
Gesagt ist gesagt! Ruhr-Dialog 2011
Vom Uni-Rektor bis zum Hausbesetzer: Auf immer mehr als nur ein Wort
In Theatern gesessen, auf Demos gewesen, in einer entweihten Kirche gefroren, Ausstellungen angesehen, in Cafés unterhalten, besetzte Häuser besucht. Zusammen macht das 70 Beiträge für 2010LAB.tv im Jahr 2011. Der Rest spricht für sich selbst.
Wir suchen neue Eliten und die müssen quer durch die Gesellschaft durchgehen. Vitalität in der Gesellschaft ist einfach sehr stark bei den Zugereisten, unter denen, die sich bewegen, bei den nomadischen. Und die ist weniger stark bei denen, die Stadthalter sind von unserem Erbe. Wenn wir nicht die neuen Leute vollkommen neu motivieren, einbinden, beauftragen, dann ist diese Stadt ziemlich alt und am Ableben.
Jochen Gerz, Künstler, Kilgarvan

Joscha Hendricksen, Künstler, Essen
Es geht darum, Verständnis für uns zu entwickeln. Ich höre oft Fragen wie: „Seid ihr denn jetzt eine Künstlergruppe? Nehmt ihr alle auf?“ Diese Fragen sind zwar berechtigt, aber auch langweilig. Solange das Bewusstsein für Räume, für Diskussionen über Kunst nicht da ist, ist mir das Gerede darüber zu langweilig.
Unbekannte Freiraum-Aktivistin, Essen

Alexander Kerlin, Dramaturg, Dortmund
Das Ruhrgebiet versteht sich gerne als Metropole, aber man merkt schon, dass es das nicht ist. Denn dafür fehlt es an der nötigen Kultur. Vorhandene Potentiale werden immer wieder ausgebremst. Das sieht man in Duisburg vielleicht am stärksten, aber auch in Essen und Dortmund. Ohne Förderung gehen dann viele nach Hamburg oder Berlin.
Steffen Börgmann, Vorsitzender Mustermensch e.V., Duisburg

Kim Kalkowski, Unternehmerin, Dortmund
Die Wahrnehmung des Ruhrgebietes hat sich verändert: sowohl in Bezug auf die Außenwahrnehmung wie auch in Bezug auf unser eigenes Selbstverständnis. Wir sind nicht mehr die graue Maus, wir sind eine vitale und attraktive Metropole – wir sind "Ruhr" und das weiß jetzt auch der Berliner!
Michael Townsend, Kulturdezernent, Bochum
„Dortmund ist neben Berlin das Zentrum der Autonomen Nationalisten. Es war den Stadtpolitikern jahrelang egal. Mittlerweile setzt ein Umdenken ein, aber sie müssen angetrieben werden. Wir setzen darauf, den Nazis permanent etwas entgegenzusetzen“
Dortmunder Antifa Bündnis (D.A.B.)

Stefanie Levers, Künstlerin, Bochum
Die Realität ist, dass diese Stadt eine jugendfeindliche Politik macht. Uns wird eher eine Realität vorgetäuscht, die so, wie in der Politik argumentiert wird, nicht existiert. Beispielsweise wird es so dargestellt, als ob es kein Geld gäbe. Aber vor allem an Prestigeprojekten wie RUHR.2010 sehen wir, dass für Dinge, die den Wirtschaftsstandort fördern und Unternehmen anlocken sollen, sehr wohl Geld locker gemacht werden kann.
Lea Kühn, Rettet das JZE-Bündnis, Essen

Peter Renzel, Jugenddezernent, Essen
„Man muss Kunstwerke nicht gutheißen. Aber man muss immer dagegen sein, wenn Kunst zerstört wird.“
Jochem Ahmann, Vorstand Deutscher Werkbund NRW, Bochum
Ich glaube in 30 Jahren sitzen wir wieder in der Volkshochschule und dann sitzen die, die unten saßen, oben und hören sich dasselbe an.
Andreas Bomheuer, Kulturdezernent, Essen
Wir haben die Möglichkeit, ein Fenster zu öffnen, eine Brücke in die Stadt und in die Region zu schlagen.
Kurt Mehnert, Rektor Folkwang Universität, Essen
Wir sind eine Stadt, die nicht über so viele überregionale Aushängeschilder verfügt. Grönemeyer, das Schauspielhaus, Steve Sloane, manchmal der VfL und wir. Das war es schon fast.
Björn Büttner, Pressesprecher Bochum-Total, Bochum

