Gartenstadt - Das Siedlungsmodell für morgen?

Auf der Suche nach urbanen Qualitäten von Stadtquartieren rücken die Gartenstädte wieder in den Focus des Interesses. So wird die Siedlung Margarethenhöhe in Essen etwa als Planung mit standortbildendem Wert bezeichnet.

Architektonisch zumindest haben die Siedlungen bis heute wenig von ihrem Reiz verloren, da sie indivuíduell erscheinen, nicht austauschbar sind und immer auch mit dem Ort identifiziert werden, an dem sie zu finden sind.

Sie entsprechen dem Konzept der menschenfreundlichen Bauweise. So galt die Siedlung Margarethenhöhe schon während ihrer Errichtung 1909 bis 1920 als Vorzeigeprojekt. Per Regierungsbeschluss war die Planung von allen Bauvorschriften befreit, ebenso wie Hellerau. Heute steht die Siedlung unter Denkmalschutz wegen ihrer baukulturellen Bedeutung

Sachliche Moderne

Die ein- bis zweistöckigen Gebäude spiegeln die Haltung des Deutschen Werkbundes wider: ein versachlichter Stil, der Elemente traditioneller Architektur mit aufnimmt. Dekorativ wirkten sicher die geschwungenen Giebel, Laubengänge und Erker.

Modern und funktional hingegen war der Einbau von Toiletten und Badewannen - ein Novum zu dieser Zeit. Neu war zudem die Öfffnung der Siedlung für alle Interessenten: Arbeiter, Angestellte, Beamte - eine Aufwertung der Bewohner. Mittelpunkt der Margarethenhöhe war ein Marktplatz mit Brunnen, Gasthaus und den 'Krupp'schen Konsumanstalten'.

Entfernung vom Grundgedanken

Vieles aus der Gartenstadtbewegung aber wurde auch in der Margarethenhöhe nicht übernommen. Der britische Begründer Ebenezer Howard verband mit seinem Konzept genossenschaftliche Überlegungen: Mitbestimmung der Bewohner, Erbpacht und ein lebenslanges Wohnrecht. Durchgesetzt jedoch hatte sich eine städtebauliche Strömung in Industrienähe, um wertvolle Arbeitskraft zu binden.

Dennoch sind Gartenstädte keine überholten Relikte. Die Individualität der Anlagen zu bezahlbaren Preisen sticht von der Einförmigkeit der Stadtarchitektur deutlich ab, jedes Gebäude wurde indivuduell auf die Bedürfnisse der Bewohner zugeschnitten. Kein Haus gleicht dem anderen und schafft persönliche Zugehörigkeit.  Viele Faktoren, die ansonsten nur durch den Bau eines alleinstehenden Einfamilienhauses erreicht werden.

Gartenstädte haben nicht von ihrer Anziehungskraft verloren, auch wenn der Grundgedanke offensichtlich keine Rolle mehr spielt.

Fr, 19.02.2010 0

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04.12.2009

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