Glück auf - Brück auf! Auftaktgespräch Kreativ.Quartier Brückstraße

Regelmäßig eingeworfene Scheiben im Orchesterzentrum Dortmund für die keine Versicherung abgeschlossen ist, veranlassen Orchersterzentrumsleiter Prof. Gotthard Popp die Akteure der Brückstraße einzuladen, um in einem offenen Auftaktgespräch für die Entwicklung eines Miteinanders in der Brückstraße zu werben.

Glanzschuhträger haben oft Probleme mit der Brückstraße


So hört es sich in der Auftaktrede zum Kultur- und Kreativprojekt Brückstraßenviertel an. Was man dann aber im Konzeptpapier liest und zwischen den Zeilen immer wieder hört: Die Ziele lauten Imageveränderung, erhöhte Sauberkeit und Kaufkraft stärken. Ahja. Entschuldigung, wem gehört die Stadt und wie muss sie aussehen? Und wo bleibt das tolerante Miteinander, das laut Florida zu den drei Voraussetzungen für eine kreative Milieuentwicklung gehört?

Wie sieht man die Brückstraße?

Die Brückstraße ist überregionale Anlaufstelle für den Kauf von Szeneprodukten oder -dienstleistungen, lokaler Treffpunkt vieler Studenten und Draußen-stehen-Freunde-treffen-Liebhaber, die nur kleine Preise zahlen können. Also ein buntes lebendiges Paradies, wo man auch noch rund um die Uhr gut versorgt wird und so in den Morgenstunden nach dem Diskobesuch statt im leeren Bahnhof in der Brückstraße mit Falafel, Baguette, Pommes oder Döner in der Hand auf seinen Zug ins Sauerland wartet und dabei noch den ein oder anderen Bekannten trifft. Ein paradiesischer Ort also wo Toleranz groß geschrieben wird, denn Punker steht mit Technanten friedlich nebeneinader.. bis die Polizei aus unerfindlichen Gründen Platzverweise erteilt.

Die Brückstraße verfällt. Ein Moloch an asozialen Grenzgängern, ein Verfall von Sitte und Anstand

Da muss man was gegen machen. HAHA!
. Es ist zwar verständlich, dass ein älterer Mensch, der eine millionenschwere Einrichtung der Hochkultur, die vielleicht grad mal 10 % der Einwohner interessiert, für einen guten Stundenlohn leitet, am Boden liegende, Gitarre spielende, Bier trinkende, rauchende zerlumpte Gestalten in ihren Freizeitinteressen nicht verstehen kann, aber ist dass dann ein Problem des Ortes oder fehlende Kommunikation zwischen den Milieus?

Vielleicht kommt man ja am 18.6.2011 mal zusammen. Hirsch-Q-Ska trifft Orchesterzentrums-Klassik, danach legt Mimi im Foyer vom Konzerthaus auf und Popp und Mo trinken auf der Straße ein Pils zusammen. Das wär schön. Wenn sich so der Musiktag gestaltet, wär das ein schöner Auftakt der Quartiersbestrebungen. Und wenn dann noch Urinale gebaut werden (für beide Geschlechter!), dann wird doch alles gut.

Bürgerbewegung nötig - Nur wer sich bewegt, wird gehört

Herr Stüdemann sagte in seiner Rede der Auftaktveranstaltung, die Akteure der Brückstraße müssen sich melden und stark machen. Alle wichtigen Projekte der Stadt sind durch eine aktive Bürgerschaft entstanden, die ihre Interessen öffentlich vertreten hat. Wenn sich nur die Hochkulturisten in den Planungsprozess einmischen und es die Szene nicht schafft, sich darzustellen und klare Forderungen zu formulieren, ist klar wer gestaltend tätig sein wird.


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Do, 03.02.2011 3

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Kommentare

westheide's neocon moral nervt

westheide beweist mal wieder, dass er von subkultur keine ahnung (von jörg fang ich gar nicht erst an). die ganze coolness angelesen, bildungsreisen angespart und street credibility vorm spiegel geübt... in den tanzschulen berlins, seattles, sonstewo...

kein kommunikatives problem, sondern ein soziales, sagt er. belässt es aber dann dabei. dass es sich um gesprächspartner handelt, die einander nicht auf augenhöhe begegnen, sondern die einen auf andere herunterschauen (gruß an jörg), wird nicht genannt. es geht um handfeste interessenkonflikte und vormachtstellung, hierarchie und klientelpolitik, kapital und moral. dass man sich aufgrund von klasse, kultur, politik, religion, alter und sexualität von einander abgrenzt. zugegeben, alles soziale dimensionen, die das stadtleben ausmachen. meintest du das?

letztlich ist die sache doch ganz einfach: war wer zuerst da?
...das konzerthaus und eure neo-con moral war es nicht.

Hochkultur vs. Gegenkultur

Konzerthaus und Orchesterzentrum wussten sicherlich worauf sie sich mit der Brückstrasse einlassen.
Und nicht nur ich war oft begeistert, ob der skurilen, bunten Szenen, die sich gerne vor Vorstellungsbeginn am Konzerthaus abspielen.
Ein Fehlen an Toleranz kann man den Konzerthaus- und Orchesterzentrumsmachern allein schon wegen der Entscheidung, sich auf der Brückstrasse anzusiedeln, sicherlich nicht machen.

Aber Christian hat Recht.
Bei Toleranz liegen Theorie und Praxis gerne mal weit auseinander.
Alkoholisierter Kulturhass kann durchaus mal nerven!

Und den romantischen Blick auf die Hirsch-Q als Hort der Gegenkultur kann man auch schonmal verlieren, wenn einem da, wie in meinem Freundeskreis geschehen, schon zum 2. Mal die Piepen gezockt werden.

Toll wäre halt die Aufrechterhaltung zumindest von ein paar menschlichen Umgangsformen. Und wenn es den Orchesterzentrumsmachern darum geht, haben sie meine volle Unterstützung.

Ja und dann kann die Brückstrasse auch ein paradiesischer Ort sein.

" Ein paradiesischer Ort also

" Ein paradiesischer Ort also wo Toleranz groß geschrieben wird" - ähm meinen wir die gleiche Straße?
Friedliche Eintracht der Klassen und Milieus bis die Polizei das Utopia der Bürger stört? Nee, also bei aller eigenen Freude über nächtliche Nahrungsversorgung und die interessant anzusehende Mischung zwischen Konzerthaus und HirschQ:
Das Problem ist kein Kommunikatives, wie Du sagst, zwischen einem Direktor der ein Haus mit "eine(m) guten Stundenlohn leitet (und) am Boden liegende(n), Gitarre spielende(n), Bier trinkende(n), rauchende(n) zerlumpte(n) Gestalten", sondern ein Soziales. Was Kommunikation angeht, ist es höchstens ein Problem des Umgangstons auf der Brückstraße.

Die "Möglichkeitsräume" der Brückstraße sind seit 25 Jahren die gleichen und einer Romantisierung bedürfen sie glaub ich nicht. Und wenn Möglichkeitsräume darin bestehen sollen, dass alles schön voneinander getrennt billig (Brückstraße) oder teurer (Hellwege) shoppt und futtert und sich ansonsten am besten in Ruhe lässt, wie es in dem Text anklingt, dann stelle ich mir schon die Frage, was das mit Stadt, Urbanität, Dialog und Miteinander zu tun haben soll.

Im Sinne Floridas (tolerantes Miteinander) kannst du ja mal als Homosexueller spätabends über die Brückstraße gehen und sehen, wie Dein romantisches Örtchen der Kulturen so funktioniert.

Über den Autor

08.10.2010

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