Greenality: Fair-Trade-Pionier - Inhaber Markus Beck im Interview

Dass eine Messe wie die FAIR.2010 in Dortmund den Standort Ruhrgebiet anpreist, ist selbstredend. Dass in der Region aber ein wirkliches Interesse an fair gehandelten Produkten besteht, mag vielmehr folgender Kommentar von Markus Beck, Inhaber des Stuttgarter Bekleidungslabels Greenality, auf seiner Firmenseite unterstreichen:

"Liebe Leute aus dem Pott und drumherum,
ihr seid einfach DIE BESTEN!! Ich ware dieses Jahr 2x in Dortmund und beide Male trat ich die Heimreise mit einem super “Der-Pott-Und-Greenality-Ist-Ein-Gutes-Team-Gefühl” an."

Bei Becks erster Stippvisite im Rahmen des Veggie Street Day vereinbarte ich mit ihm für den Messe-Termin ein 2010LAB-Interview, in dem er dann über Finanzierungsmöglichkeiten, Kooperationen mit karitativen Gruppen und die Zurückverfolgung der Produktionsschritte Auskunft gab.


Stelle dich bitte zunächst kurz vor.

Beck: Ich bin der Markus, 28 Jahre alt und der Inhaber von Greenality. Ich habe das Label 2008 gestartet, weil ich mich selber schon lange für das Thema Bio & Fair Trade interessiere. Auf der Suche nach Bio-T-Shirts habe ich damals leider nichts gefunden, was ich richtig gut fand, weil die meisten Sachen doch sehr öko ausssahen. Darauf begann ich, eigene T-Shirts zu entwerfen.

Hast du Greenality direkt als Beruf, oder eher als Nebentätigkeit begonnen?

Beck: Ich habe es mit fünf T-Shirts unter meinem Bett als Hobby angefangen. Heute ist es ein 2 ½-Mann/Frau-Unternehmen.

Wie lief es zu Beginn mit der Finanzierung?

Beck: Am Anfang hab ich es allein finanziert und mein gesamtes Erspartes da reingesteckt. Für die neue Kollektion musste dann auch die Bank mit einem Förderkredit herhalten. Wenn du international produzierst, musst du es mit riesigen Abnahmemengen machen.

Du kommst aus Stuttgart. Gibt es in Deutschland Zentren, in denen man mit einem Fair Trade-Label besser positioniert ist?

Beck: Klar, wenn du in einer Medienhauptstadt wie Köln oder Hamburg bist, ist es immer gut, aber im Endeffekt ist es doch eigentlich egal.

Wie siehst du das Wachstumspotenzial von fair gehandelten Produkten?

Beck: Im Textilbereich geht in Holland, Frankreich und Großbritannien viel, viel mehr, als bei uns. Es ist auf jeden Fall noch dick Luft nach oben.

Kooperiert ihr mit anderen Unternehmen?

Beck:
Wir kooperieren vor allem mit anderen Organisationen, wie z.B. Terre des Hommes, an die wie pro verkauftem T-Shirt ein Euro spenden, um sie in ihrem Kampf gegen Kinderarbeit zu unterstützen. Wir Viva con aqua machen wir auch was oder für 2aid.org. In der Branche kennen wir uns alle und unterstützen uns, aber Kooperationen gibt es nicht.

Sprichst du mit Greenality eine bestimmte Käuferschicht an?


Beck:
Wahrscheinlich schon. Aber ich habe keine bestimmte Zielgruppe. Jeder, dem die Sache gefällt, soll sie auch kaufen. Ob er jetzt 40, 15 oder 20 ist, ist mir relativ egal. Klar, wir fahren schon eher die Streetwear-Schiene in Richtung der üblichen Verdächtigen wie Carhartt. Zunächst mal sollen die Leute unsere Kleidung kaufen, weil sie gut aussieht. Wenn sie dann noch einen Blick auf unser Hängeetikett oder Care-Label werfen und darüber auf den Fair Trade- und Bio-Gedanken kommen, dann bin ich zufrieden.

Erkläre die Möglich
keit, auf welche Weise sich jedes einzelne Kleidungsstück von euch bis zu seinem „Ursprung“ zurückverfolgen lässt.

Beck: Wir sind Mitglied von „Made by Track & Trace“. Das heißt, am Pflegetikett von unserem T-Shirt ist ein Code angebracht, der sich bei uns auf der Webseite eingeben lässt, woraufhin wir die Lieferkette offen legen. Sprich, wo kommt die Biobaumwolle her, wo wurde es entkernt, gesponnen, gestrickt, verarbeitet, verpackt und nach Deutschland verschifft. Das ist zu hundert Prozent transparent und verdammt wichtig für den Verbraucher, weil er nicht nur irgendein Produkt kauft, sondern wissen will, wo es herkommt. Wir sind in Deutschland das erste Label, das diese Möglichkeit anbietet.

Was sind die Pläne des Labels für 2011?


Beck:
Kurz- und mittelfristiges Ziel ist es, neben unserem Online-Geschäft einen Vertrieb aufbauen und Greenality deutschlandweit in die Läden bringen. Das wird noch ein bis drei Jahren dauern, da du dafür viele Gelder brauchst und regelmäßig zwei Kollektionen pro Jahr. Wir wollen alles Schritt für Schritt machen, da wir nicht nur nachhaltige T-Shirts anbieten, sondern auch nachhaltig wirtschaften wollen. Uns soll es auch in zehn oder 20 Jahren noch geben. Deshalb gehen wir kein unnötiges Risiko ein.

Fotos: Michael Blatt (Markus Beck); Greenality (Models)

Ähnliche Beiträge:

Di, 14.12.2010 0

Kommentar hinzufügen

Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben

Über den Autor

05.01.2010

Letzte Kommentare des Autors

vor 1 Jahr 20 Wochen
vor 1 Jahr 20 Wochen
vor 2 Jahre 3 Wochen

Branche

Aktuelle Tweets

LABKULTUR
[FAR] wie der Schlüssel Kultur am besten erschließt Interview mit Autorin Franziska Sörgel http://t.co/Lxt0Rjkm6v #FAR13 #LABKULTUR
LABKULTUR
[FAR] CULTURE IS THE KEY. A culture consultant & an architect: temporary events mirror excess and euphoria http://t.co/gQGJw2WWB1 #LABKULTUR
LABKULTUR
[STREET] ART 'Sell Out ist ein übler Begriff und ein Angriff auf Künstler' #Qumi by @CCaravante http://t.co/zWe3e1OKyZ #LABKULTUR
LABKULTUR
[CULTURE] PLAN? @KuPoGe's Sievers prepares 7th cultural-political Federal Congress 13+14.06.2013 http://t.co/d28NAkEyDF #LABKULTUR