freiraum2010 - offener Brief an alle Gewerkschafter

Liebe Gewerkschaftler,

wir, die Künstlergruppe "Freiraum2010", haben am Sonntag in Essen im seit 3 Jahren leerstehenden ehem. DGB-Gebäude eine Galerie mit Kulturbühne und 5 Atelierräumen "eröffnet". Der VTG des DGB hat am vorangegangenen Montag die "Besetzung" des ehem. DGB-Gebäudes in Essen polizeilich beenden lassen. Durch die Vermittlung von Prof. Dieter Gorny ist es uns möglich, nun ein Verhandlungsgespräch mit dem VTG zu führen. Angesichts des bisherigen Vorgehens des VTG erwarten wir allerdings schwere Zeiten.
Wir bitten deshalb alle Gewerkschaftsmitglieder um Unterstützung- so wie es die IG-BAU in Essen und der DGB in Hamburg und Essen bereits getan haben.

Über den genauen Verlauf der Aktion und unsere Absichten können Sie sich auf unserer Webseite www.freiraum2010.de informieren

oder in der Presse nachlesen:

http://www.2010lab.tv/blog/freiraum2010-k%C3%BCnstlergruppe-gibt-hausbesetzung-auf
http://www.derwesten.de/staedte/essen/kultur/Kuenstler-besetzen-altes-DGB-Haus-in-Essen-id3257983.html
http://www.derwesten.de/staedte/essen/DGB-stellt-Kuenstlergruppe-Ultimatum-id3261521.html
http://www.jungewelt.de/2010/07-20/054.php
http://www.jungewelt.de/2010/07-21/062.php
http://www.derwesten.de/staedte/essen/Auf-der-Suche-nach-Freiraeumen-id3262681.html
http://www.ruhrbarone.de/kunstlerhaus-besetzer-raumen-bis-18-00-uhr-ruhr2010-und-dgb-verpassen-chance/
http://landforfree.blogsport.de/2010/07/20/kunstbesetzung-in-essen/

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie z.b. Ihre Vermögensverwaltung über ihre Meinung zu der Situation informieren, DGB intern oder öffentlich kommunizieren würden. Ihre Solidarität kann uns sehr helfen!

Über jede Form der Unterstützung wären wir äußerst dankbar. Wir verfolgen ein gutes Ziel mit den besten uns zur Verfügung stehenden Mitteln.

Einen guten Einblick in den Verlauf der Aktion bietet auch der Email-Verkehr zwischen der Hamburger Initiative "Recht auf Stadt" und Uwe Grund, dem Hamburger DGB Vorsitzenden.

Offener Brief der Initiative "Recht auf Stadt", Hamburg:

"Werte Freiräumer in Essen. Werte Mitstreiter. Werte Öffentlichkeit.

Nein, schön geht anders.
Das ehemalige Gebäude des DGB-Essen in der dortigen Schützenbahn ist einer dieser Funktionsbauten aus der Mitte des letzten Jahrhunderts, die betonselige Architekten der Einheitsgewerkschaft als letzten Schrei verhökert hatten. 2007 wurde das Gebäude ausgeleert, auch wenn viele Gewerkschafter/innen das weder gut noch nötig fanden. Aber der Kopf setzte sich gegen den Bauch durch und so residiert die abschmelzende Vertretung der Arbeiterklasse seitdem im 9. – 11. Stock einer dieser gesichtslosen Hochhäuser der Essener Innenstadt. Das alte Haus hat seit drei Jahren weder Kaufinteressenten noch Perspektiven gesehen. Bis jetzt, also bis neulich: Da beendeten Essener Künstler den Leerstand, um über einen neuen Weg im und mit dem Haus nachzudenken und ihn einzuleiten. Anstatt sich aber über diesen Schritt zu freuen, den viele und auch führende Gewerkschafter in vielen Städten landauf, landab berechtigt unterstützen, schickt der DGB-Essen einen Anwalt mit Räumungsabsichten und droht den Benutzern mit der Polizei. Und das ausgerechnet in dem Jahr, in dem die Stadt Essen als Kern der Kulturhauptstadt Ruhr die Aufgabe übernommen hat, Kunst und Kultur – auch kritische - zu pflegen und zu hegen und nicht rauszuschmeissen. Nein, schön geht anders. Und gerecht auch. Nun ist das Hamburger Netzwerk "Recht auf Stadt" angesichts der prekären Situation von immer mehr Menschen in dieser Stadt vor ein paar Monaten vom hiesigen DGB eingeladen worden, an einem Gerechtigkeitsgipfel für die Hansestadt mitzuschrauben, dessen widerständige Strahlkraft weit über die Metropole Hamburg hinaus leuchten sollte. Die Vertreter von Recht auf Stadt haben mit aller gebotenen Zurückhaltung in den letzten Wochen als kreativer Beobachter an einem möglichen Gerechtigkeitsgipfel mitgeredet. Dazu gehört neben einer grundsätzlichen Debatte und Kritik der herrschenden Stadtentwicklungsdebatten, auch breite und gemeinsame Ablehnung von Leerstand von überbautem Raum. Das war in den bisherigen Gesprächsrunden spürbarer Konsens. Und das sollte beileibe nicht bei privaten leerstehenden Wohnungen stehen bleiben. Nicht ohne Grund sind die Menschen aus dem besetzten Gängeviertel in Hamburg eines der Gründungsmitglieder von Recht auf Stadt. Wir fordern den DGB und seine Immobilienvertreter auf, mit den Besetzern über eine Nutzung des Gebäudes zu verhandeln, anstatt drohen und räumen zu lassen. Wir erwarten außerdem, dass die zeitweiligen Benutzer/innen des Alten Gewerkschaftshauses in Essen nicht Nachteilen finanzieller oder rechtlicher Art ausgesetzt werden, weder durch den DGB selbst noch durch eingespannte Dritte. Ein Gewerkschaftsverbund, der gemeinsam mit sozialen Bewegungen einen "Gerechtigkeitsgipfel" abhalten will und gleichzeitig legitime Anliegen aus diesen Bewegungen mit Räumung bzw. juristischer Verfolgung beantwortet, ist für uns als Partner nicht tragbar."