Vilim Brezina, Blogger, Dortmund
Wir müssen weiter daran arbeiten zu zeigen, dass Veganer nicht von einem anderen Stern kommen, sondern „normale“ Menschen aller Schichten sind, die sich einfach nur Gedanken über Moral und Ethik machen, diese zu Ende denken und dann auch praktisch in ihre Gewohnheiten einfließen lassen.
Jürgen Foß, Vorsitzender Tierfreunde e.V.
Immer weniger Journalisten sollen immer mehr leisten. Das ist eine Zumutung und eine Gefährdung für den Berufsjournalismus.
Frank Bsirske, Vorsitzender ver.di
Leben wir ganz altbacken ein provinzielles Leben, oder sind wir mit unseren Kreativquartieren auf der Höhe der Zeit?
Boris Mercelot, Dramaturg, Bochum

Ricarda Fox, Galeristin, Mülheim
Wenn Sie so etwas sagen, müssen Sie auch Ihre Quellen nennen. Was sind denn Ihre Quellen?
Ullrich Sierau, Oberbürgermeister, Dortmund
Vor dem Hintergrund, dass die Stadt quasi sagt, dass dieses Gelände nicht betreten werden darf, aber gleichzeitig das Kreativquartier ist, habe ich dem Leiter des Liegenschaftsamtes gesagt: Ich werde im Rahmen meiner Möglichkeiten weiter dafür arbeiten, das Gelände im öffentlichen Bewusstsein zu erhalten.
Matthias Schamp, Künstler, Bochum
Rechnet man die Entwicklung der Einkaufszentren in den letzten Jahren hoch, ist davon auszugehen, dass im Jahr 2031 etwa 2031 Einkaufszentren im dann unsichtbaren Ruhrtal beheimatet sein werden. Davon werden etwa 2000 nicht mehr wirtschaftlich rentabel sein, die man wiederum – aus Industriezeit-Erfahrung – in Einkaufskulturkunstobjekte in Form von Theatern und Bühnen transformieren würde.

Kevin Kuhn, Partyveranstalter, Bochum
Die Idee war schon da, den Metropolen-Gedanken zu transportieren, alles als Gesamtes zu sehen. Es gibt hier vor der Haustür und darüber hinaus, was auch nur um die Ecke ist, so viel zu sehen.
Bartosz Kwiecinski, I Heart Ruhr York-Netzwerk, Duisburg

Marc Nikoleit, I Heart Ruhr York-Netzwerk, Duisburg
Aber keiner sagt: Hier ist der Sack Geld. Macht mal! Stattdessen warten alle darauf, dass irgendwer anders es bezahlt.
Christian Eggert, urbanatix-Initiator, Bochum
Wenn der kreative Diskurs im Ruhrgebiet politisch gewollt ist, dann muss man Kreativität beweisen und unplanbare Eigeninitiativen von Menschen einplanen. Das heißt auch Kreativität ohne Wirtschaft zu denken.
Tino Buchholz, Stadtplaner, Groningen
Das Land verkauft es gerne als Erhöhung. Das ist sein gutes Recht, weil es zu nichts verpflichtet ist.
Christian Koch, Geschäftsführer PACT Zollverein
Dies ist jetzt das Resultat einer Frustration, die auf der Verhandlungsebene mit der Stadt entsteht. DU it yourself hat den Ansatz zu sagen: Wir nehmen uns die Freiräume dort wo sie sind und wo wir sie gebrauchen können.
Oliver, DU it yourself-Initiative, Duisburg

Holger Bergmann, Künstlerischer Leiter Ringlokschuppen, Mülheim
Danke an alle Gesprächspartner und an 2010LAB für ein weiteres Jahr „machen lassen“.
Teaserfoto: Freiraum-Initiative Essen (Motiv) - Alle Fotos (c) Michael Blatt
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