Fremdwohner und Selbsttuner

Freitag, 6. August 2010

Heute ist ein Tag der extremen Abwechslung. Trotzdem leiert derzeit alles wie ein zu lange getragenes T-Shirt. Die Aufschrift Ruhr.2010 wird blasser, die Nähte sind auf der Flucht, die Farbe hieß mal weiß. Habe mich erfreulicherweise daran gewöhnt, auf der Terrasse das erste Frühstück einzunehmen. Das ist schon ein Stück Lebensqualität, die mir sonst hier abgeht in diesem Lebensraum. Ich weiß schon lange, dass ich nicht nur mehrere in einem Körper bin, sondern, dass ich auch am falschen Ort lebe, vielleicht sogar zu falscher Zeit, aber das ist reine Spekulation. Gleichzeitig müsste mich ein latentes Glücksgefühl beseelen.

Besorgniserregende Meldung

Unser türkischer Partner unseres EU-Projektes "Sanctuary" schreibt eine Mail und steigt aus dem Projekt aus, weil er – der Provinzgouverneur offensichtlich nicht weiß, wie das Projektleben tickt. Das ist nah an einer Katastrophe. Diese EU-Gelder machen mehr Probleme als, dass sie Freude bringen. Alles zickt herum und meint, man wolle sie aussaugen. Da stoßen verschiedene Welten aufeinander. Das müssen wir irgendwie auf elegante Art klären, aber ich habe keine furchterregende Sonnenbrille.

Gespräch mit Zuwanderern aus dem Hier ins Jetzt

Ich spreche zum ersten Mal mit jemand aus dem Projekt 2-3 Straßen des Sozialkonzeptkünstlers Gerz. Mit dabei ist eine charmante richtige Wohnerin am Borsigplatz in Dortmund. Worüber plaudert man also? Wie ist das zustande gekommen? Warum bist Du hier? Wie gefällt es denn so? Besonders intelligente Fragen fallen mir nicht ein. Im Gegenteil, eigentlich rede ich mehr als die beiden. Hier sprechen im Stadtteil Mitte-Nord, einem Viertel von bittersüßem Leumund geschlagen, drei Menschen. Alle Zuwanderer, innerdeutsche Migranten. Ich lebe hier seit zehn Jahren, sie seit sechs Jahren, er seit sechs Monaten. Sie ist zufrieden, die beiden Männer leiden an einem eklatanten Mangel an Lebensqualität. Sie kommt aus Cuxhaven, er aus Berlin, der dritte aus Gelsenkirchen. Wir sitzen in der Nähe der Gründung des Ballsportvereins Borussia Dortmund, jetzt die abgetakelte Pommesbude „Pommes Rotweiß“. Unbeachtet eigentlich, draußen mit einem Hinweisschild geschmückt aus der Reihe „Route des Sports“ – wie es überhaupt inzwischen von Routen nur so wimmelt. Wir bleiben in Kontakt.

Burger King und Tuning Queens

Am Nachmittag steuere ich die Abfahrt Wattencheid-Drückerweg an. Nicht leicht, da umzingelt von Baustellen und Aus- und Abfahrtssperren wegen einer gigantischen Wanderbaustelle. Hier findet die Abschlusskundgebung des Projektes „Die Schönheit der großen Straße“ statt. Neben Burger King stehen aufgereiht getunte Cars mit Tuning Queens, ungeheure Kisten mit ungeheuren Tonmaschinen und Basteleien. Cool. Diese Mischung von Kunstprojekt (alles ist inzwischen Kunstprojekt im Revier) und prolliger Autoverhübschung ist schlichtweg sonderbar cool.

Und spät abends höre ich in der NDR-Talkshow „I’d love to kill you with a kiss“ von Katie Melua, anmoderiert vom guten alten Allan Bangs.

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Sa, 07.08.2010 0

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03.03.2010

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