
Gänsereiten: Tradition verpflichtet zur Kopflosigkeit
- Serie: Bildung
Liebe Fortschrittszivilisation, was wäre unsere schnelllebige Gesellschaft ohne die sorgsame Pflege von kulturellen Traditionen? Ein Moloch, regiert von Barbaren! Gut, dass es da noch die Karnevalisten gibt. Hier lernt Geschichtsmuffel neben Kamelleregen und Kräuterschnaps-Batterien noch etwas über die Brauchtümer unserer Vorfahren. Nicht nur in den rheinischen Hochburgen, sondern auch an der Ruhr.
An Rosenmontag wurden etwa die Bochumer Gänsereiter in Höntrop und Sevinghausen ihrer Bezeichnung Narren vollends gerecht. Denn: Nur ein Narr kann wirklich Gefallen daran finden, einem Tierkadaver aus Jux und Dollerei den Kopf abzureißen.
Für Tierrechtler aus der Region Grund genug, zwei Tage vor dem makaberen Schauspiel auf dem Dr.-Ruer-Platz gegen die Tatsache zu demonstrieren, dass in Bochum weiterhin eine getötete Gans am Seil hängen wird, während in den Nachbarstädten Essen und Dortmund bei ähnlichen Anlässen (nur noch) Attrappen zum Einsatz kommen.
Ausdrücklich mit Einverständnis der Stadt und darüber hinaus mit geistlicher Absegnung. So schrieb der damalige Stadtdechant Paul Neumann

In diesem Jahr nehmen sie gleich mal die ganze Kulturhauptstadt mit in die Pflicht, denn schließlich verweist RUHR.2010 gerne auf die kulturelle Vielfalt in der designierten Metropole. Wozu dann unter dem Strich auch das Gänsereiten gehört. Drastische Worte gibt es diesbezüglich vom Bündnis für Tierrechte Bochum: „Das Enthaupten von Tieren in unserer Stadt und der Anspruch eine Kulturhauptstadt Europas zu sein, passen nun wirklich nicht zusammen. Mit dieser Tradition macht man die ganze Region lächerlich.“
Auch die Mitstreiter und Demoorganisatoren von Die Tierfreunde e.V. sehen Jugendschutz und ethisches Bewusstsein beim Gänsereiten mit Füßen getreten: „Insbesondere Kindern und Jugendlichen, die dem Treiben zahlreich als Zuschauer beiwohnen, wird Gewaltverherrlichung vermittelt. Gänsereiten mit echten Tieren ist keine erhaltenswerte Tradition, sondern ein perverses Schauspiel.“
Da war geschätzter Herr Neumann freilich ganz anderer Meinung: „Die heutige Form des Gänsereitens ist der Ausdruck des Kampfes zwischen Mensch und Tier.“ Mal kurz überlegen: Gegen einen toten, gefesselten Kontrahenten hoch zu Rosse in die Schlacht ziehen, Respekt!!! Ach so, das ganze Prozedere sei nur symbolisch zu verstehen… Macht die Sache auch nicht besser. Ganz im Gegenteil.
www.sevinghauser-gaensereiterclub-1598.de
www.tierrechtsnetz.de
www.die-tierfreunde.de
Fotos: Bündnis für Tierrechte Bochum (Gänsereiten), Michael Blatt (Demo-Banner)
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Gänsereiten
Ich bin über einen amerikanischen Protestaufruf gegen das Gänsereiten auf diesen "Brauch" erst aufmerksam geworden. Für einge der Amerikaner wieder mal ein gefundenes Fressen, uns als Nazis zu betiteln.
Ich dachte bei dem Protest zuerst, die Amis hätten da einen uralten Brauch wieder ausgebragen und nicht mitbekommeen, dass dieser längst nicht mehr praktiziert wird. Leider ein Irrtum. Da frage ich mich, sind die Menschen, die solch eine Barbarei befürworten und praktizieren immer noch zur Zeit der Römer, wo man Tiere und Menschen zur allgemeinen Belustigung der Mengen in der Arena bis zum Tod kämpfen ließ? Dass die Gänse heute vorher getötet werden macht die Sache auch nicht besser. Wie können wir unseren Kindern Respekt vor dem Leben und der Schöpfung beibringen, wenn Erwachsene mit solchen Vorbildern das Gegenteil vermitteln?
ein barbarischer brauch.
ein barbarischer brauch.