Foucault Hila - Gibt es eigentlich eine Metropole?

Der französische Philosoph, Historiker und Soziologe Michel Foucault ist ja ein ganz schwieriger Fall: Nicht nur, dass er behauptet, dass es den Autoren nicht gibt, sondern er ist ja auch noch selbst einer. Aber reden wir nicht über den Autoren, sondern über die Gründe, warum er glaubt, dass es ihn nicht gibt. Das gibt Gelegenheit für eine pseudowissenschaftliche Fachsimpelei mit alltagskultureller Absicht und der Frage: Gibt es denn eigentlich eine Metropole?

Eigentlich ist es ganz einfach: Foucault versteht Geschichte nicht als fortlaufend oder gar teleologisch, sondern als aneinandergereihte und sich teilweise überlagernde Diskurse, die sich allenfalls gegenseitig beeinflussen, aber irgendwann auch wieder verschwinden. Geschichte verändert sich, hat aber kein Ziel. Zu jeder Zeit gibt es bestimmte Mächte, die bestimmen, was gesagt werden kann und was nicht. Bin ins 17. Jahrhundert etwa gab es zum Beispiel den Autoren, wie wir ihn heute kennen, also als sinngebene, zu weilen auch geniale Instanz, nämlich gar nicht. Um das zu werden, brauchte es eine Vorstellung von Subjekt, rechtliche Rahmenbedingungen, zudem auch Verlage, Verleger, Buchdruck sowieso. Vor deren Entstehung war es entsprechend ausgeschlossen, dass ein Begriff wie "Autor" aufkommen bzw. dass dieser Begriff in der Bedeutung ausgesprochen werden konnte.

Und Metropole? Den Begriff gibt es schon seit der Antike, er wurde aber damals sicher nicht synonym verwendet. Wie auch der Autor, weist der Begriff "Metropole" Schwierigkeiten auf. Ist eine Metropole einfach nur eine große Stadt und wenn ja, wie groß muss sie dafür sein? Zeichnet sich eine Metropole durch herausragende Wirtschaftskraft aus oder ist das kulturelle Leben der entscheidende Maßstab? Ah, aber wie misst man das eigentlich? Und was man sich hier immer fragt: Darf eine Metropole eigentlich mehrere Innenstädte haben? Vermutlich ja, siehe Berlin. Wikipedia verweist, dass die eigene Definition einer Metropole zudem zwischen 1 und 10 Millionen Einwohner umfasst. Diese Definition stammt vermutlich nicht aus der Antike und überhaupt ist die Tatsache, dass es für sowas eine Definition gibt, nur ein Zeichen eines von Verwaltung und Normierung geprägten Diskurses. Im heutigen Begriff "Metropole" stecken wohl zudem Elemente von Kultur, Urbanität, Integration und Wirtschaft gleichermaßen drin.

Und was soll das Ganze? Eigentlich nichts, außer zu zeigen, dass der Begriff "Metropole" nicht so selbstverständlich ist, wie er scheint. Vor der Antike hat es ihn nicht gegeben, er ist zwischenzeitlich im Mittelalter vermutlich auch verblasst und später wieder aufgetaucht und irgendwann wird er in anderen Diskursen keine Verwendung mehr finden. Ganz ähnlich ist ja auch der modische Vokuhila-Schnitt (auch Nackenspoiler) aus dem Leben verschwunden. Würde man in der Zukunft Dokumente aus unserer Zeit finden, in denen vom Ruhrgebiet als Metropole gesprochen wird, die Menschen würden da stehen und sagen: "Metropole? Wat meinten die denn?"

Also das Ruhrgebiet würde es auch geben, wenn es keine Metropole ist, war oder noch werden wird. Die Rhein-Ruhr-Region (also das Ruhrgebiet mit Niederrhein bis Düsseldorf) wird übrigens laut Wikipedia auch ganz desktriptiv als "megaurbaner Raum" beschrieben. Das hat doch auch was.

Die Illustration wurde mit der tollen Seite www.worldle.net erstellt.

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So, 14.03.2010 1

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Kommentare

der begriff "metropole" nervt

der begriff "metropole" nervt mich fürchterlich. im ruhrgebiet scheint die meinung vorzuherrschen, je lauter und öfter man sich selbt als "metropole" bezeichnet, umso zutreffender wird diese titulierung. vielleicht ist es mir entgangen, aber ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte mal die kölner, hamburger, berliner von ihrer stadt als "metropole" hab reden hören...

Über den Autor

06.01.2010

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Metropole Ruhr
Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

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