GLÜCK AUF, ZECHENKIND

Taschen und Accessoires aus Kleidung, in der die Kumpel einfuhren. Abgefahren. Doch wie kommt man auf die Idee, aus Restbeständen ausgemusterter Bergmannskleidung Taschen herzustellen? Ganz einfach: Man findet im Kleiderschrank eines Schwagers eine alte Bergmannsjacke und denkt sich: Wow, was für ein prima Stoff - robust, haltbar und eine wunderbar individuelle Färbung.

Was bei der Journalistin und Designerin Anika Beller-Kraft als fixe Idee an der heimischen Nähmaschine entstand, reifte während ihrer Diplomarbeit zu einem runden Konzept. Der Name kurz und bündig: zechenkind.

„Ich bin einfach ein Ruhrpottmädel“, erklärt die 35-jährige Dortmunderin, „und fand es schade, dass es so wenig Label mit Bezug aufs Ruhrgebiet gab. Der Bergbau hat diese Region nun einmal geprägt. Da entstand die Idee, ein Stück der Bergmannskultur auf meine Art zu interpretieren – eine Mischung aus Alt und Neu.“

Breite Fangemeinde

Die Zeiten, in denen die gelernte Orthopädiemechanikerin und Bandagistin selbst an der Nähmaschine saß, sind allerdings vorbei. Die Nachfrage war bereits kurz nach dem Start dermaßen groß, dass die 35-Jährige alleine mit der Produktion nicht mehr nachkam.

Verstärkung bekommt die 35-Jährige heute von langzeitarbeitslosen Näherinnen aus dem Ruhrgebiet - jedes zechenkind ein Unikat. Die Fangemeinde der Bergmannstaschen? Ebenso unterschiedlich wie der ehemals weiße Stoff, dem der Kohlenstaub im Laufe der Jahre nach unzähligen Waschungen ein individuelles Aussehen verleiht. Von ehemaligen Bergleuten über traditionsbewusste junge Menschen bis hin zu Trendsettern ist alles dabei,

Sonderwünsche? Jederzeit willkommen

„Die Kollektion beschränkt sich allerdings nicht nur auf das Grundsortiment“, betont Beller-Kraft. „Ich habe vor einiger Zeit die Anfrage einer Frau aus Herne bekommen, ob ich aus der alten Bergmannsjacke ihres Mannes, der gerade in Rente ging, eine Tasche machen könne. Das hat natürlich den Nerv von zechenkind genau getroffen. Kurze Zeit später hatte die Frau ihre Tasche.“

Doch zechenkind ist schon längst kein reiner Ruhrgebietsnachwuchs mehr, der nur regional das Laufen gelernt hat. Inzwischen kommen aus etlichen Teilen der Welt Anfragen, der erste Shop in New York hat das Ruhrpottlabel bereits ins Sortiment aufgenommen. Das freut die Designerin, da sie durch die zechenkinder weltweit auf das Ruhrgebiet aufmerksam machen kann. Bei den Taschen und Accessoires soll es in Zukunft allerdings nicht bleiben: „Ich arbeite gerade an einer neuen Kollektion, bei der es auch tragbare Mode gibt. Jacken und Röcke werden auf jeden Fall dabei sein.“

Was in Zukunft noch kommt? Wer weiß? Da gibt es noch einige Ideen in der Schublade.

Et Pütt, wie et Pütt.

Fotos: zechenkind, Holger Steffens
Mi, 07.04.2010 1

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Kommentare

Ein schönes beispiel ...

... wie leute mit ideen diese region nach vorn bringen. ganz einfach durch das, was sie tun, ohne agenda, metropolenträume etc.
mehr davon.

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24.02.2010

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