
Freiraum2010 und Dieter Gorny erklären Hintergründe zur DGB-Hausbesetzung
- Serie: Ökonomie
Die Pressekonferenz der Initiative Freiraum2010 fand am 18. Oktober im Zentrum für Kunst und Architektur in Essen statt. Joscha Hendricksen, Sprecher von Freiraum2010, möchte den Verhandlungsverlauf nach Besetzung des Verdi-Cafés im leerstehenden DGB-Gebäude an der Schützenbahn öffentlich darlegen und mit Nachdruck die Forderung nach einem Haus für die Kunst vermitteln. Auch der künstlerische Direktor der Ruhr2010 GmbH, Prof. Dieter Gorny, ist in seiner Eigenschaft als Vermittler zwischen Künstlergruppe und der VTGdesDGB vor Ort, um die Probleme der Raumbeschaffung für die Künstler zu erörtern. Vertreter des DGB beteiligten sich indes nicht an der Pressekonferenz.
Nachdem Mitglieder der Freiraum-Initiative das DGB-Gebäude im Juli für wenige Tage besetzt hatten, wurde das Gebäude unter Androhung von strafrechtlicher Verfolgung geräumt. Ein Dialog zwischen VTGdesDGB und Freiraum2010 kam nicht zustande. Erst durch das Einschalten von Dieter Gorny kam es zu zwei Verhandlungsterminen, die ergebnislos blieben. Als Hinderungsgrund für eine baldige Nutzung werden Brandschutzbestimmungen und damit verbundene, notwendige Renovierungsarbeiten angeführt. Die hohen Instandsetzungskosten würden zu hohen Mietpreisen führen, was der Realisierung eines Kunsthauses im DGB-Gebäude im Wege steht. Darüber hinaus würde die Instandsetzung eine Nutzung bis zum Frühjahr 2011 hinauszögern.
Eine zeitnahe Unterstützung seitens der öffentlichen Träger wäre laut Aussage Gornys eventuell auf Projektbasis denkbar. Der eindeutige Wunsch von Freiraum2010 ist jedoch die dauerhafte Nutzung eines Gebäudes für die nachwachsende, junge Kunstgeneration, weshalb eine mögliche Zwischennutzung nur einen Aufschub des eigentlichen Problems bedeute. Als Stadtkünstler sei es zudem notwendig, dieses Gebäude auch in der Stadt und nicht in der Peripherie zu verorten, weshalb das angepeilte Objekt mangels Alternativen von besonderer Relevanz für die Künstlergruppe sei, so Hendricksen. Eine Verhandlung mit der VTGdesDGB gestalte sich deshalb als kompliziert, eine eindeutige Positionierung seitens des DGB blieb bisher ebenso aus.
Die mangelnde Bereitschaft, gangbare Lösungen zu finden, hat für die Initiatoren von Freiraum2010 Symbolcharakter für eine Region, in der mit hohem finanziellen Aufwand in tradierte Kunst- und Kulturbereiche und damit an den Nachwuchskünstlern der Region und deren Kunstverständnis vorbei investiert wird.
Das Ziel von Dieter Gorny ist, durch die Diskussion über das DGB-Gebäude eine öffentliche Debatte zur Kulturförderung in Gang zu setzen. Man müsse deutlich machen, dass die kulturell anders sozialisierte, junge Generation die Region weiterhin verlassen werde, wenn nicht Strukturmassnahmen mit Kontinuität einen Anreiz zum Bleiben bieten. Sollte es zu keiner Umverteilung in der Kulturförderung kommen, bestehe die Gefahr, das der Kulturbetrieb überaltere.
