eBook-eLearning concept © Claudio Bravo - Fotolia.com

Geht mit der Digitalisierung des Buchmarktes ein Stück Kultur verloren?

Ranga Yogeshwar im Kulturausschuss NRW

Das eBook, es kommt. Dieser Meinung ist zumindest Buchautor, Physiker und Fernseh-Moderator Ranga Yogeshwar. In einem fast zweistündigen Vortrag vor dem Düsseldorfer Landtag zeigt er nicht nur die Probleme des neuen „Buchsektors“ auf, sondern gibt dazu auch noch wichtige Lösungsansätze.

 

Man merkt es Yogeshwar an. Diese ganze eBook- Sache ist für ihn eine echte Herzensangelegenheit. Und spätestens seit er mit seiner neuen Firma epedio selbst unter die Online-Buchhändler gegangen ist, dürfte er zu den hiesigen Experten im Bereich eBooks gehören. Grund genug für den Kulturausschuss des Landes NRW ihn als Gastredner zum Thema „Geht mit der Digitalisierung des Buchmarktes ein Stück Kultur verloren?“ einzuladen. Eine richtige Entscheidung, schließlich ist es dem Physiker ein ehrliches Anliegen „unsere Buchkultur zu erhalten“.

 

Von 0,5 auf 100 in wenigen Jahren

Im Jahr 2010 betrug der Anteil an eBooks auf dem deutschen Markt gerade einmal 0,5 Prozent, was einem Umsatz von 21,2 Millionen Euro entsprach. Die Gefahr besteht also, dass gerade von der Politik der Zeitpunkt verpasst wird, die vorhandenen Probleme rechtzeitig in die Hand zu nehmen. Denn, so eine große Rolle spielt das Thema ja offensichtlich noch nicht. Dabei besteht dringender Gesprächsbedarf. Was kaum jemand bewusst wahrnimmt, ist zum Beispiel, dass ein

Konzern wie Amazon von Luxemburg aus agiert. Und das nicht ohne Grund. Zur Jahreswende hat unser Nachbarland den Mehrwertsteuersatz für eBooks von 15% auf 3% gesenkt. Laut Yogeshwar ein klarer Versuch die Buchpreisbindung zu unterlaufen. Ähnlich läuft es bei Apple und seinem iTunes-Store. Die einzige Lösung hierfür dürfte eine grenzübergreifende Buchpreisbindung auch für eBooks sein, die sich zusätzlich nach der Mehrwertsteuer im Bestimmungsland richtet.

 

E-Book Infrastruktur in amerikanischer Hand

Überhaupt liegt ein Hauptproblem darin, dass ein Großteil unserer Infrastruktur im Bereich eBooks in amerikanischer Hand liegt. Und somit „weder in unserer politischen und juristischen, noch unter unserer ethischen Kontrolle“ so Yogeshwar.  Ein Zustand, der sich in den kommenden Jahren noch rächen könnte. Amazon, Google oder Apple wollen selbst zu Verlegern werden und erwerben direkt von den Autoren die Rechte an ihren Werken. Natürlich zu anderen Konditionen und ohne das Recht einer produktiven Mitsprache des Autors oder seines früheren Verlegers. Auf der Strecke bleibt der „Wert“ des Buches und somit die Grundlage für Autoren und Independent-Verlage, die außerhalb des Mainstreams arbeiten, überleben zu können. Die Folge ist ein schleichender Kulturverlust durch den Verlust der unabhängigen Verlags-Szene.

 

Verlierer sind Buchhandlungen

Aber auch für den Buchhandel ziehen dunkle Wolken auf. Die knapp 4.900 Buchhandlungen in Deutschland sind durch den digitalen eBook-Markt extrem bedroht. Denn sie können noch keine eBooks anbieten. Sie wären ein weiterer großer Verlierer der Entwicklung. Entgegenwirken könnte ein Gutscheinsystem (Voucher-System), das es dem Buchhandel erlauben würde eBooks zu verkaufen. So könnte der Kunde weiterhin „vor Ort“ entscheiden, ob er die Printausgabe oder die digitale Version kaufen möchte.

 

Dass sich der Leser eines eBooks mit dem Kauf an den entsprechenden eReader bindet, was wiederum zu einem Datenschutzproblem führen kann, soll hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden. Ein Problem, dessen sich die Politiker zumindest bewusst sind. Es bleibt jedoch zu befürchten, dass sich hier kurzfristig nichts ändern wird. Verbindliche Tranzparenzregeln sowie die Sicherheit, dass Leserdaten vom Anbieter nicht verwertet werden dürfen, wird also auch in Zukunft Wunschdenken bleiben.

 

Dass die Entwicklung auf dem eBook-Markt nicht mehr aufzuhalten ist, zeigen aktuelle Daten. In Großbritannien wurden allein zum Weihnachtsfest 2011 mehr als eine Million eReader und Tablets verkauft. Das eBook, es kommt also wirklich. Ob und wie der Konsument damit umgehen wird, liegt nun auch bei unseren Politikern. Die damit einhergehenden Probleme dürften zumindest dem Landtag NRW nun bekannt sein.

Do, 19.01.2012 0

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01.06.2011

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