Grauhaariger CDU-Politiker vergrault Kreative aus dem Ruhrgebiet
- Serie: Ökonomie
Gut, dass die Lokalblätter des Ruhrgebiets längst im Netz stehen. Denn so kann man sich auch fern der Heimat ein Bild davon machen, wie der kulturfeindliche Geist mitten in der Ruhr.2010 überlebt.
In Hamburg etwa - oder in Berlin, in Köln oder Leipzig, wohin es tausende von Kulturschaffende Ruhris getrieben hat, erscheint Joachim Pohlmann via Internet als so ein Geist. Der CDU-Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters in der größten Stadt des Ruhrgebiets – Dortmund, äußerte sich in einem Interview wie ein Neandertaler, der seine Stadt zurück in die kulturelle Steinzeit prügeln will. Da zieht der Mann, den Leute, die ihn persönlich kennen, als integer und sachlich beschreiben, tatsächlich mit der Forderung in den Wahlkampf, man solle die „Alimentation der so genannten Freien Szene“ streichen. Und das tut er ja nicht ohne Grund, sondern mit Berechnung: In dem Wissen, dass viele seiner Wähler den Wert urbaner Kreativität nicht einschätzen können. Damit erklärt Pohlmann sich als überholten Politiker, und das Ruhrgebiet zur Provinz. Wer ihn wählt, wird diese Erklärung mit unterschreiben.
Welchen Wert hat eine kreative Klasse für eine Großstadt?
Hätte der Mann etwa den Ersten Bürgermeister von Hamburg um Rat gefragt, seinen Parteikollegen Ole von Beust; ganz sicher hätte dieser ihm den Wert einer kreativen Klasse für eine Großstadt verdeutlicht. Von Beust kämpft seit Jahren um die Köpfe, deren Gedanken seine Stadt zu einem der wichtigsten europäischen Standorte für Kunst, Medien und Werbung haben gedeihen lassen. In seinem sicheren Instinkt für Politik und Ökonomie führt von Beust den Kampf in einer Vehemenz, vor der die kreative Klasse schon wieder zurück schreckt. Aus Angst, mit zunehmender Vereinnahmung durch die Politik ebendiesen Anspruch einer kreativen Klasse wieder zu verlieren.
Kreative im Ruhrgebiet sind ein aufblühendes Pflänzchen
Soweit ist man im Ruhrgebiet wahrlich nicht. Hier sind die Kreativen ein zartes aber aufblühendes Pflänzchen, das Fürsorge bedarf. Denn dem Ruhrgebiet fehlt es an Kreativität, die sich bald auch in Wertschöpfung wandeln kann. Sie muss gefördert werden -nicht gestrichen, damit auch der Pott zu einem Magnet für junge Leute mit Ideen wird. Denn an solchen Leuten mangelt es. Nicht nur, weil kaum welche von außen kommen. Vor allem, weil viele von ihnen ihre Heimat frühzeitig verlassen. Weil grauhaarige Männer ihnen das Gefühl geben, nicht willkommen zu sein.
Mehr zum Thema:
Mi, 17.03.2010
3
Kommentar hinzufügen
Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben
Kommentare
Ähnliche Beiträge
Thema
Stadt
Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.
Branche
Aktuelle Tweets




























Abonnenten Geist
Der Mann denkt an seine Wähler mit den Konzerthaus- und Theater Jahresabonnements, die sich schon echauffieren, wenn ein Hamlet Jeans trägt oder eine Schauspielerin blank zieht. Leute, für die Kunst Ohhh, Ahhh, ist das nicht schön? bedeutet, die ergriffen sein wollen und aus ihrem im Bildungkanon wie Beton verfestigten Blick auf Kunst nicht rauskommen. Kunst ist für Pohlmann und sein Klientel vor allem was irgendwer in den Ruhrnachrichten oder andern bürgerlichen "Leitmedien" als Kunst bezeichnet hat, ungefährlich, hübsch anzuschauen, etabliert. Der Rest ist subventioniertes Gemache für geistig Langhaarige. Dass man ein Theater mit 27 Millionen subventioniert in Dortmund, das leider auch nur Mittelmäßiges liefert, ist kein Widerspruch. Denn da steht ja Theater drauf und Mutti legt sich die Perlenkette um.
Was für ein erbärmlicher, provinzieller und schädlicher Versuch die Ignoranz der Bildungsbürger gegenüber der Vielfalt künstlerischer Ausdrucksformen zu benutzen, um auf Kostern der im verlgleich lächerliche Förderung der freien Szene in Dortmund ein paar Stimmen am Stadtrand zu bekommen.
der Abonnenten Geist
Der Mann denkt an seine Wähler mit den Konzerthaus- und Theater Jahresabonnements, die sich schon echauffieren, wenn ein Hamlet Jeans trägt oder eine Schauspielerin blank zieht. Leute, für die Kunst Ohhh, Ahhh, ist das nicht schön? bedeutet, die ergriffen sein wollen und aus ihrem im Bildungkanon wie Beton verfestigten Blick auf Kunst nicht rauskommen. Kunst ist für Pohlmann und sein Klientel vor allem was irgendwer in den Ruhrnachrichten oder andern bürgerlichen "Leitmedien" als Kunst bezeichnet hat, ungefährlich, hübsch anzuschauen, etabliert. Der Rest ist subventioniertes Gemache für geistig Langhaarige. Aber dass man ein Theater mit 27 Millionen subventioniert in Dortmund, das leider auch nur Mittelmäßiges liefert, ist aber kein Widerspruch. Denn da steht ja Theater drauf und Mutti legt sich die Perlenkette um, wenn man dort hingeht. Ist also per se Hochkunst.
Aber sowohl Pohlmann wie seine grauhaarige Wählerschaft tut, was immer gut funktioniert, auch in der Politik: sich auf das verlassen, was sich etabliert hat und die Mehrheit akzeptiert: seien es Meinungen, Ideen oder Kunst. Was für ein erbärmlicher, provinzieller und schädlicher Versuch die Ignoranz der Bildungsbürger gegenüber der Vielfalt künstlerischer Ausdrucksformen zu benutzen, um auf Kostern der im verlgleich lächerliche Förderung der freien Szene in Dortmund ein paar Stimmen am Stadtrand zu kriegen. What a jerk!
Schade Kulturhauptstadt...
Da sieht man mal wieder, dass die Politik Kultur nur zu gerne für ihre eigenen Interessen missbraucht und dabei ein völliges Desinteresse für die Kultur selbst mitbringt. Was für Heuchler....!!!