Die wirtschaftlichen, mittel- bis langfristigen Vorteile einer Gebäudenutzung für den Standort als Verkaufsargument gegenüber Verwaltungsträgern zu verwenden, widerstrebt Joscha Hendricksen, da er die Kunst als gesellschaftliche Vision und nicht als Beitrag zu einer wirtschaftlichen Entwicklung verstanden wissen will. Diese Sprache wird von einer Gesellschaft wie der VTGdesDGB, deren Aktivität von Zahlen und Paragrafen geprägt ist, nicht verstanden, weshalb sich die Kommunikation beider Parteien schwierig gestaltet. Gerade aus diesem Grund scheint ein politisches Umdenken notwendig, um die Rahmenbedingungen, die Zahlen und Paragrafen, so zu verändern, dass der Dialog für beide Parteien reibungsärmer verlaufen kann.
Die Moral der Freiraum2010-Initiative scheint noch intakt zu sein. Solange man keinen Raum habe, werde man mit öffentlichen Kunstaktionen auf sich und den Notstand aufmerksam machen. Diese ambivalente Gemütslage beschreibt Joscha Hendricksen so: „Wir sind erschlagen von Bürokratie, aber voller Vorfreude.“
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Problem Brandschutz

Joscha Hendricksen
Zwischennutzung ist keine Lösung
Eine zeitnahe Unterstützung seitens der öffentlichen Träger wäre laut Aussage Gornys eventuell auf Projektbasis denkbar. Der eindeutige Wunsch von Freiraum2010 ist jedoch die dauerhafte Nutzung eines Gebäudes für die nachwachsende, junge Kunstgeneration, weshalb eine mögliche Zwischennutzung nur einen Aufschub des eigentlichen Problems bedeute. Als Stadtkünstler sei es zudem notwendig, dieses Gebäude auch in der Stadt und nicht in der Peripherie zu verorten, weshalb das angepeilte Objekt mangels Alternativen von besonderer Relevanz für die Künstlergruppe sei, so Hendricksen. Eine Verhandlung mit der VTGdesDGB gestalte sich deshalb als kompliziert, eine eindeutige Positionierung seitens des DGB blieb bisher ebenso aus.

Dieter Gorny
Das Ziel von Dieter Gorny ist, durch die Diskussion über das DGB-Gebäude eine öffentliche Debatte zur Kulturförderung in Gang zu setzen. Man müsse deutlich machen, dass die kulturell anders sozialisierte, junge Generation die Region weiterhin verlassen werde, wenn nicht Strukturmassnahmen mit Kontinuität einen Anreiz zum Bleiben bieten. Sollte es zu keiner Umverteilung in der Kulturförderung kommen, bestehe die Gefahr, das der Kulturbetrieb überaltere.
Akteure sprechen verschiedene Sprachen
Die wirtschaftlichen, mittel- bis langfristigen Vorteile einer Gebäudenutzung für den Standort als Verkaufsargument gegenüber Verwaltungsträgern zu verwenden, widerstrebt Joscha Hendricksen, da er die Kunst als gesellschaftliche Vision und nicht als Beitrag zu einer wirtschaftlichen Entwicklung verstanden wissen will. Diese Sprache wird von einer Gesellschaft wie der VTGdesDGB, deren Aktivität von Zahlen und Paragrafen geprägt ist, nicht verstanden, weshalb sich die Kommunikation beider Parteien schwierig gestaltet. Gerade aus diesem Grund scheint ein politisches Umdenken notwendig, um die Rahmenbedingungen, die Zahlen und Paragrafen, so zu verändern, dass der Dialog für beide Parteien reibungsärmer verlaufen kann.
Die Moral der Freiraum2010-Initiative scheint noch intakt zu sein. Solange man keinen Raum habe, werde man mit öffentlichen Kunstaktionen auf sich und den Notstand aufmerksam machen. Diese ambivalente Gemütslage beschreibt Joscha Hendricksen so: „Wir sind erschlagen von Bürokratie, aber voller Vorfreude.“
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Di, 19.10.2010
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19.10.2010 - 07:47
21.08.2010 - 09:08
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18. Oktober
Die PK fand am 18. Oktober statt, ist inzwischen im Text ergänzt (danke für den Hinweis). Es waren zirka 6 Journalisten vor Ort.
Zwei Fragen:
Wann fand die PK statt? Und wieviel Journalisten haben sich für dieses Thema interessiert, bzw. waren zu Gast?