Gegensätze ziehen sich an

Von Nils Bothmann. Befragt man unterschiedliche Menschen, was ihnen zuerst zum Filmland Italien einfällt, dann dürfte man höchst unterschiedliche, vielleicht sogar widersprüchliche Antworten erhalten. Zum einen ist Italien bekannt für große Arthouse-Regisseure wie Federico Fellini, Luchino Visconti und Michelangelo Antonioni, die mit ihren Werken die Filmsprache erweiterten und fast stets um kunstvolle, gewichtige Werke bemüht waren. Ihnen verdankt die Filmwelt Meilensteine wie 8 ½, Tod in Venedig und Blow Up. Ebenfalls prägenden Einfluss hatten die Filmemacher des italienischen Neorealismus, vor allem Vittorio De Sica und Roberto Rossellini, die bereits kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs das Leben im von den Kriegsjahren gezeichneten Italien thematisierten. Auf der anderen Seite ist der italienische Film allerdings auch berühmt-berüchtigt für seine dreisten Rip-Offs, die vor allem in den 1970ern schamlos US-Hits wie Dawn of the Dead, Mad Max, Das dreckige Dutzend oder Conan – Der Barbar kopierten, wobei die Ergebnisse häufig reinstes Exploitationkino waren.

Sandalen und Gewehre

Doch auch zwischen diesen beiden Polen hat das italienische Kino ebenso interessante wie vielbeachtete Auswüchse hervorgebracht und dies in verschiedenen Genres. Bereits in den 1900er Jahren produzierte Italien die ersten Sandalenfilme, lange bevor dies in Hollywood populär wurde. Mit Sergio Leones Für eine Handvoll Dollar begann die Zeit der einflussreichen Italowestern, die das Gesicht des Western für immer veränderten und neben Leone noch Regisseure wie Sergio Corbucci und Komponisten wie Ennio Morricone zu Weltruhm verhalfen. Ein ebenfalls typisch italienisches Genre ist der Giallo, eine Spielart des Thrillers, deren Bezeichnung auf den italienischen Ausgaben von Kriminalromanen fußt, deren Einbände gelb (italienisch: giallo) waren. Mit Gialli wurden unter anderem Mario Bava und Dario Argento bekannt, die später mit surreal-kunstvollen Horrorfilmen wie Die drei Gesichter der Furcht oder Suspiria bewiesen, dass Horror eben nicht nur das Trivialgenre, als das er häufig gehandelt wurde. Damiano Damiani hingegen prangerte mit Werken wie Der Tag der Eule Korruption und Ränkespiele im eigenen Land an, und bis zum heutigen Tage setzen sich italienische Politthriller in dieser Tradition mit nationalen Problemen auseinander. Jüngere Produktionen wie Il Divo und der viel beachtete Gomorra – Reise ins Reich der Camorra beweisen dies eindrucksvoll.

Von Bud Spencer zu Benigni

Abseits solch kritischer Produktionen florierten in den 1970ern auch Gangster- und Polizeireißer wie Der Berserker oder Der Mafiaboss – Sie töten wie Schakale. Neben all diesen eher ernsten Genres, die auch durch ihren nicht geraden zimperlichen Umgang mit Gewaltdarstellungen bekannt wurden, zeichnet sich das italienische Kino auch durch so unterschiedliche Komiker wie das Duo Bud Spencer/Terence Hill, Adriano Celentano oder Roberto Benigni aus.

Förderung und Schulen

Zur Förderung des italienischen Gegenwartsfilms trägt vor allem die staatliche Unterstützung durch die BNL (Banca Nazionale del Lavoro) bei, die sowohl Spielfilme als auch Dokumentar- und Kurzfilme unterstützt, dafür aber mit einem großen Katalog an Kriterien aufwartet, welche Personen am Set italienischer Herkunft sein müssen. Mit dieser und anderer Unterstützung war es Italien allerdings möglich, in den letzten Jahren immer rund 100 einheimische Produktionen pro Jahr auf die Kinoleinwände zu bringen.

Nachwuchs wird an den Filmschulen des Landes ausgebildet, deren bekanntester Vertreter die Centro Sperimentale di Cinematografia in Rom ist, zu deren Absolventen unter anderem Antonioni und die Schauspielerin Claudia Cardinale gehören. Neben Rom beherbergt Mailand die wichtigsten Filmschulen Italiens, darunter z.B. die Scuola di Cinema Televisione e Nuovi Media. Doch nicht nur die Ausbildung hat hier Tradition, sondern auch die Festivalkultur, schließlich ist das 1932 ins Leben gerufene Filmfestival von Venedig das älteste Filmfestival der Welt. Ebenfalls seit längerem bestehen das große Kinderfilmfestival in Giffoni Valle Piana (gegründet 1971) und Turiner Filmfestival (gegründet 1982).

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Fr, 10.09.2010 0

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29.01.2010

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