Nein, schön geht anders. Aber, der DGB hat es hier ja in der Hand, aus der Notlage was zu machen..
Michaela Richter
Gode Wilke
Georg Möller
für das Netzwerk "Recht auf Stadt" im Vorbereitungskreis zum "Gerechtigkeitsgipfel 2010"

  • Wir fordern den DGB Hamburg und die anderen Teilnehmer der Vorbereitungsrunde zum Gerechtigkeitsgipfel auf, entsprechenden öffentlichen Druck auf den DGB Essen zu entwickeln, mit den Besetzern verhandeln über eine Übernahme durch die Besetzer.
  • Wir solidarisieren uns mit den "Freiraum2010"-Besetzern im ehemaligen DGB-Haus am Schützenplatz in Essen und erwarten von der dortigen Stadt Unterstützung bei der Urbarmachung des Hauses für seine zukünftigen Nutzer. Und zwar schön schnell. Und gründlich.
  • Wir erwarten von unseren Kolleg/inn/en in und rund um den DGB, dass sie verhindern, dass die zeitweiligen Benutzer/innen des Alten Gewerkschaftshauses in Essen irgendwelchen Nachteilen finanzieller oder juristischer Art ausgesetzt werden, weder durch den DGB selbst noch durch eingespannte Dritte. Sonst ist der Hamburger Gerechtigkeitsgipfel für uns nur Tapete. Hamburg, 21.07.2010

Antwort von U. Grund, DGB-Vorsitzender, Hamburg:

"Lieber Herr Möller,

der Vorgang in Essen war hier in HH völlig unbekannt. In Abstimmung mit Wolfgang Rose habe ich Kontakt mit unseren Kollegen vor Ort aufgenommen.

Die haben die Vorgänge im Wesentlichen bestätigt. Zur richtigen Einordnung sei an der Stelle jedoch bemerkt: Der DGB Essen war in dem Haus bis vor 3 Jahren schlicht und einfach nur Mieter. Er hätte es gerne auch weiter selber genutzt. Der bauliche Zustand des Gebäudes lies eine Nutzung so nicht mehr zu.

Inzwischen ist der DGB Essen in einer Immobilie als Übergangslösung untergebracht, bis ein anderes Gebäude, in der dann 6 der 8 Essener Gewerkschaften gemeinsam einziehen werden, renoviert ist.

Der DGB-Vorsitzende Dieter Hillebrand wurde vor der Besetzung des Gebäudes durch die Künstler weder kontaktiert oder informiert. Er hat allerdings mit Kollegen die Künstler vor Ort im besetzten Gebäude besucht und dabei im Gespräch Unterstützung für das grundsätzliche Anliegen und Sympathie für Ziele von "Freiräume 2010" geäußert.

Die rechtlichen Maßnahmen wurden von Immobilieneignerin VTG veranlasst und keinesfalls - wie die Medienberichte unterstellen lassen - vom DGB Essen.

Das ändert nichts daran, dass auch wir hier in der Hansestadt das Vorgehen der VTG im Essener Fall mehr als nur befremdlich finden. Das werden wir an den richtigen Stellen auch zum Ausdruck bringen.

Ich darf Euch/Ihnen auch im Namen von Wolfgang Rose versichern, dass ein vergleichbarer Vorgang hier in Hamburg für uns so nicht vorstellbar wäre, in jedem Fall aber wohl einen anderen Verlauf genommen hätte.

Mit nachdenklichen Grüßen

Uwe Grund
DGB-Vorsitzender Hamburg
Besenbinderhof 60
20097 Hamburg"

Vielen Dank fürs lesen...

Ihre freundlichen KünstlerInnen der Initiative "Freiraum2010"

Freiraum2010@gmx.net
www.freiraum2010.de
V.i.S.d.P.: J. Hendricksen
Tel.: 017622625851

Fr, 23.07.2010 0

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22.07.2010

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vor 1 Jahr 43 Wochen

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Metropole Ruhr
Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

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