Green Screen

Von Daniel Bickermann. Die irische Filmwirtschaft hat einen jahrzehntelangen Cliffhanger hinter sich, wie ihn sich kein Drehbuchautor spannender ausdenken könnte. Eine berüchtigte Steuerrechts-Regelung, die nur als „Section 481“ berühmt und berüchtigt wurde, erleichterte zwar Investitionen in Filmprojekte auf irischem Boden (auch von ausländischen Produktionen), wurde aber in den letzten Dekaden immer wieder nur für wenige Jahre verlängert – die Unsicherheit lähmte stets im jeweils letzten Jahr bis zur erneuten Verlängerung die unsicheren Investoren und sorgte für vielerlei Zukunftsängste. Erst seit Mitte dieses Jahrzehnts scheint die ewig aufgeschobene Regelung endgültig zur allgemeinen Zufriedenheit festgezurrt.

Es wurde auch Zeit, schließlich verfügt die irische Filmindustrie spätestens seit dem Wirtschaftswunder in den 1990er Jahren, als das kurz zuvor noch bettelarme Land ein Hochofen der Hightech- und Software-Industrie wurde, über blendende Bedingungen: Einheimische oder häufig in Irland arbeitende Meisterregisseure wie Neil Jordan oder Jim Sheridan sorgen immer wieder für Festivalpreise und Oscar-Aufmerksamkeit, und irische Schauspieler wie Brendan Gleeson, Colm Meaney, Cilian Murphy, Stephen Rea, Colin Farrell und allen voran der geniale Daniel Day-Lewis sind längst international umworbene Stars – die trotzdem immer wieder den einheimischen Produktionen treu bleiben. In guten Jahren stehen dann dank Ken Loachs Freiheitskämpfer-Epos The Wind That Shakes the Barley schon mal eine Goldene Palme 2006, dank John Carneys Micro-Musicals Once ein Oscar 2008 oder dank Paul Greengrass’ Bloody Sunday ein Goldener Berlinale-Bär 2002 auf der Haben-Seite der irischen Bücher.

Braveheart und Blasphemie

Auch internationale Produktionen finden immer wieder ihren Weg auf Irlands grüne Wiesen: Mel Gibson drehte hier (zum großen Entsetzen der Schotten) große Teile von Braveheart, und die aufwendige amerikanische Pay-TV-Serie The Tudors bringt nicht nur große Geldsummen auf die Insel, sondern vor allem auch reichlich Arbeit für irische Techniker und Filmemacher. Als großer Fortschritt muss auch der langsame Niedergang des Irish Film Censor’s Office gelten, das mit seinen überchristlichen Entscheidungen das Land nicht selten dem internationalen Spott ausgesetzt hatte. So wurde beispielsweise 1979 Das Leben des Brian aufgrund von Blasphemie auf der Insel verboten und 1988 Die letzte Versuchung Christi erst nach monatelanger Prüfung mit einer Altersfreigabe ab 18 und einer vorgeschalteten Sittenwarnung freigegeben, weswegen der Film, den die größte Kinokette des Landes daraufhin verweigerte, kaum ein Publikum fand. Gibsons Passion Christi ging 2004 dann schon ohne Aufhebens durch, und 2008 endlich wurde die Zensurbehörde offiziell aufgelöst und vom Irish Film Classification Office ersetzt.

Inselfestivals

Festivaltechnisch kann Irland auf eine blühende Landschaft verweisen mit einigen großen (in Dublin, Cork oder Galway) und vielen kleinen Auswüchsen (in Orten wie Clone, Dingle, Gortahorn oder im Freilandmuseum Ulster History Park), die Kinder-, Kurz- oder Dokumentarfilme als Schwerpunkt haben. Zusammen mit nordirischen Festivals in Belfast und einer Rekordzahl von Festivals des irischen Films in den USA (u.a. in New York, Boston und San Francisco), erfreut sich der irische Film eines großen Publikums. Doch schon das Festival-Beispiel zeigt, dass der irische Film auswärts oft gefragter ist als zu Hause: Weder die kleinen Indie-Komödien, für die Irland in den 1990er Jahren berühmt war, noch die oben genannten Festivalgewinner, ja nicht einmal der weltweite Sensationserfolg Once konnte das irische Publikum in halbwegs angemessener Zahl ins Kino locken. Hier ist also noch ein wenig Überzeugungsarbeit in eigener Sache zu leisten.

Titelfoto: "Ring of Kerry" von Knispermann
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Quelle: www.piqs.de

 

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Mo, 23.08.2010 0

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29.01.2010

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