auch künstlerisch ergeben.

Die Aufführung der von Twaalfhoven komponierten Musik ist bei der Grenzüberschreitung das zentrale Element – denn der Komponist sucht sich Orte aus, die für sich schon das Thema „Grenze“ symbolisieren. Seine live aufgeführte Performance verankert die Musik im Hier und Jetzt – aber gleichzeitig löst sie sich von vermeintlichen politischen Fesseln und erklingt für jeden: für den israelischen Soldaten auf seinem Kontrollposten ebenso wie für die palästinensische Hausfrau, die auf der Straße stehen bleibt, um sich das Spektakel anzuhören.

Das Projekt, das in CARRIED BY THE WIND dokumentiert wird, ist eine Aufführung an der von Israelis errichteten Mauer von Bethlehem. Auf beiden Seiten der Mauer stehen Musiker, die mit teilweise selbst gebastelten Instrumenten einen musikalischen Dialog führen. Ein Dialog, der in anderen Kommunikationsformen durch die Mauer unmöglich gemacht wurde. Twaalfhoven hat in die Komposition die Geräusche der Umwelt mit aufgenommen – so verschmelzen die beiden Seiten miteinander.

Die Performances werden filmisch festgehalten von Adam Sèbires Kamera. Er überführt die Musik so in ein anderes künstlerisches Medium und überschreitet, wenn man so will, bereits damit die künstlerische Grenze einer musikalischen Komposition. Der Film wird so zu einem Gesamtwerk, das über die Summe seiner Teile hinausgeht. Er ist nicht bloß Bericht und Dokumentation einer musikalischen Performance in den palästinensischen Gebieten, sondern wird Teil der Botschaft dieser Komposition. Der Film hält den Moment der Aufführung fest und macht das Hier und Jetzt des Konzerts zu einem wiederholbaren Erlebnis – überall auf der Welt. Wenn das mal keine Grenzüberschreitung ist.

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Di, 27.07.2010 0

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29.01.2010

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