Freiraum Folkwang – Künstlerleben auf der Straße

Es ist natürlich nicht so, wie die Überschrift vermuten lässt. Nicht die Essener Folkwang-Institute oder das Folkwang-Museum, welches hier gemeint ist, hat die Künstler auf die Straße gesetzt, böse Zungen könnten dies der Stadt Essen vorwerfen. In Wirklichkeit sitzen die jungen Wilden nur da, wo sie schon immer zu sitzen hatten.


Die Nachricht meines Freundes Hardy Bock erreichte mich kurzfristig: Wir könnten uns doch beim Folkwang-Museum vor die Tür setzen und dort malen, als Hinweis auf fehlenden Räume für Kunstschaffende in Essen – sozusagen.

 

Politik, malerisches Sonnenbad oder arbeiten gehen?


Graue Mauer
Kunst vor der Tür. (Foto: Joscha Hendricksen)










In Bezug auf die politische Aussage war ich von Anfang an skeptisch, mich hingegen mit ein paar Freunden vor das Folkwang-Museum zu setzen und dort zu malen, hielt ich für ein attraktives Angebot. Da ich, ebenso attraktiv, nicht von meiner Kunst leben kann – das stände nun auch in eklatantem Widerspruch zu der geforderten Einheit von Kunst und Leben – und mich so nebenher als freier Journalist bei einem Kulturblog verdinge, gedachte ich das Nützliche mit dem Schönen zu tauschen und griff nach meiner Kamera.




Künstler als Bürgerschreck bzw. Solidarität mit dem Folkwang-Museum


Bereits auf dem Weg traf ich auf weitere Kunstfreunde, die sich auf den Weg gemacht hatten, und unterhielt verwunderte Passanten mit Einschätzungen über Otto Mühls Manopsychotisches Ballett – denn in Mühls Fall sind bereits aufgeschnappte Wortfetzen aufregend genug.

Am Museum angekommen gestaltet sich die Lage entsprechend der Architektur des Eingangsbereichs: Grau und Beton. Und wie war das jetzt mit der politischen Aussage der Aktion? Ich starte eine Umfrage.

„Dies ist eigentlich mehr eine Solidaritätsaktion mit dem Folkwang-Museum, als Protest. Für das Museum ist es schwierig die nötigen Mittel für große Ausstellungen zu beschaffen, zudem gibt es auch von städtischer Seite Probleme mit der Finanzierung," sagt eine der Anwesenden. „In der Kultur sollte also nicht gekürzt werden,“ fasse ich andächtig zusammen. „Das Museum ist ein Raum der Kunstbetrachtung. Hier geht es nicht, um das Verkaufen von Bildern," ergänzt ein anderer. „Kontemplation statt Sellout,“ will ich erwidern, doch kratze mich.

 

Der Komplexisierung ist nur mit naivem Aktionismus zu begegnen!


Das Folkwang Museum, die elitäre Kanonküche, eine der neo-feudalen Repräsentationsbauten des Erfolgs-Bürgertums ist also ein zur Kontemplation einladender Kunsttempel, mit dessen wirtschaftlichen Geschicken ich mich als Kulturmensch solidarisch erklären soll?

Discount
Mal-Utensilien 18,60 €, in der Sonne malen unbezahlbar. (Foto: Joscha Hendricksen)


Mir will die Einsicht nicht gelingen und ich verwerfe meine journalistische Mission, um mich stattdessen umgehend beim nächsten Discounter mit Mal-Utensilien einzudecken, um in der Sonne mit meinen Freunden zu malen.

 

Discount-Künstler für 18,60€


Ich erwerbe:

1.    Leinwand – 70cm x 100cm für 8.95€
2.    Ein Acryl Farben Set – 6x 75ml für 3,95€
3.    Ein Pinselset inkl. Mischpalette – 3,95€
4.    4 Plastikbecher als Malbecher – 1,75€

und schlage mein Atelier an der grauen Mauer auf.

 

Vor dem Museum ist ein Atelierplatz zu vergeben


Atelier frei
Atelierplatz zu vergeben. (Montage: Joscha Hendricksen)


Hier klicken, um dieses Bild zu kaufen.
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In meiner Abwesenheit wurden wir von den Folkwang-Securities bemerkt. Eine freundliche Dame sei herausgekommen, wird mir berichtet, und habe, nachdem wir unser Anliegen erklärt hatten, nichts dagegen gehabt, dass wir weiter hier blieben.

„Wir haben ja auch die Fahnen nicht dabei,“ höre ich jemanden sagen. Als Sprecher der Freiraum2010-Initiative kann ich hiermit mitteilen: „Vor dem Folkwang Museum dürfen Kunstschaffende ihr Atelier aufschlagen, um darauf hinzuweisen, dass es keine bezahlbaren Arbeits-, und Präsentationsflächen in Essen gibt!“



Fotos: Joscha Hendricksen

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So, 07.08.2011 2

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Kommentare

Gekauft!!

Yeah ... hab das JPG schon auf meinen Schreibtisch gezogen, Kann ich eine Quittung haben? Hoffe natürlich auf Wertsteigerung, jetzt wo ich aus den Aktien raus bin.

nein, falsch

du musst das original bei mir abholen. auratisch und mit objekt-seele--- das Selbst des JpgS hat keinen Mehrwert nur Lenkwert...her mit den 2500€

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27.02.2010

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