
Geht mit der Digitalisierung des Buchmarktes ein Stück Kultur verloren?
Ranga Yogeshwar im Kulturausschuss NRW
Das eBook, es kommt. Dieser Meinung ist zumindest Buchautor, Physiker und Fernseh-Moderator Ranga Yogeshwar. In einem fast zweistündigen Vortrag vor dem Düsseldorfer Landtag zeigt er nicht nur die Probleme des neuen „Buchsektors“ auf, sondern gibt dazu auch noch wichtige Lösungsansätze.

Von 0,5 auf 100 in wenigen Jahren
Im Jahr 2010 betrug der Anteil an eBooks auf dem deutschen Markt gerade einmal 0,5 Prozent, was einem Umsatz von 21,2 Millionen Euro entsprach. Die Gefahr besteht also, dass gerade von der Politik der Zeitpunkt verpasst wird, die vorhandenen Probleme rechtzeitig in die Hand zu nehmen. Denn, so eine große Rolle spielt das Thema ja offensichtlich noch nicht. Dabei besteht dringender Gesprächsbedarf. Was kaum jemand bewusst wahrnimmt, ist zum Beispiel, dass ein
E-Book Infrastruktur in amerikanischer Hand
Überhaupt liegt ein Hauptproblem darin, dass ein Großteil unserer Infrastruktur im Bereich eBooks in amerikanischer Hand liegt. Und somit „weder in unserer politischen und juristischen, noch unter unserer ethischen Kontrolle“ so Yogeshwar. Ein Zustand, der sich in den kommenden Jahren noch rächen könnte. Amazon, Google oder Apple wollen selbst zu Verlegern werden und erwerben direkt von den Autoren die Rechte an ihren Werken. Natürlich zu anderen Konditionen und ohne das Recht einer produktiven Mitsprache des Autors oder seines früheren Verlegers. Auf der Strecke bleibt der „Wert“ des Buches und somit die Grundlage für Autoren und Independent-Verlage, die außerhalb des Mainstreams arbeiten, überleben zu können. Die Folge ist ein schleichender Kulturverlust durch den Verlust der unabhängigen Verlags-Szene.
Verlierer sind Buchhandlungen

Dass sich der Leser eines eBooks mit dem Kauf an den entsprechenden eReader bindet, was wiederum zu einem Datenschutzproblem führen kann, soll hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden. Ein Problem, dessen sich die Politiker zumindest bewusst sind. Es bleibt jedoch zu befürchten, dass sich hier kurzfristig nichts ändern wird. Verbindliche Tranzparenzregeln sowie die Sicherheit, dass Leserdaten vom Anbieter nicht verwertet werden dürfen, wird also auch in Zukunft Wunschdenken bleiben.
Dass die Entwicklung auf dem eBook-Markt nicht mehr aufzuhalten ist, zeigen aktuelle Daten. In Großbritannien wurden allein zum Weihnachtsfest 2011 mehr als eine Million eReader und Tablets verkauft. Das eBook, es kommt also wirklich. Ob und wie der Konsument damit umgehen wird, liegt nun auch bei unseren Politikern. Die damit einhergehenden Probleme dürften zumindest dem Landtag NRW nun bekannt sein.
Kommentar hinzufügen
Empfohlene Beiträge
Ähnliche Beiträge
Thema
Stadt
Branche
Aktuelle Tweets































